Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer: Bühnenfassung von Heiner Müller
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Dramatik EAN 9783518118306

Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer: Bühnenfassung von Heiner Müller

Hersteller: Suhrkamp Verlag Ag  ·  MPN: 465066
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Produktfakten auf einen Blick

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Suhrkamp Verlag AG
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9783518118306
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Dramatik
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Produktbeschreibung

Bertolt Brecht, geboren 1898 in Augsburg, beginnt die Arbeit an Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer in Berlin Ende 1926. Obwohl das Material, das er unter diesem Titel innerhalb der darauffolgenden Jahre sammelt, viele hundert Seiten umfaßt und er in mehreren Phasen intensiv daran arbeitet, wird Fatzer nicht zu Ende geschrieben. Brecht arbeitet in diesen Jahren zweigleisig: Einerseits studiert er mit großem Interesse die Theorien politischer Ökonomie und versucht in mehreren Anläufen, daraus bühnenwirksame Texte zu machen. Auf der anderen Seite schreibt er zusammen mit Kurt Weill

Bewertungen & Erfahrungen

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Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 22.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Das Buch bietet zwar einen interessanten Einblick in Brechts Werk, ist aber für mich als Teil der Elektro-Teile nicht direkt relevant. Die Qualität der Reproduktion ist akzeptabel, aber der Bezug zur Kategorie ist sehr weit entfernt.
Redaktion 22.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Klasse!
H. G. Scheerer 12.05.2024 amazon.de
stammt eigentlich von Heiner Müller, so könnte die Grundessenz von Fatzer lauten. Zwar stammt das Material von Brecht, die Gestalt des Stückes jedoch von Müller. Es handelt sich also um eine Vollmontage aus Brecht-Material. Daher ist es sinnvoller beim Fatzer, von einem Müller-Stück zu sprechen. Denn Brecht hätte dem Material zweifelsfrei, also der Endgestalt des Stückes, das Fragment geblieben ist, eine ganz andere Form gegeben, als Müller.Fatzer, genauer gesagt das Fatzer-Material nimmt im Werk Brechts eine ähnliche Schlüsselstellung ein, wie die Hamlet-Maschine im Werk Müllers, d.h. einem Intellektuellen, einer Art Hamlet des wissenschaftlichen Zeitalters, kommen erste Zweifel über die Verwirklichung der sozialistischen Revolution zu seinem Lebzeiten. Beschrieben wird also schon bei Brecht, was Müller in der Hamlet-Maschie "die Versteinerung einer Hoffnung" nennt.Die Gründe des Scheiterns der Revolution werden dargelegt. Einige finden sich seltsamerweise - und das ist der historisch-dialektische Grundzug, das "Furchtzentrum" des Stückes, wie Brecht es an einer Stelle nennt, in der Figur des Fatzers selbst, also des einzigen wirklichen Revolutionärs im Stück. In seinem Individualismus, oder wie es im Titel heisst "Egoismus", sind die Gründe des Scheiterns bereits eingegraben. Kein Wunder, dass die anderen beschließen, dass Fatzer exekutiert werden muss, wenn die Revolution doch noch vor dem Scheitern kommen soll.Die Exekutionsszene Fatzers bildet gleichsam den Urtext zur Massnahme von Brecht, wie später zu Mauser von Müller. Der weitere Verlauf der Geschichte hat dann gezeigt, im Stück selbst nicht mehr dargestellt, dass durch die Exekution Fatzers die Revolution nicht befördert, sondern behindert worden ist, oder wie Müller sagt "versteinert" ist. Diese "Versteinerung einer Hoffnung" ist dann das Grundthema der Hamlet-Maschine, Müllers