Zwei der aufregendsten Denker der Gegenwart im Gespräch über Kant und den Geist der Aufklärung Wie kann ein Philosoph, der im Jahr 1724 geboren wurde, unser Denken heute maßgeblich beeinflussen? Dreihundert Jahre nach der Geburt des alten Meisters in Königsberg treffen sich Daniel Kehlmann und Omri Boehm zu einer Reihe von Gesprächen über Immanuel Kant, die alles andere sind als akademisch-abgehoben. Denn der Begründer der modernen Philosophie selbst hat die grundlegenden Fragen des Menschseins benannt und erklärt: was man wissen kann, was man tun soll, was man hoffen darf. Alle wichti gen Themen kommen zur Sprache: von Vernunft und Illusion bis zu Rassismus, Kolonialismus und Aufklärung; von Raum und Zeit bis zu Freiheit, Kunst, Gerechtigkeit und dem Problem des Bösen; von der Wissenschaft bis zum Glauben, vom Selbst bis zu Gott. Omri Boehm und Daniel Kehlmann behandeln Kant als Zeitgenossen, der uns heute noch wichtige Antworten auf aktuelle Fragen geben kann.
Bewertungen & Erfahrungen
4,7 von 5
6 Bewertungen
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Redaktion27.06.2026
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Dieses Buch ist eine faszinierende und tiefgründige Auseinandersetzung mit Kant und dem Geist der Aufklärung und bietet eine brillante Perspektive auf die Denker der Gegenwart. Es ist ein Muss für alle, die sich für Philosophie und historische Denker interessieren.
Redaktion27.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist eine faszinierende und tiefgründige Auseinandersetzung mit Kant und dem Geist der Aufklärung, die mich absolut begeistert hat. Die Gespräche zwischen Boehm und Omri sind meisterhaft und bieten eine einzigartige Perspektive auf diese wichtigen philosophischen Konzepte.
Ich las dieses Buch als eine Ergänzung zu Boehms „Radikaler Universalismus“, mein Buch des Monats Oktober 2022, das ich nach wie vor empfehlen kann. Denn das Gespräch zwischen Boehm und Kehlmann behandelt nicht nur Kants Ethik (Kritik der praktischen Vernunft), sondern auch dessen Erkenntnistheorie (Kritik der reinen Vernunft) und auch die Ästhetik (Kritik der Urteilskraft). Die Dialogform erleichtert den Zugang zu den Themen; sie wirkt als Aufforderung mitzudiskutieren. Die großen Fragen von Kants Denken (Was ist Freiheit? Was bedeutet Vernunft? Was heißt es Gerechtigkeit zu schaffen? …) werden an konkreten Beispielen diskutiert. Kehlmann schlüpft des Öfteren in die Rolle des Philosophieschülers und scheut sich nicht, verbreitete Vorbehalte gegenüber Kant zu artikulieren und dessen Philosophie auf Alltagssituationen hin abzuklopfen. Wenn ich in meinem Haus jemanden verstecke, der von einem Mörder verfolgt wird, und der Mörder klopft an meine Tür und fragt, ob ich die Person versteckt habe: Darf ich dann lügen? Eigentlich nein, sagt Kant. Weil Lügen nie zu einer Maxime des Handelns werden dürfe. Aber so einfach ist es nicht, man kann trotzdem - auch mit Berufung auf Kant – darüber kontrovers diskutieren. Kants strikte Trennung zwischen Sein und Sollen (zwischen naturgesetzlicher Notwendigkeit und Freiheit als Aufgabe) wird als Antwort auf Spinoza dargestellt, der schon 200 Jahre vor Nietzsche den ethischen Naturalismus ausformuliert hatte. Boehm/Kehlmann motivieren mich dazu, Spinozas „Ethik“ noch einmal zu lesen.
