Wer Fehler der Vergangenheit meiden will, muss die Vergangenheit kennen. Leider beginnt für die meisten Menschen das Interesse an Geschichte/ Politik erst nach der Pubertät. So gesehen ist es verständlich, dass es immer schwerer fällt, die Weimarer Republik, die NS-Zeit und die Gründerjahre der Bundesrepublik gerecht zu sehen und zu beurteilen. Schwarz hat eine ausgezeichnete Adenauer-Biographie geschrieben, Merseburger glänzt mit seiner Trilogie ‚Heuss‘, ‚Brandt‘ und ‚Schumacher‘. Diese vier Bücher sollten die Pflichtlektüre für alle politisch interessierten Menschen sein.Schumacher war von den vier Politikern der von der Vergangenheit am wenigsten belastete; der auch, der den härtesten Widerstand gegen das Aufkommen des Nationalsozialismus geleistet hatte und für seine unnachgiebige Konsequenz des Widerstandes 10 furchtbare Jahre in Konzentrationslagern verbringen musste. Er war absolut überzeugter Sozialist, aber nicht im streng marxistischen Sinne, für ihn musste der Sozialismus verbunden sein mit Demokratie. Lassalle war für ihn die sozialistische Leitfigur.Ohne Rücksicht auf persönliche Gefährdung stemmte er sich gegen das Ermächtigungsgesetz und warf den Nationalsozialisten vor,: „Wenn wir irgendetwas beim Nationalsozialismus anerkennen, dann ist es die Tatsache, dass ihm zum ersten Mal in der deutschen Politik die restlose Mobilisierung der menschl. Dummheit gelungen ist.“ Schon im März 1933 organisierte er die Untergrundarbeit zu einem Zeitpunkt, als die Gewerkschaften begannen, nach rechts abzudriften und die Württemberger SPD ihren Mitgliedern empfahl, in die NSDAP einzutreten.Zwei Maximen bestimmten sein Handeln: ‚Entweder die neue deutsche Demokratie wird sozialistisch oder gar nicht sein‘ und ‚Entweder ist der Sozialismus demokratisch, oder er ist kein Sozialismus.‘ Deshalb stemmte er sich nach dem Krieg gegen die Vereinigung von SPD und KPD, zur SED, was er aber nur für die allmählich entstehende Bundesrepublik verhindern konnte.Die von Adenauer geführte CDU und die von Schumacher geführte SPD standen sich nach 1949 in den Grundansätzen absolut kontrovers gegenüber: Soziale Marktwirtschaft bei der CDU, Sozialisierung bei Bergwerken usw und Planwirtschaft bei der SPD. Adenauer strebte intensiv die Bindung an den Westen an, Schumacher wünschte ein neutrales, ungebundenes Deutschland, um die Spaltung Deutschlands nicht zu vertiefen.Zunächst schien es so, als könnte die SPD 1953 die Führung übernehmen, aber der wirtschaftliche Erfolg, fälschlich Wirtschaftswunder genannt, wirkte so überzeugend, dass die CDU bei der dritten Bundestagswahl sogar die absolute Mehrheit gewann.Verbittert kämpfte Schumacher für seine Zielsetzung, nicht fähig einzusehen, dass die Lösung der sozialen Frage auf nicht-sozialistischem Wege gelingen kann. So wurde er letztlich selbst für seine eigene Partei zur Belastung. Lösen konnte sich die SPD erst von ihm nach seinem Tod 1952. Die späteren Triumphe Adenauers zu erleben, blieb ihm erspart. Der SPD gelang es dann 1959 mit dem Godesberger Programm sich vom Sozialismus zu lösen und allmählich zur Volkspartei zu werden.Merseburgers Biographie liest sich spannend wie ein Krimi, ist absolut sorgfältig recherchiert und in der Darstellung im höchsten Grade objektiv.
Die Biografie ist interessant geschrieben und recht gut nachzuvollziehen. Gerade wenn es um die Weimarer Zeit geht finde ich die Namen die einem da vorgesetzt werden oftmals verwirrend, aufgrund der Menge.Der Schwachpunkt bei diesem Buch ist das Vorwort. Das kann man getrost überspringen. es sei denn man ist daran interessiert zu lesen wie Gerhard Schröder, der alle Ideale Schumachers und der SPD verraten hat, in den Himmel gelobt wird. Das gehört ebensowenig zu der Biografie wie hier eine Diskussion über Schröders Politik.
Dieses Werk ist eine aktualisierte Neuauflage des 1995 erschienenen Buches "Der schwierige Deutsche: Kurt Schumacher".Es findet sich allerdings außer im Buch selbst kein Hinweis darauf, daß es sich um ein "altes" Buch unter anderem Namen handelt, welches sich jene schenken können, die die erste Ausgabe ("schwieriger Deutscher") schon haben. Man hätte den alten Titel der Transparenz wegen bestehen lassen können.Das Buch ist sehr umfangreich und sehr gut, ohne Frage.