Wie immer bleibt Marc Raabe seinem spannenden roten Faden treu. Nicht allzu viele Personen wirbeln an nicht allzu oft wechselnden Orten die Spannung durcheinander. Schon nach zehn Seiten bin ich in den Bann gezogen. Heimkinder die vieles durchmachen mussten. Ein Heimleiter der erst im späten Alter die Fehler seiner Vergangenheit erkennt. Eine Clique, die gar keine richtige Clique war. Ein Außenseiter der hinein gestoßen wird und um Anerkennung buhlt. Diese zum Teil findet und wieder verliert. Ein Mädchen das von vielen begehrt wird. Und Vergangenheiten die nicht echt sind. All diese Stränge zu einem Lesestoff zusammen zu weben ist eine Schreibkunst. Es ist Raabe gelungen mir einen Einblick in eine traurige Welt zu geben. Sehr gut recherchiert mit einem überraschenden Schluß!
Ein sehr spannendes Buch, gedacht als Geschenk, musste ich nach kurzem überfliegen doch erst selber lesen und war gefesselt.Spannung wird sehr gut aufgebaut und vor allen Dingen bis zum ende aufrecht gehalten.Auch erfährt man erst nach und nach von der Handlung und muss bis zum Schluss lesen um alle Details zu erfahren, was ich bei anderen Büchern zum Teil nicht habe, da in der Mittag schon völlig klar war, was passiert.Klare Kaufempfehlung meinerseits
Im Prolog ereignet sich eine nächtliche Entführung, deren Ausgang irgendwie ungewiss bleibt. Den in Berlin lebenden Kinderarzt Jesse Berg suchen 32 Jahre später nahezu jede Nacht Albträume heim. Er hat körperliche Merkmale, die darauf hindeuten, dass er eine der Personen aus dem Prolog ist. Der größte Alptraum, der für einen Vater denkbar ist, beginnt jedoch, als er seine Ex-Frau Sandra tot auffindet, und seine kleine Tochter Isa verschwunden ist – offenbar wurde das Mädchen entführt.In seiner Verzweiflung ruft er ihr Handy an und bekommt die verstörende Auskunft, er solle sie vergessen. Vor allem soll er die Polizei nicht informieren. Sandras Freundin Jule findet Jesse bei der Leiche und will die Polizei rufen, weil sie ihn für den Mörder hält. In seiner Verzweiflung bringt er Jule in seine Gewalt und fährt mit ihr nach Garmisch-Partenkirchen. Im Kinderheim Adlershof, wo er seine Jugend verbrachte, will er Antworten finden – und vor allem seine entführte Tochter.Der Leser wird von rasanten Ereignissen gefesseltDie Fahrt nach Bayern ist der Weg zurück zu schlimmen Erinnerungen. Marc Raabe lässt seinen Protagonisten tief in die eigene Vergangenheit eintauchen. Und vor allem die Leser bekommen bei regelmäßigen Rückblicken einen verstörenden Eindruck von der quälenden Atmosphäre, die Ende der 70er Jahre im Adlershof geherrscht haben muss.Rückblicke in düstere Jugendzeit fallen ausführlich ausDie Rückblenden in Jesses Kinderzeit sind ausführlich gestaltet, manchem Leser mögen sie als zu lange Abschweifungen vorkommen. Ich finde jedoch, die Figur des Haupt-Protagonisten Jesse wird so nicht nur deutlich gezeichnet, sondern auch die damalige Stimmung authentisch wiedergegeben. Das scheint ein besonderes Anliegen von Marc Raabe zu sein, und er nutzt diese Rückblicke auch, um nach und nach immer mehr Licht ins Dunkel der Ereignisse und unterschiedlichen Motivlagen zu bringen. Vor allem verdeutlichen die Schilderungen seiner Jugendzeit, warum die aktuellen Alpträume Jesse so sehr quälen.Marc Raabe versteht es aber auch wieder sehr gut, falsche Fährte zu legen, und dem Leser voreilige Schlussfolgerungen auf dem Silbertablett zu servieren. Manches kann schon bald wieder verworfen werden, anderes wird erst im dynamischen Finale endgültig aufgelöst.Gesamtbild wird dem Leser nur stückweise und langsam enthülltWährend Jesse Berg vor allem mit sich selbst beschäftigt ist, und die Suche nach seiner Tochter bei aller Dringlichkeit fast zur Nebensache gerät, hat der Autor dem ehemaligen Heimleiter Artur Messner eine andere Rolle zugewiesen. Er nimmt neben Jesse Berg und den Rückblicken in die Vergangenheit die dritte Perspektive in dem Buch ein. Artur ist bei der Erinnerung an sein Leben und vor allem angesichts der dramatischen Ereignisse, in die er ungewollt verwickelt wird, durchaus reuevoll, nachdenklich und schließlich voller Empathie für Jesses entführte Tochter. Ich will hier nicht zu viel verraten, aber Artur Messner ist neben Jesse Berg die zweite hoch interessante Figur in diesem Thriller – füllt allerdings wie gesagt eine ganz andere Rolle aus.Eine gut komponierte Geschichte mit großem SpannungsbogenDie Geschichte insgesamt ist wirklich gut komponiert, für mich waren die einzelnen Nuancen auch durchaus neu, obwohl es bereits viele Thriller gibt, die in irgend einer Form in Kinderheimen spielen oder damit zu tun haben. Wie aus seinen ersten Büchern gewohnt sorgt Marc Raabe dafür, dass sich das Gesamtbild mit allen Zusammenhängen dem Leser nur stückweise und langsam enthüllt. Er baut dadurch einen Spannungsbogen auf, der nur durch die Rückblicke leicht unterbrochen, oder manchmal auch angeheizt wird. Man fragt sich mehrfach, was ist jetzt real und was soll ein Traum von Jesse sein. Die Auflösung der Rätsel wird im Schlussabschnitt Schlaglicht-artig klar – und man ist überrascht. Ein lesenswerter Thriller mit viel Hintergrund und nachdenkenswerten Aspekten.