Der zwölfjährige Berliner Rolf und sein Vater Ludwig sind Flüchtlinge im Frankreich des Zweiten Weltkriegs. Aufgrund seiner Arbeit als Journalist wird Ludwig von den deutschen Besatzern verfolgt und die beiden versuchen, zusammen mit Hund Adi, nach Amerika zu gelangen, wo ihre Mutter bzw. Ehefrau und Frauchen bereits Zuflucht gefunden hat. Da von ihrem aktuellen Aufenthaltsort Marseille aus keine entsprechenden Schiffe mehr ablegen, wagt die kleine Familie, geführt vom Hirtenjungen Manuel, die Überquerung der Pyrenäen nach Spanien.Überleben in einer schlimmen ZeitAnfang und Ende der Story werden auf jeweils zwei Seiten im schwarz-weißen Comic-Stil geschildert. Durch die Einleitung erfährt der Leser gleich einige wichtige Hintergründe, die im Lauf der Handlung aber auch noch wesentlich greifbarer werden. Dem Autor ist es gut gelungen, die Situation der Verfolgten anschaulich und durchaus fundiert zu schildern, ohne uns eine trockene Geschichtslektion zu präsentieren.Während ich schon so manche Geschichte rund um die Lage und Verfolgung jüdischer Menschen in der Nazi-Zeit gelesen oder gesehen habe, spielte das Schicksal von Autoren und Künstlern (und besonders auch deren Kindern) bisher weniger eine Rolle. Relativ neu war mir dann auch die Fluchtmöglichkeit über die Pyrenäen und alles, was in diesem Buch damit zusammenhängt. Da habe ich also wieder mal was dazugelernt.Erzählt wird zwar in der dritten Person, trotzdem sind die Ereignisse aus der Perspektive der Kinder (Rolf, und in geringerem Ausmaß auch Manuel) dargestellt. Die Persönlichkeiten und Emotionen der jungen Protagonisten machen sie sympathisch und man fiebert auf ihrer Reise ordentlich mit. Und Adi als weiterer Sympathieträger ist natürlich auch nicht verkehrt.Das Abenteuer hat einige spannende Szenen zu bieten. Manche Situation entwickelt sich vielleicht ein wenig zu reibungslos und zu schnell, aber das kann ich einem Buch für eine eher jüngere Zielgruppe gut verzeihen.Das Buch zum FilmKommen wir zu den Besonderheiten dieser Ausgabe: Schon das Cover offenbart deutliche Unterschiede zum Gelesenen – neben einem schnell als Rolf zu identifizierenden Jungen ist dort ganz eindeutig kein Manuel zu sehen, sondern ein Mädchen, und das Hundchen ist kein weißer Foxterrier, sondern ein gescheckter Parson Russell Terrier.Die Unterschiede ergeben sich nicht zuletzt aus der Entstehungsgeschichte von Buch und Kinofilm. Beide basieren auf einer Drehbuchidee des Autors. Während der Roman bereits 2017 erstmals erschien, hatte die Verfilmung dann noch einen längeren Weg vor sich und es sind aus verschiedenenen Gründen Abweichungen entstanden. Genaueres erläutert Rüdiger Betram im interessanten Nachwort, z.B. dass auch ein paar „Action-Szenen“ aus Kostengründen gestrichen oder verändert wurden.Als weiteres Extra enthält die Neuausgabe im Mittelteil eine Auswahl von Fotos aus verschiedenen Filmszenen. Für Leser, welche die Verfilmung bereits gesehen haben, sicherlich ein gewisser Mehrwert. Ich fand die Bilder aber (in Unkenntnis des Films) etwas zusammenhanglos. Kleine Beschreibungstexte hätten wahrscheinlich etwas geholfen. Manche Fotos sind recht gut in die bekannte Handlung einzuordnen, andere (etwa Rolf mit einem Boot) passen nicht so recht zum Roman-Inhalt. Und irgendwie hat es mich irritiert, dass Ludwig, der im Buch immer ausdrücklich als dick geschildert wird, plötzlich so rank und schlank ist...Fazit: Ich habe das Buch gern gelesen und würde am liebsten 4,5 Sterne vergeben, da dies aber hier nicht möglich ist, entscheide ich mich (aufgrund des verbesserungsfähigen Bild-Teils) für vier.