von Jenny Downhamaus dem Englischen von Astrid Arzgebunden, 430 Seitencbj, 2020ab 14 JahrenISBN: 978-3-570-16582-918,00 EuroLexi hat es nicht leicht. Sie ist grade mal fünfzehn Jahre alt und mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Hauptproblem Nummer eins ist John. Der Freund ihrer Mutter und gleichzeitig Vater ihrer Halbschwester Iris. Lexi würde alles dafür tun, dass John sie mag, aber sie scheint doch niemals gut genug zu sein. Er verdreht ihr die Worte im Mund, reizt sie und am Ende steht sie immer als die Böse dar. Sie ist das Monster. Sie hat die Aggressionsprobleme und soll zum Arzt gebracht werden, damit dieser sie ruhig stellt. Dann ist da noch Kass, Johns Sohn, in den Lexi sich schon als kleines Mädchen verliebt hat. Aber Kass ist zum Studieren weggezogen und hat sie somit im Stich gelassen. Doch es ist nicht so, als würde John nur Lexi schlecht behandeln. Er ist unberechenbar. Auch ihrer Mutter gegenüber. Die kleinste Kleinigkeit reicht aus und er redet tagelang nicht mit ihr, nur um sie dann mit Blumen zu überschütten und ihr zu versichern, wie sehr er sie liebt und braucht. Und Lexis Mutter glaubt ihm natürlich, muss ihm glauben, da sie ihn doch liebt. Und schon wieder ist Lexi die Böse. Wenn John und ihre Mutter streiten, bekommt ihre Halbschwester Iris Angst und bittet Lexi darum, ihr Monster zu machen, damit die beiden aufhören. Ihre Wut ist ihre Waffe, sie zieht Johns Zorn auf sich und beschützt ihre Mutter. Aber wie lange kann Lexi das noch durchziehen, bevor ihr Verhalten ernste Konsequenzen mit sich bringt?Mit John hat diese Geschichte einen wirklich, wirklich guten Bösewicht bekommen. Er ist wahnsinnig manipulativ und dabei so geschickt, dass niemand so recht mitbekommt, wie schlecht er Lexi und auch ihre Mutter behandelt. Als Leser, fängt man an eine echte Abneigung gegen diesen Charakter zu entwickeln, was ich echt ziemlich bemerkenswert finde, da es mir echt nicht oft so geht, dass ich einen der Charaktere wirklich komplett schauderhaft finde. Aber John ist dermaßen gut geschrieben, dass man sich wirklich extrem in Lexi hineinversetzen kann. Zwischenzeitlich konnte ich Lexis Wut auf ihn so gut verstehen, was mich selber überrascht hat, weil ich am Anfang eher das Gefühl hatte mich nicht so gut mit ihr identifizieren zu können, da sie schon eine sehr eigenwillige Protagonistin ist. Grade ihre Zornanfälle und manchmal ziemlich irrationalen Ausraster, machten sie mir zunächst unsympathisch, aber je mehr ich über sie gelernt habe und je mehr ich erfahren habe, wie John sie behandelt, desto besser konnte ich sie verstehen. Grade diese Entwicklung gefällt mir bei diesem Buch unglaublich gut, da sie zeigt, dass nicht alles immer so ist wie es zu sein scheint. Menschen, die schnell wütend werden oder mal etwas vor Wut aus dem Fenster schmeißen, sind nicht immer die Bösen. Wir kennen nie alle Seiten einer Person, wir sehen immer nur eine Fassette, ohne die Vorgeschichten zu kennen. Daher sollten wir sehr vorsichtig sein und uns erstmal ein paar mehr Gedanken machen, bevor wir jemanden verurteilen. Lexi zeigt uns, dass es manchmal durchaus berechtigt ist wütend zu sein und dass es dafür auch durchaus gute Gründe gibt. Nicht jedes wütende Kind ist auch gleichzeitig ein Unruhestifter!Ann-Kathrin Opiolka, 19 Jahre Die VOR-Leser
Als ich das erste Mal von „Ich war der Lärm, ich war die Kälte“ hörte, wusste ich einfach sofort, dass ich das Buch lesen muss. Der Klappentext überzeugte mich auf Anhieb und auch das Cover sprach direkt an. Hinzu kommt, dass ich vor einigen Jahren schon mal ein Werk aus der Feder von Jenny Downham gelesen habe, welches mir unglaublich gut gefallen hat. Auf ihren neuen Jugendroman war ich daher schon sehr gespannt!Die 15-jährige Lexi hat es echt nicht leicht. Sie möchte doch einfach nur Liebe und Anerkennung bekommen, aber ständig läuft alles schief. Vor allem für ihren zukünftigen Stiefvater John ist sie nie gut genug. Er gibt ihr stets nur zu deutlich zu verstehen, wie wenig er von ihr hält. Und seit ihr geliebter Stiefbruder Kass aufgrund seines Studiums weg ist, hat Lexi auch noch ihren wichtigsten Halt verloren. Hinzu kommt, dass das Verhältnis zu ihrer Mutter, die nichts gegen Johns manipulatives Verhalten unternimmt, zunehmend schlechter wird. Und als wäre das alles nicht schon mehr als genug, hat Lexi in der letzten Zeit mit unkontrollierbaren Wutausbrüchen zu kämpfen hat. Ihre brennen manchmal einfach die Sicherungen durch, sodass sie auf einmal Gegenstände kaputt macht oder Sachen durch die Gegend schmeißt. Ihre Aggressionsprobleme werden schließlich zu ihrer Waffe, mit der sie ihre Mutter und kleine Halbschwester Iris vor John zu beschützen versucht. Doch für wie lange kann das noch gut gehen?Häusliche Gewalt – kein leichtes, aber ein immens wichtiges Thema, über das man sich unbedingt verstärkt