Mottenburg nennen die Patienten ihre Lungenheilstätte, in der alle an derselben Krankheit leiden, alle die »Motten« haben. Einer von ihnen ist der achtjährige August, der seine Mutter auf der Flucht aus Ostpreußen verloren hat und selbst verloren wäre, gäbe es da nicht Lilo. Lilo ist siebzehn, sie ist schön, sie wagt es, sich mit der Oberschwester anzulegen, und wenn Lilo seinen Namen ausspricht, klingt er anders als sonst. Mehr als sechzig Jahre danach sind die Erinnerungen an diese Zeit immer noch präsent, kann August darin wie in einem Bilderbuch blättern. In »August«, Christa Wolfs letzte r, begeister aufgenommener Erzählung, ebenso wie in den Erzählungen »Blickwechsel« und »Zu einem Datum« lesen wir von schwierigen Zeiten im Zeichen von Krieg und Krankheit, aber auch von Menschen, die etwas erfahren haben, das man wohl Glück nennen könnte.
Bewertungen & Erfahrungen
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6 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 6 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion22.07.2026
testmonster.de · Redaktion
Eine interessante Sammlung von Kurzgeschichten, die mich in ihre Welt entführen, allerdings sind einige der Themen sehr tiefgründig und erfordern etwas Konzentration.
Redaktion22.07.2026
testmonster.de · Redaktion
Diese Kurzgeschichten sind wirklich faszinierend und transportieren eine tiefe emotionale Wirkung; ich bin begeistert von der Qualität der Erzählungen.
Tolle Ausgabe eines Buches. Meine Sammlung wird durch dieses Buch weiter vervollständigt.Gestaltung und Buchaufmachung ist toll. Habe es auch als Geschenk noch einmal besorgt.
Über einen "anständigen" Menschen schreibt Christa Wolf. Und kaum habe ich diesen Satz notiert, da weiß ich, es hätte "schrieb" heißen müssen. Denn vor kaum einem Jahr ist sie gestorben, die beharrliche, kluge und höchst anständige Schriftstellerin. Aber mir ist sie immer noch gegenwärtig. Und nun schenkt sie uns, ihren vielen lesenden Erben, eine Erzählung über den anständigen Busfahrer August. Nichts an August ist besonders. Einen Reisebus fährt er und Christa Wolf denkt seine Gedanken während der Fahrt. August erinnert sich dankbar an zwei Frauen in seinem Leben. An etwas "was er, wenn er es ausdrücken könnte, Glück nennen würde"."Große Worte sind zwischen uns nicht üblich. Nur so viel", schrieb Christa Wolf in einer handschriftlichen Notiz für ihren Mann, dem sie im Juli des vergangenen Jahres den Text "August" zum Hochzeitstag geschenkt hat: "Ich habe Glück gehabt." - Dem August, waren im letzten deutschen Krieg die Eltern abhanden gekommen, auf der Flucht aus Ostpreußen die Mutter, an der Front der Vater. Nun ist der Junge in der Mottenburg, einer Lungenheilstätte, in der er und die anderen Patienten ihre Tuberkulose ausheilen sollen. Die eine der beiden Frauen, die dem Achtjährigen so etwas wie Glück gab, ist Lilo. Kaum doppelt so alt wie er, um vieles couragierter, gibt Lilo dem August im Sanatorium für eine kleine Zeit etwas, was er bis zu ihr nicht kannte: Heimat.Dem Waisenkind aus Ostpreussen sollte die DDR später zur Heimat werden. Ohne Fanfaren und Fahnenflattern. Einfach so, ein Land, in dem er Schlosser wurde, dann Fahrer in einem Volkseigenen Betrieb. Jetzt, als er den Bus von Prag nach Berlin fährt, als er so vor sich hin denkt - längst ist die DDR vergangen - weiß er, dass die Heimat auch den Namen Trude trug. Jene Frau, die ihm, als sie ihn fragte ob er sie heiraten wolle, das mit dem anständigen Menschen gesagt hatte: "Dieser eine Satz", berichtet Christa Wolf, "hielt die ganzen Jahre ihrer Ehe vor." Und Jahre vor ihrem Tod hatte Trude auch gesagt: "Wenn ich mal vor dir sterbe, musst du dich entmündigen lassen." Weil er doch immer Mühe mit dem Schreibkram hatte. Auch wenn Lilo sich damals, im Sanatorium, so sehr angestrengt hatte, ihm das Schreiben beizubringen."Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd", so beginnt "Kindheitsmuster" einer der frühen Romane von Christa Wolf. Ihre Erzählung "August" stellt sich nicht fremd, ihr ist in ihrem Text die Vergangenheit, der Krieg, der anderen galt und letztlich die Deutschen richtete, sehr gegenwärtig. Es sind unanständige Zeiten, in denen "August" erscheint. Wieder führen die Deutschen Krieg, noch sind es andere Länder, in denen ihre Soldaten unbekannte Menschen umbringen. Unser kleines, schönes Glück, noch haben wir es. Doch nur wer sich nicht fremd stellt, hat Aussichten, es zu halten.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 19:39 Uhr.