Heute früh habe ich den 3. Teil der Jahrhundertwind Trilogie zu Ende gelesen .Ich war sehr traurig , dass ich Clara und ihre Freunde verlassen musste . War ich bei der Champagnerkönigin noch nicht so überzeugt von der Autorin, bin ich es nach *Bella Clara* um so mehr !Clara entflieht einer brutalen Ehe durch eine Lüge, für die sie einen hohen Preis zahlen muss, denn ihr Exmann ist ein Ekel und nutzt die Rechte, die damals galten , sehr gemein für sich aus .Clara sieht in Berlin keine Zukunft mehr . Sie hat von ihren Eltern, die Apotheker waren, die Kenntnisse zur Herstellung von Salben, Cremes, Gesichtswassern und Seifen mit auf dem Weg bekommen und möchte in einer Apotheke arbeiten .Frauen , die arbeiten waren in der Zeit um 1900 noch Blaustrümpfe und nicht gerne gesehen und als geschiedene Frau hat sie überhaupt keine Chance .Sie ergreift den Vorschlag ihrer Freundin und geht an den Bodensee ! Dort findet sie nach sehr hartem Kampf und vielen Enttäuschungen ihre Erfüllung .Ich stelle selber meine Cremes und Salben her und war sehr erstaunt, dass dieses Buch meine Mission als Thema hatte .Das Buch von Petra Durst- Benning stand schon lange in meinem Regal, aber ich hatte es bestellt, als ich noch keine Cremes hergestellt habe und somit war mir der Kappentext entfallen.Ich konnte wunderbar nachvollziehen, wie viel Arbeit eine Creme kostet und mit allen Zusätzen mit denen Clara arbeitete , bin ich vertraut und verarbeite ich ebenso !Der Stil von der Autorin ist sehr anschaulich, ohne zu ausschweifend zu werden . Ich hatte eine genaue Vorstellung von dem Ort Meersburg und bald eine große Sehnsucht, dort hinzureisen.Die Autorin schreibt im Nachwort, was mich auch sehr berührt hat, dass es einige Orte , die im Buch beschrieben sind, wirklich gibt, wobei es bei anderen Aspekten um fiktive Häuser, Wohnungen und Hotels handelt .Zu gerne wäre ich in Lilos Hotel Gast geworden .Das Buch führte mir, wie bei so vielen Büchern, die in dieser Zeit spielten, dramatisch vor Augen, welche Funktionen Frauen damals hatten.Frauen hatten zu funktionieren und zeigt für die Pflege war nicht im Tagesablauf beinhaltet .Auch das richtige Waschen des Gesichts galt als verpönt, weil nur einfache Menschen dieses taten, die Dame von damals tupfte sich das Gesicht ab und hatte dann eine Haut, wie ein Reibeisen, was mit Quecksilbercreme und anderen schlimmen Produkten nur noch verschlimmert wurde .Als Vorlage für die Person der Clara, sind Elisabeth Arden oder Esteè Lauder wie die deutsche Kosmetikerin Margarethe Sendler und die Ärtzin Bertha Roeber . All diese Frauen haben uns eine Kosmetik ermöglicht, die uns Unwohlsein, trockene Haut, Hautkrankheiten ertragen lassen.Wer wüsste das besser als ich, die ich seit 40 Jahren an Neurodermitis leide . Ohne Cremes und Kosmetik wäre mein Leben ohne Qualität .Das Buch war ein Spiegel der damaligen Zeit, aber auch ein wunderbarer Aufstieg aus der typischen Rolle der Frau von damals .Ich hebe selten 5 Sterne für ein Buch , aber dieses Buch war wunderschön, berührend, anschaulich , traurig und sehr , sehr schön.Ich habe mit der Protagonistin mitgelitten, mich gefreut, habe gehasst und bin versöhnlich geworden.Der andere Aspekt, den das Buch hervorbringt ist die Freundschaft unter 3 Frauen . Josephine, Isabelle und Clara sind ein tolles Team in diesem Teil der Trilogie und wie man Freundschaft ohne Rücksicht auf die eigenen Bedürfnisse führen kann, wird wunderschön beschrieben, was ich sehr wichtig finde, denn wer lebt denn in unserer schnelllebigen Zeit noch lange Freundschaften ? Für das gros der jungen Leute, ist das Wort Freundschaft schnell benutzt, aber der Sinn nicht verstanden und nicht gelebt - ein Nachteil der virtuellen Möglichkeiten .All das, gehört für mich zu einem guten Roman !Daher gebe ich 5 Sterne
