Hi,ich war zugegebenermaßen erst etwas skeptisch, ob mein Sohn (7, es war ein Geschenk zur Einschulung. Er ist jetzt im 2. HJ der 1. Klasse) seine Textpassagen wirklich freiwillig und laut vorlesen würde. Er verweigert nämlich gern, sobald es etwas anstrengend wird und ihm fehlt dann die Geduld. Aber die Geschichte um Fumo und Linus ist wirklich nett und es interessiert ihn (und die kleine Schwester) wie es weitergeht, so dass er ohne Murren seine Passagen liest, auch wenn sie mal länger sind.Für den erwachsenen Mitleser ist die Geschichte auch ganz angenehm, da hatte ich schon schlimmere bzw. viel, viel langweiligere Kinderbücher in der Hand.Das sprachliche Niveau ist gut, der Schreibstil liest sich gut...alles in allem kann ich das Buch nur empfehlen.
Mit dem Erstklässler lesen üben kann schon auch mühsam sein. "Ein Drachenfreund für Linus" aus der Reihe "Erst ich ein Stück, dann du" macht diese allabendliche Prozedur für Mamas und Papas eindeutig erfreulicher: Das Buch hat eine nette Grundidee und ist gut geschrieben. Die Passagen für die Kinder sind kurz und in Großdruck gehalten, so dass die Kleinen einen schnellen Leseerfolg haben, die Passagen für die vorlesenden Eltern bringen die Geschichte zügig voran und machen einem auch selbst Spaß.Im dichten und unübersichtlichen Dschungel der Kinderbücher eine echte Entdeckung für mich!
Da unser älterer Sohn letzten Sommer in die Schule kam, gehören wir jetzt erstmals zur Zielgruppe dieser Buchreihe. Unser Sohn liest zwar gerne und ganz gut, aber alleine bewältigt er eine längere Erzählung natürlich noch nicht - diese Mischung aus Vor- und Selbstlesen scheint da keine schlechte Idee. Als ersten Versuch habe ich mich für diesen Band "Ein Drachenfreund für Linus" entschieden, weil das für Jungen in dem Alter nach einer ganz passenden Geschichte klang.Nach dem gemeinsamen Durchlesen bin ich jetzt höchstens halb begeistert von dem Buch. Das Konzept - längere Teile für den Vorleser abwechselnd mit kürzeren, einfacheren, für den Erstleser - finde ich nach wie vor stimmig, die Umsetzung in diesem Fall dagegen nicht so sehr.Zum Ersten sind die Selbstlese-Teile sehr unterschiedlich im Umfang. Mal etwa eine Drittel-Buchseite, was ich ganz passend finde, mal aber eine ganze, was klar überfordert. Manchmal folgt nach einem längeren Selbstleseteil nur eine kurze Passage zum Vorlesen, und dann soll das Kind schon wieder ran. Das hätte man wesentlich ausgewogener gestalten können.Zum Zweiten ist das Buch sprachlich nicht besonders toll. Wie Patricia Schröder schreibt, ist nicht schön, sondern auf einem ziemlich niedrigen Niveau. Nicht im Sinne von bewusst einfach zu lesen, sondern mit einem insgesamt begrenzten Wortschatz und wenig Einfallsreichtum. (Das fiel mir umso stärker auf, als wir anschließend das schön geschriebene "Fips Fidibus und das Geheimnis des schwarzen Haderich" gelesen haben). Eine reduzierte Schreibkunst ließe sich ja bei den Selbstleseteilen noch vertreten, aber auch der Vorlesetext ist so unnötig simpel, darum scheint es sich eher um eine generelle Stilschwäche zu handeln. Eine große Zahl falsch gesetzter Konjunktive macht die Sache nicht besser.Zum Dritten ist die Geschichte vom Inhalt und Aufbau her nicht überzeugend. Die eher eklige Grundidee mit der leckeren roten Soße aus der Nase (die Kinder natürlich gerade ob ihres Ekelfaktors erfreuen kann) wurde ja schon in anderen Besprechungen hier gewürdigt. Aber auch sonst sucht man vergeblich nach einer schlüssigen Geschichte, glaubwürdigen Personen oder witzigen Wendungen. Das wirkt alles eher zusammengezwungen. Dann gibt es noch die tolle Szene, wo der Held einen Fisch totschlägt, aufschlitzt und die Gedärme herausholt - ganz super für Sechsjährige. Und den gefährlich falschen Merksatz "Alles, was flüssig ist, löscht Feuer" sollte mein Sohn lieber auch schnell wieder vergessen. Ein Anreiz, weitere Bücher von Patricia Schröder zu kaufen, ist diese Story für mich eindeutig nicht.Zum Vierten sind dann auch die Illustrationen nur auf einem mittelmäßigen Niveau. Die Drachen hat Ute Krause ganz nett gezeichnet, Menschen liegen ihr dagegen weniger. Bilder mit vielen Leuten darauf wirken geradezu dilettantisch. Mit Bildaufbau und Hintergründen ist es meist auch nicht weit her, man betrachte sich nur die ärmliche Illustration zum "Gipfelabschmelzen".Insgesamt war das Werk nicht so schlecht, dass man es nicht hätte beenden können, aber einen bleibenden Eindruck hat es nicht hinterlassen (jedenfalls keinen guten). Wir werden als nächstes mal eine der Klassikeradaptionen in derselben Reihe ausprobieren, "Robinson Crusoe" oder "Nils Holgersson" oder dergleichen - da gibt es ja zumindest mal eine bessere Storybasis. Nicht lesen werden wir die Ponygeschichte, von der es eine Leseprobe in dem Linus-Band gibt: in einer klaren Jungengeschichte für ein klares Mädchenprodukt zu werben (nur weil es von der gleichen Autorin stammt), das passt so recht zum wenig durchdachten Gesamteindruck dieses Buches.