Der fremde Freund / Drachenblut. Text und Kommentar
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Gegenwartsliteratur EAN 9783518188699

Der fremde Freund / Drachenblut. Text und Kommentar

Hersteller: Suhrkamp Verlag Ag  ·  MPN: 465232
4,4/5 (5 Bewertungen)
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Zuletzt aktualisiert: 12.05.2026 10:22 Uhr
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Produktfakten auf einen Blick

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Suhrkamp Verlag AG
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9783518188699
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Gegenwartsliteratur
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Produktbeschreibung

Text und Kommentar in einem Band. In der Suhrkamp BasisBibliothek erscheinen literarische Hauptwerke aller Epochen und Gattungen als Arbeitstexte für Schule und Studium. Der vollständige Text wird ergänzt durch anschaulich geschriebene Kommentare.

Bewertungen & Erfahrungen

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Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 24.05.2026 testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist ein fantastisches und fesselndes Leseerlebnis, das mich tief in eine andere Welt entführt. Die Kombination aus Text und Kommentar ist hervorragend und macht das Lesen unglaublich spannend.
Redaktion 24.05.2026 testmonster.de · Redaktion
Ein interessantes Buch mit viel Text und Kommentar, das gut zum Thema passt. Allerdings ist es literarisch sehr dicht und erfordert volle Aufmerksamkeit.
Redaktion 24.05.2026 testmonster.de · Redaktion
Interessant!
Amazon Kunde 14.03.2024 amazon.de
„Angefangen habe ich das Buch als die Geschichte dieses Henry. Nach einem tatsächlichen Ereignis. Das interessierte mich dann bei der Arbeit nicht mehr, und ich habe das Ganze als Frauengeschichte geschrieben, in welcher dieser Henry nur noch als Schemen im Hintergrund fungiert.“Diese Aussage traf der 1944 geborene Christoph Hein, heute wie damals, 1982, als die Novelle, von der er im hier wiedergegebenen Zitat sprach, erschien, ein bedeutender Schriftsteller, über Der fremde Freund. Heute ist das Buch bei Suhrkamp nur unter einem Doppeltitel zu haben: in der DDR erschien das Buch unter dem Titel Der fremde Freund, was in der Bundesrepublik nicht ging, da dort bereits in diesem Zeitraum ein Roman aus dem Ausland erschienen war, der denselben Titel trug. In Anlehnung an das letzte, epiloghafte Kapitel der Novelle wurde das Buch dann letztlich in der BRD Drachenblut getauft.Dass wir dieses Buch, Der fremde Freund. Dracheblut heute überhaupt in dieser Form lesen können, ist ein kleines, literatur-geschichtliches Wunder. Christoph Hein hatte in den 70er Jahren bereits mit dem Verfassen von Theaterstücken seine schriftstellerische Laufbahn begonnen. Im erzählerischen Bereich waren bisher nur alleinstehende Kurzprosatexte erschienen, die Novelle war sein erstes, längeres, erzählerisches Werk. Was genau die wahre Geschichte ist, die hier als Inspiration bereitgestanden hat, ist eigentlich für das Verständnis der Novelle nicht weiter von Belang. Interessant ist vielmehr der Hintergrund der Erscheinung dieses Buches, denn obwohl man sich in den 70er Jahren, als es an der Spitze der DDR-Staatsführung einen Machtwechsel von Walter Ulbricht zu Erich Honecker gab, mehr Freiraum im stark von der Zensur dominierten Kulturbereich der DDR erhoffte, gab es auch unter dem neuen Staatssekretär bald massive Einschränkungen für die Freigeister und Kulturschaffenden. Die Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 erregte besondere Aufmerksamkeit, von den Autoren, die nach wie vor in der DDR blieben und wirkten, spricht man eher selten – heute nur noch aus geschichtlicher Perspektive.Dass Christoph Hein wie viele andere Zeitgenossen, denke man beispielsweise an Christa Wolf, in seinen Texten, die noch in der DDR erschienen sind, auch immer stets den Staat und sein Wesen im Blick hatte, merkt man möglicherweise erst dann, wenn man sich die Alltagslage, in der er seine erste, schriftstellerische Phase hatte, vergegenwärtigt. Hein konnte nichts einfach so schreiben, wie er es gerade dachte – alles, was er von sich gab, konnte zensiert werden. Ihm drohte als Intellektueller