Ja, entzückend ist diese neue Märchensammlung von Sauerländer. Auf vier CDs lesen verschiedene Schauspieler und Schauspielerinnen 27 Märchen der Brüder Grimm vor. Sie tun es mit Können, Herzblut und Augenzwinkern. Schon darin liegt der Reiz dieser Sammlung, nämlich dass wir Hörer nicht auf einen Vorleser fixiert sind, sondern uns über eine wohldosierte Mischung von unterschiedlichen Vorlesestilen freuen. Und so können wir - erwachsenen - Hörer sehr wohl die Doppelbedeutung bzw. den Hintersinn so mancher Passage herausfischen. Was will eigentlich der Frosch im Bett der Prinzessin? Wes Fleisches Kind ist der böse Wolf? Hans mein Igel kann durchaus zärtlich stechen und Rapunzels Zwillinge wurden dem lieben Ding sicherlich nicht angehext. Aber keine Bange! Sowohl Text als auch Sprache sind das, was wir von früher her kennen, alles wurde genau so belassen, wie wir es damals noch von der Oma oder im Kindergarten hörten. Sofern Sie sich nicht prinzipiell dafür entschieden haben, Märchen von Ihren Kindern fernzuhalten, kann man sie diese Sammlung in aller Ruhe anhören lassen. Dass nichts verkitscht, nichts an der Sprache verändert, nichts auf heutiges Mediendeutsch vereinfacht wurde ("das" Aschenputtel legt "seine" Kleider auf das Grab zurück, nicht "ihre" Kleider), ist ein weiterer Pluspunkt. Kinder kommen mit der exakten Grammatik sehr wohl zurecht, auch mit Begriffen, die heute nicht mehr gebräuchlich sind. Ich meine sogar, diese Sprache tut Kindern gut. Sie werden jedenfalls nicht dümmer davon.Die kurzen Musikeinlagen zwischen den einzelnen Märchen müssen nicht gefallen, können es aber. Die Musik klingt nach Folk: kein Wunder, denn die Geigerin heißt Gudrun Walther. Die Illustrationen auf den Hüllen und dem Booklet stammen von Charlotte Dematons: auch sehr schön. Die Informationen im Booklet fand ich etwas sparsam, zumindest, was die Vorleser angeht (die Angaben über die beiden Grimms dagegen sind recht ausführlich). So hätte ich gern gewusst, woher und von wann die Aufnahmen stammen. Zumindest ein paar müssen schon etwas älter sein: Der großartige Ulrich Mühe ist schon ein paar Jahre tot, aber zwei Aufnahmen sind mit ihm, gemeinsam mit Susanne Lothar, im Duo sozusagen.Aber das ist nur ein kleiner Wermutstropfen in diesem zauberhaften Werk voller Poesie.