„Der Prozess“ beginnt damit, dass der Prokurist Joseph K. eines morgens darüber in Kenntnis gesetzt wird, dass er verhaftet sei. Er kennt weder die Gründe dessen, noch wird er darüber informiert, von wem genau er angeklagt worden ist. Keiner der Beteiligten scheint in der Lage, ihm darüber Auskunft zu geben. Joseph K. sieht sich einer Bürokratie ausgesetzt, die er nicht versteht und die für ihn auch nicht ansprechbar ist. Per Telefon wird er einige Tage später dazu aufgefordert, vor einem Untersuchungsgericht zu erscheinen, welches in einem ärmlichen Mietshaus tagt, in dem er den Verhandlungssaal nur schwer finden kann. Mit der Zeit beginnt Joseph, der seinen Prozess vorerst noch belächelt hat und wenig ernst nahm, sich der geheimen Gerichtsbarkeit unterzuordnen und einen Rechtsanwalt zu konsultieren. Er beschäftigt sich mehr und mehr mit dem Prozess und vernachlässigt darüber seine Arbeit. Er erfährt, dass ein Freispruch praktisch nicht möglich sei, die einzige Möglichkeit seinem Prozess zu entgehen, diesen immer weiter hinauszuzögern. Auch scheinen immer mehr Menschen in seinem Umfeld von dem Prozess gehört zu haben, selbst Fremde sprechen ihn an und kennen seinen Namen.Als Joseph K. einem italienischen Geschäftsfreund seines Vorgesetzten den Dom zeigen soll und dieser schließlich nicht auftaucht, informiert ihn ein ominöser Geistlicher dort, dass sein Prozess schlecht ausgehen werde.Am Abend vor K.s einunddreißigstem Geburtstag erscheinen schließlich zwei Männer, die ihn, ohne dass das Gericht ein Urteil über ihn gefällt hat, abführen. Zusammen gehen sie zu einem sich abseits der Stadt befindenden Steinbruch, wo K. mit einem Fleischermesser hingerichtet wird.„Der Prozess“ ist ein Fragment und wurde 1925 posthum veröffentlicht, was an einigen Stellen auch zu bemerken ist, an denen die Handlung abrupt abbricht. Obwohl der Roman unvollendet geblieben ist, unterstreicht dies die groteske und irreale Atmosphäre der von Kafka geschilderten Welt. Es ist eine Welt, die geprägt ist von undurchsichtigen Hierarchien und einer Bürokratie, die über die Protagonisten bestimmt, zu der es jedoch unmöglich scheint, einen Zugang zu bekommen. Die Sprache Kafkas ist nüchtern und ohne Ausschweifungen, was in starkem Kontrast zur Handlung steht und die Figuren bisweilen emotionslos wie Roboter wirken lässt.Den hunderten von Interpretationen, die es in der Sekundärliteratur gibt, möchte ich mich nicht anschließen. Ich glaube, „Der Prozess“ ist kein Roman, dessen Aussage konkretisiert werden sollte. Vielmehr geht es um die Reaktion, die beim Leser erweckt wird – Ungläubigkeit, Schaudern, Angst, Kopfschütteln und viele Fragen.„Der Prozess“ verstört und hallt noch lange nach.
Dem Leser wird schnell klar: Dieser Prozess wird anders! Das fängt natürlich schon damit an, dass es offenbar gar kein Verbrechen oder Ähnliches gegeben hat, aber auch durch das Verhalten der Beamten wird dieser Gedanke bestätigt. So wird K. (wie er im Buch meist genannt wird) zwar verhaftet, jedoch nicht weggesperrt. Im Gegenteil: Er kann sein Leben normal weiterführen, kann wie gewohnt zur Arbeit gehen und sich frei bewegen. Dies führt jedoch dazu, dass K. diesen – durchaus merkwürdigen – Prozess zunächst nicht gerade ernst nimmt. Doch als auch ihm bewusst wird, dass sein Urteil nicht von einem normalen Gericht geführt wird, beginnt er endlich damit, sich mehr mit seinem Schicksal zu befassen.Zu Beginn des Romanes, hatte ich einige Schwierigkeiten damit, die Taten und Unternehmungen von K. nachzuvollziehen. Teilweise schienen mit seine Gedanken etwas zu übertrieben und nur durch falsche Interpretationen von Situationen vorgegeben. Mir wurde dann jedoch klar, dass dies einfach zum Charakterbild von K. gehört und kein „Fehler“ der Autors war.Das Buch hat mir deutlich besser gefallen, als „Die Verwandlung“, was unter anderem auch daran lag, dass ich diesmal mehr das Gefühl hatte, dass uns der Autor etwas mitteilen möchte. Was das ist, kann jeder führ sich selbst entscheiden, denn es gibt scheinbar viele Ansätze das Gelesene zu Interpretieren. Ich persönlich hatte das Gefühl, dass es um die „Verurteilung durch die Gesellschaft“ geht. Denn im Buch scheint jeder, dem K. begegnet, etwas mit den Gericht zu tun zu haben und gleichzeitig scheint keiner zu wissen, was der eigentliche Grund für die Verurteilung ist. Man macht einfach mit.Der Schreibstil war gewohnt nüchtern und flüssig zu lesen. Es gab zwar nie eine große Spannung, aber dennoch war der Inhalt sehr interessant und die Idee davon hat mir einfach gefallen.Fazit Ein interessanter Roman Kafkas, der einigen Platz für Interpretationen lässt und sich sehr gut lesen lässt. Durchaus lesenswert!