allerdings nicht nur die Einschränkung, sondern – möglicherweise ebenso wie Wolf Biermann oder Sarah Kirsch – die Ausbürgerung. Kritiker, die sich mit diesem Buch, Der fremde Freund. Drachenblut auseinandergesetzt haben, äußerten sogar ihre begründete Verwunderung, dass dergleichen nicht geschehen ist, bzw. dass dieses Buch in dieser Form überhaupt erscheinen konnte.Wie eingangs bereits erwähnt ist die Novelle aus der Sicht einer Frau geschrieben – Claudia heißt die knapp 40jährige Protagonistin, die als Ärztin in einem Krankenhaus tätig ist. Ihre Ehe ist gescheitert, zu ihren Kindern hat sie keine gute bis gar keine Beziehung. Die Novelle setzt ein mit der Beerdigung eines Mannes namens Henry, aus dessen Perspektive Hein die Geschichte zunächst erzählen wollte. Er hat gut daran getan, es nicht zu tun, sondern seinem erzählerischen Instinkt zu folgen, und diese Novelle ganz genau so zu schreiben, wie er es letzten Endes getan hat. Es passiert nicht vieles aktiv in diesem Buch. Man ist als Leser gefesselt von der Wahrnehmung der Ich-Erzählerin Claudia, die sich in der Welt und ihrer Identität ein stückweit gefangen zu fühlen scheint, und durch ihren unpolitischen, unideologischen und auch teilweise teilnahmslos anmutenden Charakter eine beklemmende Stimmung in der Novelle erzeugt. Es ist nicht nur die Tatsache, dass sie sehr in sich verschlossen ist, die sie dem Leser unnahbar macht, sondern auch die Tatsache, dass sie alles, was um sie herum geschieht, vermeintlich vollkommen kalt lässt. Wie kam es dazu? Claudia reflektiert ihre Gegenwart wie ihre Vergangenheit immer anhand verschiedener Situationen. Wenn sie mit ihrer Arbeitskollegin Karla oder ihrer Freundin Anne spricht, wird sie von ihnen mit Geschichten aus deren Alltag beschäftigt. Wirklich zu interessieren scheint sie all das nicht. Sie findet Ausgleich in der Landschaftsfotografie, lebt allerdings ansonsten zurückgezogen in einer DDR-typischen Wohnung in Ost-Berlin, die sie zur Überraschung von Henry, der durch Zufall in ihr Leben tritt, im Vergleich zu den anderen aber doch nach besten Möglichkeiten individuell eingerichtet hat.Henry wohnt ein paar Stockwerke tiefer, im selben Hochhaus wie Claudia, und eines Tages steht er einfach vor ihrer Wohnungstür und bittet um Einlass. Aus einem anfangs distanzierten, undefinierbaren und seltsam anmutenden Verhältnis wird später eine Liebesbeziehung. Weder Henry noch Claudia sind bereit, dieser Beziehung einen festen Rahmen zu geben – eine kurze emotionale Regung der Protagonistin meint man erkennen zu können, als ihr Henry mitteilt, dass auch er verheiratet war, es bzw. sogar noch ist, und ebenfalls Kinder hat. Die Eltern, denen Claudia Henry vorstellt, wollen nicht wahrhaben, dass Claudias erste Ehe gescheitert ist. Sie wollen, dass sie zu ihrem ersten Mann zurückkehrt, der mittlerweile in einer Beziehung mit Claudias Schwester lebt, was diese auch vollkommen unberührt lässt. Der Vater nimmt in der Novelle die Position des system- und linientreuen Kommunisten ein, der seiner Tochter vorwirft, durch ihre unpolitische Haltung dem Staat zu schaden. Die Mutter ist eine hilflose Frau, die sich vor der Zeit nach dem Tod ihres kranken und dem Alkohol verfallenen Mannes fürchtet und fast schon krankhaft bemüht ist, eine Beziehung zu ihrer Tochter aufzubauen.Novellentypisch ist nicht zu erklären, warum genau dann das Ende kommt, wenn es kommt, doch nachdem sich Henry und Claudia etwa ein Jahr kannten und miteinander mehr und mehr warm wurden, sich mehr und mehr erzählten, wird Henry bei einer Kneipenschlägerei tödlich verletzt und stirbt. Auf der Beerdigung, die den Anfang der Novelle darstellt, trifft Claudia Henrys Ehefrau und schafft es letztlich, mit dieser Vergangenheit abzuschließen und in eine neue Zukunft zu starten.Abgesehen von der durchaus fragwürdigen Fülle an Charakteren, mit denen Claudia in dieser Novelle konfrontiert ist, gibt es an diesem Buch nahezu nichts auszusetzen. Als Christoph-Hein-Connaisseur soll hier die These gewagt werden, dass dies mit Abstand sein literarisch anspruchsvollstes Werk ist, denn es strotzt im Vergleich zu seinen aktuellen Büchern, denke man z.B. an Trutz, nur so von versteckten Anspielungen und verschlüsselten Botschaften, die der Leser auf den ersten Blick