Auch ich wollte nach den ersten Seiten das Buch enttäuscht und genervt beiseite legen. Nach 1300 Seiten "Das 8. Leben" wollte ich einfach in diesem Erzählstrom weiterschwimmen und wurde jäh gebremst. Die Erfahrung anderer Leser hat mich bewogen, es doch weiter zu versuchen - und ich wurde nicht enttäuscht. Ein tolles Buch in phantastisch poetischer Sprache mit einer unglaublich faszinierenden Konstruktion. Also nicht entmutigen lassen, weiterlesen - es lohnt sich !
Man braucht eine große Offenheit, auch eine gewisse Leidensfähigkeit und zudem, in manchen Phasen, eine gehörige Portion Geduld, um sich mit diesem teils verwirrenden, teils bezaubernden Erstlingswerk von Nino Haratischwili anfreunden zu können. Doch dann wird man – zum guten Schluss (in einer endlosen Geschichte, die dann jeder selbst weiterschreiben kann …) – mit etwas belohnt, das einen wieder stärker verbindet, mit dem, was man Leben (oder auch Liebe) nennt – und man sich darin vielleicht verloren glaubte.Die Geschichte, es sind eher mehrere Geschichten, die aufeinander zulaufen, rankt um ein Buch (eher ein „Heftchen“), dessen schmerzerfüllte Leidensgeschichte die 17-jährige Autorin schließlich vor einen Zug im Pariser Bahnhof Gare du Nord beenden lässt. Offensichtlich füllt ihre Lebensgeschichte die Leerstellen einiger Leserinnen, die ihrem Weg folgen. Aus verschiedenen Perspektiven erhält der Hintergrund der Geschichte eine Zugkraft, die oft die Schmerzgrenze des Leidens und Erkennens übersteigt. Schließlich führt die Suche nach den Spuren der Autorin zu neuen Lebensentwürfen, die es ohne diese Geschichte nicht gegeben hätte. Insofern ist sie einerseits äußerst leidvoll, andererseits aber auch mit dem Potential ausgestattet, Menschen wieder einander näherzubringen.Schließlich bleibt die Erkenntnis, dass wir Viele in einer Person sind (lebensfroh und einsam, liebend und hassend, …) und gleichzeitig alle an einer gemeinsamen Geschichte schreiben. Oder um es mit den Worten einer der Protagonistinnen der Geschichte zu sagen: „Mittlerweile denke ich, dass Geschichten das Einzige sind, was uns Menschen verbinden kann. Ich meine, dass wir erst durch diese Geschichten unsere Identität finden können.“
Nach den ersten fünfzig Seiten überlegte ich mir, das Buch nicht mehr weiterzulesen. Mit viel Überwindungskraft und weil mich "Das achte Leben" von Haratischwili faszinierte, las ich den Roman in der Erwartung, dass es irgendwann doch noch packend wird, bis zum Ende. Leider wurde ich arg enttäuscht. Der Text liest sich teilweise schwer und die Handlung ist verzettelt, kompliziert und auch recht unrealistisch. Wer solche Literatur mag, muss schon ein sehr grosses Verständnis und viel Akzeptanz aufbringen.