Omri Boehm und Daniel Kehlmann, Der bestirnte Himmel über mir. Gespräch über Kant.Im April jährt sich der Geburtstag des philosophisch wirkmächtigsten deutschen Philosophen Immanuel Kant zum dreihundertsten Male. Wie immer zu solchen Anlässen, erscheint eine gewichtige Anzahl von Büchern, die sich mit Leben und Werk des Gewürdigten befassen unter anderem auch dieses Gespräch zwischen dem deutsch-israelischen Philosophieprofessor Omri Boehm und dem deutschen Schriftsteller Daniel Kehlmann über Kant, seine Philosophie und seine Wirkung.Nun ist das Thema Kant sehr schwierig zu fassen, war seine Erkenntnisphilosophie zwar bahnbrechend, seine Denke aber sehr abstrakt und seine Schreibe für die heutigen Zeitgenossen schwierig zu erfassen. Kehlmann nähert sich denn zu Beginn des Gesprächs über den „schwierigen Philosophen“, in dem er Heinrich Heine wiedergibt: „Oh ja, Ihr Franzosen habt einen König getötet, wir Deutschen haben aber über Kant Gott getötet.“ Schon sind die beiden natürlich im Zentrum der Kant’schen Philosophie, der nicht nur sämtliche bis dahin existierenden Gottesbeweise widerlegte sondern auch nachwies, dass es uns mit unserem Denkapparat unmöglich ist, überhaupt eine Gottesexistenz zu belegen. Mit Kant könnte man sagen: „Ich musste also das Wissen aufheben, um zum Glauben zu kommen“. Dies führt für den denkenden Menschen aber zu einem gewaltigen Problem: wo Gott war, herrscht jetzt Leere, aus der sich natürlich auch Nihilismus ergab.Aber was folgt auf diese Leere? Hier gewinnt das Gespräch an Tiefe, in dem Boehn Kant zitierend: „Kant gibt die Antwort auf diese nihilistische Angst mit dem Erhabenen: gerade wenn man der eigenen Bedeutungslosigkeit und Einsamkeit in dem schweigenden unendlichen Universum inne wird, entdeckt man auch ein Vermögen in sich, das tatsächlich grösser ist als das Ganze der Natur – und das ist die Macht und die Bedeutung der Freiheit und der moralischen Integrität, die nicht bloß unendlich sondern absolut ist. In der gewaltigen See können wir also ertrinken, der bestimmte Himmel konfrontiert uns mit unserer eigenen Heimat und Bedeutungslosigkeit aber niemand zerstört uns unsere moralische Integrität und der Punkt ist, dass es keine Macht gibt, die unsere moralische Integrität zerstören könnte.“Schon die beiden vorstehenden Absätze zeigen jedoch auch sehr deutlich das Problem des Buches. Hier reden Zwei, die Ihren Immanuel Kant kennen. Was ist jedoch mit Lesern, die in der Philosophie und insbesondere in der des Immanuel Kant nicht so zu Hause sind? In meinen Augen werden diese einiges anekdotische und auch den ein oder anderen originellen Denkansatz finden. Dies gelingt den Beiden insbesondere bei der Rechtfertigung Kants für rassistischen Äußerungen in seinen anthropologischen Schriften. Boehm führt dazu aus, dass die Anthropologie selbst teilweise selbst im Widerspruch zu Kants Lehre und seinem Bild vom Menschen als platonischer Idee stünde. In diesem Zusammenhang spitzt Kehlmann das Thema zu, in dem er meint, diese Schriften hätten besser „ Ansichten des älteren Professor Kant“ geheißen. Dies erscheint mir auch deshalb ein guter Vorschlag, weil bis heute nicht klar ist, ob es sich bei diesen Schriften überhaupt um von Kant autorisierte Aufzeichnungen handelt oder nur um Vorlesungsmanuskripte, die die Meinungen anderer wiedergeben.Sei es wie es sei, wer Kant ‚etwas‘ kennt, wird dieses Bändchen mit Freude und Gewinn lesen; derjenige, der sich hier jedoch eine Einführung in die Philosophie des großen Königsbergers erhofft, der wird enttäuscht werden.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 19:39 Uhr.