Ich habe dieses Büchlein mehrmals verschenkt, und besitze es selbst und blättere immer wieder gerne darin. Die Herausforderung beim Lesen ist vermutlich die, die wirklich tiefgründige Wahrheit innerhalb der "kleinen Geschichte" zu erkennen.Es ist weniger ein Buch, wo man über einzelnen Zitaten brütet, oder sich "Sprüche fürs Leben" raussuchen kann. Es besticht auch nicht durch die "Handlung", und auch nicht durch das ungewöhnliche Ende. Die Weisheit und die Wahrheit über das wahre Wesen des Menschen mit all seiner Freiheit und seiner Göttlichkeit, ist im Grunde genommen eine "logische Fortführung" der "Möwe Jonathan". Man kann beide Text nicht wirklich vergleichen, beziehungsweise nur insofern, dass die "Möwe" den Focus etwas mehr auf das Erkennen und die Suche nach der eigenen Entwicklung legt, während "Illusionen" ein wenig mehr die "Freiheitsgrade" eines erwachten Geistes beleuchtet.Für mich persönlich eine Art "spielerisches Lehrbuch für die 2. Klasse", während die "Möwe Jonathan" eine Art Einstiegslektüre für Menschen ist, deren Bewußtwerden beginnt.Ich kann allerdings gut verstehen, dass die Enttäuschung riesengroß ist, wenn man sich diesem Text mit der Erwartung nähert, "gut unterhalten zu werden" (obwohl die Geschichte durchaus "nett" ist), oder große, praktisch anwendbare Lebensweisheiten zu erhalten, oder darin "schnell geistige Weiterentwicklung" zu finden, die noch nicht stattgefunden hat.Es kann also durchaus Sinn machen, sich mit Urfeldforschung, Zen-Buddhismus, Medidation, Quantenphysik, aber auch Esoterik und Grenzwissenschaften u.v.m. zu beschäftigen, um dann feststellen, dass man in diesem Text sehr viel wiederentdecken kann, was man bereits anderorts durch Studium "begriffen" hat.Und von diesem Gesichtspunkt aus erklärt sich dann auch die wahre Schönheit dieses Buches: in einfachen, klaren Worten mit einer vielleicht sogar "seichten" Geschichte voll verstecktem Witz und Charme plötzlich vieles zu "sehen", was einem früher verborgen geblieben ist.Und ich gebe ehrlich zu: vor 20 Jahren hätte ich das Büchlein belächelt. Jetzt aber lächle ich mit ihm.
Wir sind, was wir sein wollen, auch wenn wir diese einfache Wahrheit wie selbstverständlich abstreiten werden. Wir machen lieber andere verantwortlich für unser Schicksal anstatt unseren eigenen Kräften und dem Leben zu vertrauen. Wir leben lieber in unseren Illusionen, die wir für die einzige Wirklichkeit halten, denn dort kennen wir uns aus.Diese und viele andere Botschaften überbringt uns Richard Bach mit seiner kurzen Erzählung über den Sommer mit Don Shimoda. Richard trifft Shimoda eines Tages mit seinem Flugzeug auf einer Wiese und fortan verdienen sie ihren Lebensunterhalt gemeinsam durch Rundflüge mit Publikum. Aber Don ist nicht irgendein Pilot, er ist ein Messias, den Richard wahrscheinlich gerade brauchte, um zu neuen Erkenntnissen zu kommen. Und so diskutieren die beiden für uns über unsere Illusionen, Freiheit und Glück. Manchmal liest uns Richard auch aus dem "Leitfaden für Erlöser" vor, den ihm Don überlassen hat. Da stehen dann solche Sätze wie "Es gibt kein Problem, das nicht auch ein Geschenk für dich in den Händen trüge. Du suchst Probleme, weil du ihre Geschenke brauchst." Oder: "Niemals wird dir ein Wunsch gegeben, ohne dass dir auch die Kraft verliehen wurde, ihn zu verwirklichen." Und: "Das Kennzeichen deiner Unwissenheit ist die Stärke deines Glaubens an Ungerechtigkeit und Unglück."Die Geschichte endet scheinbar tragisch. Shimoda wird nach einer Talk-Show erschossen, in der er seine Botschaften verkündete. Erlöser sind nicht immer willkommen, noch nicht einmal der, der in uns selber wohnt. Wie heißt es doch so schön im "Leitfaden": "Um frei und glücklich zu leben, musst du die Langeweile opfern. Das ist nicht immer ein leichtes Opfer."