informieren sollte. Ich bin daher so froh darüber, dass sich Jenny Downham in ihrem neuen Jugendroman mit dieser bedeutsamen Thematik auseinandersetzt. In „Ich war der Lärm, ich war die Kälte“ bekommen wir es allerdings nicht mit körperlichem Missbrauch zu tun. Physische Verletzungen, die durch Handgreiflichkeiten oder Schläge zustande kommen, erwarten einen nicht in diesem Buch. Lexis Geschichte handelt von emotionalen Verletzungen, von psychischer Gewalt, hervorgerufen durch Unterdrückung und Tyrannei. Dass diese Form von Missbrauch ebenfalls eine ganz schlimme ist, führt uns Jenny Downham in „Ich war der Lärm, ich war die Kälte“ nur zu gut vor Augen.Mir hat „Ich war der Lärm, ich war die Kälte“ ein sehr nachdenkliches und intensives Leseerlebnis beschert. Da mich die Handlung von den ersten Zeilen an mitreißen und durchgehend fesseln konnte, habe ich das Buch trotz seiner über 400 Seiten innerhalb kurzer Zeit durchgesuchtet. In meinen Augen hat die englische Autorin Jenny Downham mit „Ich war der Lärm, ich war die Kälte“ ein richtig tolles und unglaublich wichtiges Buch geschrieben, das definitiv nicht nur für Jugendliche lesenswert ist, sondern auch für deutlich ältere Leser*innen.Erfahren tun wir den größten Teil der Handlung aus dem Blickwinkel der 15-jährigen Alexandra, genannt Lexi, in der Ich-Form. Ab und an gibt es aber auch mal kurze Kapitel, die aus der Beobachtersicht geschrieben sind. Da muss ich gestehen, dass diese Perspektivwechsel nicht komplett meins waren. Ich fand die Idee nicht schlecht, aber mich persönlich hat diese andere Erzählform irgendwie ein bisschen irritiert.Die Passagen aus Lexis Sicht mochte ich eindeutig lieber. Obwohl ich Lexi anfangs ein wenig komisch fand, war sie mir dennoch auf Anhieb sympathisch. Unsere Protagonistin besitzt eine ziemlich schräge und eigenwillige Art, an die ich mich erst gewöhnen musste. Da ihre Gefühls- und Gedankenwelt aber sehr feinfühlig und glaubhaft dargestellt wird, ist es mir trotzdem mühelos gelungen, mich in unsere Ich-Erzählerin hineinzuversetzen.Ich habe sehr oft entsetzlich mit Lexi mitgelitten und mitgefühlt. Ihre Verzweiflung, weil niemand wahrhaben will, dass nicht sie das Monster ist, sondern ihr Stiefvater John; ihre Sehnsucht nach ihrem Stiefbruder Kass, in den sie seit langer Zeit hoffnungslos verliebt ist; ihre Wut auf John, die immer größer wird – ich konnte alles nur zu gut verstehen und nachvollziehen.Als Leser*in entwickelt man von Beginn an eine große Abneigung gegenüber John. Wie er Lexi unterdrückt, kontrolliert und ständig niedermacht; wie er ihre Mutter so geschickt manipuliert, dass sie die Gewalt gar nicht erkennt – man kann wirklich gar nicht anders, als diesen Tyrann zu hassen. Gefallen hat mir John aber dennoch, da er eine absolut authentische Figur ist. Genauso schaut es mit den weiteren Charakteren aus: Allesamt wurden sie hervorragend ausgearbeitet, sodass sie wie echte Menschen wirken.Dank einiger Rückblicke, die die Vergangenheit näher beleuchten, wird verdeutlicht, wie sehr sich die Familienlage mit der Zeit immer weiter verschlimmert. Als Leser spürt man förmlich, dass dieser große Knall bald kommen wird. Wie wird sich dieser aber äußern? Zu was ist John wirklich fähig?Bis dahin vergehen allerdings so einige Jahre, in denen vor allem Lexi sehr viel durchmachen muss. Die Geschichte ist insgesamt sehr ernst, aber keine Sorge, zu hart oder beklemmend wird sie nicht. Ich muss gestehen, dass ich persönlich sogar mit einer etwas heftigeren Story gerechnet hatte. Ich habe schon ein paar Jugendbücher über diese Thematik gelesen und die habe ich irgendwie als etwas krasser und unter die Haut gehender empfunden. Die Handlung in „Ich war der Lärm, ich war die Kälte“ wühlt aber natürlich dennoch sehr auf und beschäftigt einen noch eine lange Zeit nach dem Lesen. Sie ist spannend, tiefgehend und bewegend und da sich Jenny Downham wahrlich bestens darin versteht mit einer enormen Sogwirkung zu schreiben, kann man gar nicht anders als das Buch zu verschlingen.Fazit: Lebensnah und ergreifend – ein extrem fesselndes Buch, das man einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. Jenny Downham hat mit „Ich war der Lärm, ich war die Kälte“ einen außerordentlich wichtigen Jugendroman aufs Papier gebracht, in welchem sie auf eine packende und gekonnte Weise die schwere Thematik emotionaler Missbrauch behandelt. Die Geschichte rüttelt so richtig auf. Sie ist realistisch und eindrücklich geschrieben und regt sehr zum Nachdenken an. Mir hat das Buch unheimlich gut gefallen, allerdings hat es mir für die volle Sternenzahl am Ende trotz allem nicht gereicht. Irgendwie hat mir etwas gefehlt. Aber wie gesagt, ich bin dennoch hellauf begeistert und kann jedem Jugendlichen und Erwachsenen nur ans Herz legen, Lexis Geschichte zu lesen. Von mir gibt es sehr, sehr gute 4 von 5 Sternen!