nicht zu erkennen mag, wohingegen viele seiner aktuellen Bücher heute eher dokumentarisch und klar angelegt sind. Heins Sprache ist seriös und glaubhaft – man vergisst vollkommen, dass es ein Mann ist, der hier dieses Buch aus der Perspektive einer Frau schreibt. Und obwohl man mit Claudia als Person nie so wirklich warm werden wird im Verlauf dieser etwa 200 Seiten, hat das Buch doch einen enormen, erzählerischen Sog. Die Rückblicke auf Claudias Kindheit im Nationalsozialismus, das Kriegsende und den Aufbau des sozialistischen Staates, sind wunderbar bildhaft erzählt – es bedurfte dieses beschreibenden Stils, weil Hein um der Zensur zu entgehen bzw. sie zu umgehen, vieles nicht einfach so beim Namen nennen durfte. Durch die Tatsache, dass viele Dinge einfach nicht mit konkreten Begriffen aufgeführt werden, hat die Novelle auch ein viel breiteres Format, als man vielleicht denken mag. Nicht selten wird dieses Buch auch als kapitalismuskritisches Werk gelesen, weil es sich allgemein gegen ein System zu wenden scheint, das die Bürger des Staates zu dominieren und fremdzubestimmen versucht. Die dann aber unverkennbar auf die DDR zu beziehenden Aspekte sind aber für den Leser, der sich in der historischen Materie auskennt, dann aber doch unverkennbar, und Hein ist in erster Linie für seinen Mut zu loben, den er hier zweifelsfrei unter Beweis gestellt hat. Dass Der fremde Freund. Drachenblut überhaupt in dieser Form erscheinen konnte ist, wie eingangs bereits erwähnt, auf jeden Fall ein historisches Ausnahmebeispiel, denn Texte, die in dieser Klarheit auch in der Gegenwart verortet sind (die Handlung der Novelle spielt im Zeitraum eines Jahres, von 1980 bis 1981, parallel zum Entstehungszeitraum des Textes), hatten in der DDR von vornerein keinen guten Stand. Wenn man an Christa Wolfs Erzählung Kassandra denkt, wird man wissen, welche Mittel und Wege die von der Zensur eingeschränkten Autoren, wohnhaft in der DDR, wählen mussten, um ihre Botschaften zu senden.Wenn die Zeit nicht so bitter und ernst gewesen wäre, könnte man fast schon sagen, dass es aber gerade auch die literarische Qualität dieses Buches ist, dass es eben diese verschlüsselten, versteckten Wege geht. Möglicherweise durch Zwang ist aus diesem Buch ein wunderbares Stück rätselhafter Literatur geworden, das in einer hochspannenden Hauptfigur gipfelt, über die zurecht viel nachgedacht und geschrieben wurde. Hein ist sein Erfolg in beiden deutschen Staaten und auch international durch viele Übersetzungen mit diesem Buch auf jeden Fall zu gönnen. Es ist eines seiner ersten, erzählerischen Werke und auch zeitgleich eines seiner besten, obwohl er sein Niveau wie wenige andere Autoren seiner Generation über die vielen Bücher, die seither von ihm erschienen sind, eigentlich immer halten konnte. Seine Themen bieten viel erzählerisches Potenzial, das er immer mit einer sparsamen aber stets passenden Sprache auszufüllen vermag. Seine Bücher sind wichtige Zeitzeugnisse aber auch Studien zwischenmenschlicher Verhaltensweisen und Beziehungen, sozialkritische Blicke auf die Gesellschaft, Auseinandersetzungen mit den Mensch-heitsthemen. Dass Hein hier nahezu all das in einem Buch vereint, was bei vielen anderen Autoren das Gesamtwerk ausmacht, krönt diese Novelle neben ihren sprachlichen Komponenten noch einmal mehr inhaltlich. Denn hier findet sich alles, vom Generationenkonflikt von Kindern mit ihren Eltern bis hin zur Sozialkritik am Staatswesen – Theologie ist dabei, eine dramatische wie berührende und dann doch irgendwie schon wieder verwundernde Liebesgeschichte. Das einzige was das Buch dämpft ist, wie bereits erwähnt, die Vielzahl der Nebendarsteller, die einen oder zwei Auftritte haben und dann nie wieder erscheinen, und das Verständnis der Novelle, den Überblick für den Leser, an einigen Stellen erschweren und von der Linearität abweichen.Dennoch ist dieses Buch hervorragend und auf jeden Fall lesenswert – wer den Schriftsteller Christoph Hein noch nicht kennt, aber mit Garantie im ersten Werk schätzen lernen möchte, der sollte zu seinem literarisch-erzählerischen Kernstück vordringen: Der fremde Freund. Drachenblut – eine hervorragende Novelle mit einer spannenden Hintergrundgeschichte.
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