Inhalt:Clara muss sich von ihrem Mann trennen. Dies ist ihr schon lange klar, denn die Demütigungen und Schläge sind einfach nicht mehr aus zu halten.Doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ist das selbst in der Großstadt Berlin für eine Frau nicht so einfach möglich. Durch einen Trick gelingt es ihr zwar, doch der Preis ist hoch. Gerhard Gropius schafft es, seiner Frau die Kinder und alle Chancen auf ein Auskommen in Berlin zu nehmen.Doch dank der Unterstützung ihrer Freundinnen verliert sie am Ende nicht den Mut, sondern gewinnt eine neue Lebensperspektive, weit weg von zu Hause, am anderen Ende von Deutschland – am Bodensee.Dort wird sie schnell heimisch, besinnt sich langsam auf ihre eigenen Kräfte und schafft es an der Verwirklichung ihres Traums zu arbeiten, dies auch mit Hilfe von neu gewonnen Freunden. Die meisten sind gut für sie – jedoch nur die meisten. Es ist ihr ein Anliegen, dass Frauen sich ein wenig um sich selbst kümmern dürfen und nicht nur an andere denken müssen. Ein wenig Schönheit, Kosmetik für Körper und Geist sollte ihnen gestattet sein.Die Hoffnung, ihre Kinder einmal wieder sehen zu dürfen und von ihnen geachtet zu werden bleibt die Triebfeder ihres Handelns. Wird es ihr am Ende gelingen? Und wird sie sich sogar in die Riege ihrer beiden Freundinnen einreihen können, so dass alle am Ende ihre Träume verwirklicht haben?Meine MeinungWas für ein Roman? Einer, der hoffentlich vor allem im Sommer in allen Kurbädern Europas auf den Lesetischen der Badbesucher liegen wird. Einer, der sie bezaubert und den Geist der Zeit zur Entstehung dieser Bäder heraufbeschwört. Diese Geschichte sorgt für einen Wellnesstag der Gefühle in solch einem Kurbad.Die Autorin versteht es den Geist der Gründerzeit dieser Bäder heraufzubeschwören, allein durch die Nebengeschichten zur Entwicklung von Clara – Ich sehe diese Kurbadanlagen, die kleinen Geschäfte, die Treffen am Abend, den Luxus so de vor mir.Dazu die guten Düfte von Claras Seifen und Cremes, diese strömen fast aus den Zeilen.Die Geschichte selbst wirkt vor dieser Bühne, sie ist perfekt auf Clara abgestimmt.Tief musste sie fallen – vor dem Angesicht der Zeit, nicht vor dem der Leserschaft – um sich emporarbeiten zu können. Dieser Leitfaden war klar, auch dass sie durch Höhen und Tiefen gehen müsste, ist ja für eine Geschichte nicht untypisch, wer wollte sie sonst lesen? Aber das hat die Autorin so geschliffen und bedacht an einem roten Faden entlang entwickelt, dass es eine Freude war mit Clara vieles über sie, die Zeit und die Entwicklung der Frauen zur Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert zu lernen. Soviele Details über das Leben unserer (Ur)Großmütter werden hier ans Tageslicht gezaubert. Clara ist nicht perfekt und ist auch nicht nur lieb und nett, sondern zeigt dem Leser auch mal, dass sie genervt ist. Das lässt sie menschlich und nicht nur karrierebewusst wirken.Die weiteren Figuren sind ebenso liebevoll gezeichnet. Wer würde nicht gerne mit Gräfin Zuzanna plaudern, mit der weisen Frau Kaiser, wer nicht dem leicht verträumt wirkenden Apotheker begegnen, einer Dame aus dem Schönheitssalon oder natürlich Lazlo? Nicht zuletzt ist mit diesem Buch ein würdiger Abschluss der Jahrhundertwindtrilogie geschaffen worden. Die Geschichte einer Freundschaft dreier Frauen, die Geschichte von Frauen im Aufbruch in ein neues Zeitalter. Ich wünschte mir, irgendwann einmal auf die Urenkelinnen der drei zu stoßen.