wichtigstem Stück.Statt die Handlung des Dramas nachzuvollerziehen, ist es an dieser Stelle besser, einige Zitate aus diesem "Jahrhunderttext" anzuführen. So erschließt sich die Bedeutung des Textes bereits aus wenigen Auszügen:"Glotz nicht so kalt, vielleicht bist du ewig.""Ich scheiße auf die Ordnung der Welt.""Arm ist ärmer und reich reicher jetzt und zwischendrin ist nichts: das ist auch gut.""Je mehr man hinsieht, desto wenig erscheint ein Mensch als Mensch.""Wo früher ein Mensch war und ein anderer, da ist jetzt die Masse.""Denn jetzt bald tritt hervor das neue Tier, das geboren wird, den Menschen auszulösen.""Etwas mehr Unvernunft bitte!""Ich bin gegen eure mechanische Art, denn der Mensch ist kein Hebel.""Behaltet von allem an mir nur das euch Nützliche, der Rest ist Fatzer.""Die essen ihr Brot ohne Salz, das alles dauert noch tausend Jahre.""Was ich nicht gern gesteh, gerade ich verachte solche, die im Unglpck sind.""Das kommen großer Veränderungen kündet sich durch Furcht an.""Sonderbar, wie sich verändert, was so dauerhaft scheint und unverändert bleibt, was uns als flüchtig gelehrt.""Wie früher kamen Gespenster aus Vergangenheit, so jetzt aus Zukunft ebenso.""Die Situation muss so halluzinativ sein wie gestellt.""Sie haben nichts gelernt als ihre Solidarität, die ist, was sie vernichtet.""Das Neue ist aber unter allen Umständen das Böse und nur das Alte ist gut.""Die guten Menschen jeder Zeit sind die, welche die alten Gedanken in die Tiefe graben und mit ihnen Frucht tragen, die Ackerbauern des Geistes. Aber jedes Land wird endlich ausgenützt, und immer wieder muss die Pflugschar des Bösen kommen.""Für die Freiheit, für den Terror: Zu schach, uns zu verteidigen, gehen wir zum Angriff über.""Lass alles Alte liegen und beschließe sogleich Neues, den vollkommenen Umsturz.""Die sind in Ordnung. Aber ich bin in Unordnung. So wie sie ist die Zukunft.""So schlecht, Fatzer, ist eben unsere Lage, dass weniger als die ganze Welt uns nicht helfen kann.""Alles, was nach uns geschieht, ist, als geschähe es nicht.""Die wo selbständig sind, soll man als erstes erschießen. Sonst wird die Welt nicht anders.""Das ist die Hoffnung, dass es solche gibt, die nichts verstehen von dem, was sie verstehen müssten, damit so ein Sumpf bleibt""Lasst uns vernünftig unserer neuen Niederlage ins Gesicht sehn!""In der Nähe großer Unvernunft ist schwer denken.""Für das Experiment - ohne Realität - zur Selbstverständigung.""Alles, was heute gedacht wird, ist nur, damit gut erscheine, was gemacht wird.""Der Zweck, wofür eine Arbeit gemacht wird, ist nicht mit jenem Zweck identisch, zu dem sie verwertet wird. Die Erkenntnis kann an einem anderen Ort gebraucht werden, als wo sie gefunden wurde.""Was vorbei natürlich, ist nicht besser als was kommt.""Und da, was euch nichts ausmacht, dass der Regen fällt von oben nach unten, das ist mir unerträglich.""Das sind Leute, die wollen, dass alle gleich sind, und können doch alleine nicht leben.""Wer von uns gestern unruhig schlief, weil in ihm Furcht war, und gestern gar nicht schlief vor neuer Hoffnung, weiß heut, dass unsere Sache aus ist.""Lasst uns jetzt ordnen unsere verlorene Sache.""Wir werden den Tag nicht mehr schauen. Aber wir werden ausgerüstst sein.""Seid nicht hochfahrend, Brüder, seid demütig, und schlagt es tot.""Nach uns kommt nichts.""Und von jetzt ab und eine ganze Zeit über, wird es keinen Sieger mehr geben auf der Welt, sondern nurmehr Besiegte."
Hermann Scheithauer 12.05.2024 amazon.de
Eine gute Ergänzung zu anderen Stücken von Brecht! Auch wenn es sich "nur" um eine unvollendetet Rohfassung handelt, fand ich es interessant zu lesen. Es ist versehen mit einem Vorwort von Heiner Müller und wurde auch von ihm Inzeniert bzw. bearbeitet. Von mir 5 Sterne und eine Empfehlung.
