Das Ende wird vorweg genommen, aber zum Glück hab ich das nicht so richtig realisiert. Spannend, interessant, echt. Aber auch etwas kurz...
Nach ihrem Bucherfolg " Töchter", war ich auf das neue Buch der Autorin Lucy Fricke gespannt, ob sie mich mit ihrem neuen Buch überzeugen kann und ich muss sagen, es ist ihr nur zum Teil gelungen.Fred ist eine deutsche Diplomatin , Ende 40 und in Montevideo , in Uruguay als solche tätig. Eines Tages bekommt sie den Anruf einer besorgten und sehr einflussreichen Mutter, ihre Tochter hätte sich seit 24 Stunden nicht mehr über Instagram gemeldet, sie befürchtet, dass ihr etwas passiert ist. In einem Land wie Uruguay nicht unbedingt unmöglich und auch gefährlich , sich hier als Frau in bestimmte Gegenden zu begeben. Der Verdacht wird Gewissheit, das Mädchen wird tot aufgefunden und Fred als Konsequenz nach Istambul versetzt. Auch hier wird Fred mit schier unmöglichen Problemen konfrontiert, die in einem Land, in dem Pressefreiheit nicht mehr das ist , was es mal war und in dem, seit Erdogan an der Regierung ist, Deutsch- Türken auch mal unauffindbar verschwinden.Das Buch lässt sich flüssig lesen und mir wurde die Figur Fred auch nach und nach sympathischer, aber ganz überzeugen konnte mich das Buch nicht. Die Arbeit einer Diplomatin wurde mir zu wenig in den Mittelpunkt gestellt, in einem Buch, das diesen Titel trägt und die Geschicht war mir insgesamt zu oberflächlich. Die Situation der heutigen Türkei wurde nur angerissen und die Entscheidung Fred`s für oder gegen ihren Beruf zu nebulös. Da hätte man eine ganze Menge mehr drauß machen können.
Die Handlung des Romans setzt damit ein, dass eine deutsche Diplomatin namens Fred nach Montevideo (Urugay) versetzt wird. Dieser Teil des Romans hat etwas sitcomhaftes und erinnert ein wenig an die Serie "Das Institut - Oase des Scheiterns". Brenzlig wird es für die Diplamtin, als die Tochter einer bekannten Journalistin in Urugay entführt und umgebracht wird. Zwar gelingt es der Journalistin, die Fred die Schuld am Tod ihrer Tochter gibt, nicht, der Diplomatin unterlassene Hilfeleistung nachzuweisen und sie aus dem Amt zu heben. Aber Fred wird nach Berlin zurückbeordert und danach vom Auswärtigen Amt nach Istanbul versetzt. Dort sieht sie sich mit drei Herausforderungen konfrontiert: einer Deutsch-Kurdin, die vom türkischen Staaten inhaftiert wurde, ihrem Sohn, über den anlässlich eines Besuchs seiner Mutter ebenfalls eine Ausgangssperre verhängt wird, und David, einem Journalisten, dem Fred bereits in Montevideo begegnet war. David hatte damals, als er im Auftrag seiner Chefin, der Mutter der Ermordeten, in Montevideo recherchierte, einen allergischen Schock erlitten und verdankt sein Leben dem beherzten Eingreifen Freds. In Istanbul begegenen sich die beiden wieder und es entwickelt sich eine Affäre zwischen den beiden, was besonders delikat erscheint, weil der geschiedene Vater zweier Kinder mit einer anderen Frau unlängst erneut Vater geworden ist. Davids Wohnung wird unterdessen aufgebrochen und auch seine Inhaftierung droht. Während Freds Kollegen Philipp und Christoph weiterhin auf die Diplomatie setzen, verliert Fred das Vertrauen in ihre Profession, nachdem der türkische Staat die schwerstkranke und inzwischen gebrochene Deutsch-Kurdin zunächst freigesprochen und dann doch erneut in Polizeigewahrsam behalten hatte und David ebenfalls die Inhaftierung droht. Sie mietet eine S-Klasse und bringt die drei Dissidenten zur türkischen Mittelmeerküste, wo sie mit einer zuvor organisierten Motoryacht des Neffen ihrer Bediensteten nach Griechenland gebracht werden. Das Buch endet damit, dass Fred ein Anruf erreicht, durch den sie erfährt, dass ihre Mutter ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Sie bricht ihren Urlaub am Mittelmeer ab und fliegt nach Hamburg zurück, um ihre Mutter im Krankenhaus zu besuchen. Dort begegnet sie zum dritten Mal völlig unerwartet David, dem die Flucht aus der Türkei offensichtlich gelungen ist.Einige stilistische Highlights und Pointen bietet das Buch durchaus. Allerdings spricht es nicht für das Lektorat, wenn sich mindestens zwei Kongruenzfehler ins Buch geschlichen haben. So muss es auf S. 13 statt "ein Posten" "einen Posten" und auf S. 53 statt "Jetzt kommt es ..., die Frage ..." "Jetzt kommt sie, ... die Frage ..." heißen.Ich leiste mir angesichts der vielen Sachbücher und Essays, die ich zu lesen für dringlicher halte, nur selten den Luxus, einen neu erscheinenden Roman zu lesen. Und nicht zuletzt unter diesem Aspekt, dass das Leben kurz ist und es der zu lesenden Bücher viele gibt, hat mich die Lektüre enttäuscht. Die Kapitel bleiben recht unverbunden, die Figuren eher stereotyp. Der Roman ist m. E. über weite Strecken sehr klischeehaft, was die mit dem diplomatischen Dienst verbundenen Aufgaben betrifft. Meine Erwartung, echte Einsichten in die Kunst der Diplomatie zu erhalten, wurde herb enttäuscht.