Paul Polter 12.05.2024 amazon.de
„Fatzer“ oder „Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer“ ist ein Bühnenstück Bertolt Brechts, das dieser von 1927 bis 1931 bearbeitete, aber nicht abschloß, das also Fragment blieb. Es existieren davon mehrere Fassungen.Heiner Müllers unter „Fatzer-Material 1978“ stehendes Vorwort ist etwas gewöhnungsbedürftig. Das dargebotene Brechtsche Material hingegen, von Müller zum vorliegenden Bühnenstück bearbeitet, ist interessant und lesenswert.Heiner Müller schrieb 1980 im Brecht-Jahrbuch zum Fatzer-Stoff: „Vier Leute desertieren aus dem ersten Weltkrieg, weil sie glauben, die Revolution kommt bald, verstecken sich in der Wohnung des einen, warten auf die Revolution, und die kommt nicht. Da es keine besseren, keine expansiven Möglichkeiten gibt für ihre angestauten revolutionären Bedürfnisse, radikalisieren sie sich gegeneinander und negieren sich gegenseitig.“An der Westfront geraten Fatzer sowie die Soldaten Büsching, Kaumann und Koch im Herbst 1917 ins Niemandsland zwischen den Front. Von dort machen sie sich auf nach Mühlheim an der Ruhr. Aus dieser Grundsituation entwickelt sich unter den Bedingungen des Ersten Weltkrieges die weitere Handlung, bei welcher vor allem die prekäre Ernährungs- und Wohnungslage eine wichtige Rolle spielen. In der Heimat gärt es. Es kommt zu Hungerdemonstrationen, Streiks und Protesten gegen Krieg und schlechte Ernährungs- und Versorgungslage. Allein im April 1917 streiken Hunderttausende in Berlin, Leipzig und anderen Städten des Deutschen Reiches. In dem Buch „November 1918 – Der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts“ von Klaus Gietinger ist hierüber mehr zu erfahren.Der jahrelange Stellungskrieg an der Westfront wird beschrieben: „Und vier Jahre hausend unter dem Boden, in Löchern aus Zement, einander beschossen mit zehntausend Zentnern Erz, essend Gras und Fleisch ihrer Pferde, auf Maschinen aus Blech neuer Erfindung durch die Luft fliegend, gegen einander, auch rollend in eisernen Kärren, gegeneinander, welcher Krieg vier Jahre dauerte“ (S. 15). „Fragt keiner nach uns, wir sind verloren.“ (S. 16) So sind sie (Fatzer, Büsching, Kaumann und Koch) „abgehaut aus diesem dreckigen Krieg“ (S. 34).Schon sehr früh erkennt Fatzer, daß „dieser Krieg geht gegen uns“ (S. 23). Später bemerkt Fatzer, daß der Krieg herausgepresst wird. „Und darum müssen wir unsere eigene Sach ausfechten und uns eindecken mit Nahrung.“ (S. 32)Der Chor tritt auf und kommentiert das Gesehene, Gelesene, Geschehene: „Denn auch eure Gegner haben hinter sich noch ihren Gegner, das Bürgertum (...) Dies erst ist eure wirkliche Lage. Jetzt aber kannst du erkennen, was zu tun ist für euch und alle Soldaten, welche Gehorchende sind auch gegen euch. Wendet euch um und verwandelt den Krieg der Völker in den Krieg der Klassen und den Weltkrieg in den Bürgerkrieg, also bleibet beisammen und tragt den Krieg in euer eigenes Land, denn vor ihr euer Bürgertum nicht vertilgt habt, werden Kriege nicht aufhören.“ (S. 42/43) Revolutionärer Defätismus. „Der Hauptfeind steht im eigenen Land“, hallt es aus der Heimat.„Wir hören den Krieg auf.“ (S. 102)Wie das „Unternehmen“ dieser selbst gewählten „Schicksalsgemeinschaft “ ausgeht und wie es mit Fatzer und seinen Kumpanen endet, möge die geneigte Leserin und der geneigte Leser gerne selbst erfahren. Hingewiesen sei noch auf die "Mühlheimer Fatzerbücher" und die dortigen Fatzer-Tage . „Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer“ ist ein interessantes und lesenswertes Fragment.
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