Sterben dürfen - die Streitschrift eines Arztes Die Würde des Menschen muss auch bei unheilbar kranken und alten Menschen respektiert werden. Viel zu oft allerdings setzen sich Ärzte über den Willen ihrer Patienten hinweg, tun alles, was medizinisch und technisch möglich ist, und tragen so eher zur qualvollen Sterbeverzögerung als zur sinnvollen Lebensverlängerung bei. Aber Lebensverlängerung, so Michael de Ridder, darf nicht zum Selbstzweck werden. Ein leidenschaftliches Plädoyer für Selbstbestimmung und Fürsorge am Lebensende. Der medizinische Fortschritt der letzten Jahrzehnte hilft zahll osen Patienten, verschafft Heilung oder zumindest Linderung, rettet und verlängert Leben. Gleichzeitig hat die Hochleistungsmedizin, wie sie in unseren Krankenhäusern praktiziert wird, aber auch ihre Schattenseiten. Michael de Ridder, seit über dreißig Jahren an verschiedenen Kliniken als Internist, Rettungs- und Intensivmediziner tätig, plädiert dafür, Sterben wieder als Teil des Lebens wahrzunehmen und anzuerkennen. Er richtet sich damit nicht zuletzt an die eigene Zunft. Vielfach verstehen sich Ärzte in einer medizinisch-technischen Krankenhauswelt, in der alles möglich scheint, ausschließlich als Heilende. Was aber, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist? Wenn ein Patient »austherapiert« ist, wie es im Fachjargon heißt? Statt Todkranke um jeden Preis am Leben zu erhalten, müssen Mediziner lernen, in aussichtslosen Situationen ein friedliches Sterben zu ermöglichen. Gerade hier, so de Ridder, sind Ärzte gefragt, als Begleiter und Fürsorger.
Bewertungen & Erfahrungen
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Redaktion12.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist ein absolut faszinierendes und tiefgründiges Werk, das eine unglaubliche Perspektive auf das Leben und den Tod bietet. Ich kann es wärmstens empfehlen, um tiefer in die philosophischen Aspekte der Existenz einzutauchen.
Michael De Ridder stellt im Titel des Buches eine Frage, mit der wir uns alle früher oder später einmal auseinandersetzen müssen. Wie wollen wir leben und wie werden wir sterben?Wollen wir, falls wir nicht mehr autonom darüber entscheiden können, 5 Jahre an Schläuchen im Wachkoma liegen? Wollen wir dass Organe entnommen und transplantiert werden?Wollen wir in Würde sterben, oder wollen wir in einer Pflegeeinrichtung mit einer Magensonde möglichst lang in einem Zwischenzustand gehalten werden, den man weder als Leben noch als Tod bezeichnen kann?Er hat 10 Jahre als Leiter einer Rettungsleitstelle gearbeitet und den Tod und unnütze Lebensverlängerungsmaßnahmen auf vielfältige Weise kennengelernt. Inzwischen leitet er eine palliativmedizinische Einrichtung.Ich habe mich beim Lesen des Buches gefragt: Ist es wirklich in erster Linie ein institutionelles Gewinnstreben, wenn Demenz und Komapatienten um jeden Preis am Leben gehalten werden? Oder ist es für manchen Arzt gar eine nazistische Kränkung, wenn er einen Patienten an den Gevatter Tod verliert? Wir können doch heute so viel machen.Elisabeth Kübler Ross, hat vor vielen Jahren Bücher geschrieben, über ihre langjährigen Erfahrungen mit unheilbar kranken und sterbenden Menschen.Ich habe mindestens 2 dieser Bücher gelesen, sie haben mich sehr demütig gemacht.Wenn wir den Tod das erste Mal ins Gesicht blicken, dann sind wir erschrocken. Wir wollen ihn nicht akzeptieren.Wir wollen kämpfen und dann feilschen. Noch ein wenig Zeit. Noch nicht jetzt. Wenn man manche alten Menschen beobachtet, dann stellt man fest, dass sie sich tatsächlich noch Zeitziele stecken. Ich möchte noch die Hochzeit meiner jüngsten Tochter erleben, die sich endlich entschieden hat zu heiraten. Ich möchte den Enkelsohn erleben.Manchmal klappt das, und dann kann jemand in Frieden seine Augen schließen.Wir haben vor wenigen Wochen einen guten Freund verloren. Er war im Krankenhaus und sollte trotz seines hohen Alters noch einmal operiert werden. Es handelte sich um eine nicht lebensbedrohliche und nicht schmerzhafte Erkrankung. Die Tochter, die entsprechende Vorsorgevollmachten hatte, entschied, es wird keine OP geben und der Vater kommt nach Hause. Dort bekam er eine Lungenentzündung. Da sollte er wieder ins Krankenhaus. Die Tochter entschied, es gibt nur noch eine ambulante Behandlung. Der Vater erhielt entsprechende Antibiotika. Die Lungenentzündung konnte auch nieder gerungen werden, aber der Vater verlor kontinuierlich an Gewicht.Er hatte vorher bestimmt, dass er sein Leben zuhause beenden wollte. Wenn er Schmerzen hatte, kam ein junger Arzt aus der Umgebung auch noch abends vorbei. Der brachte dann auch mal seinen kleinen Sohn mit, der sich artig an den Küchentisch setzte.Der Vater ist dann schließlich eines Abends friedlich eingeschlafen und am nächsten Morgen nicht mehr aufgewacht. Das war ein würdevoller, friedlicher und selbstbestimmter Tod.Ich denke, dass genau diese Vorstellung, Michael De Ridder leitet. Von seinem Lehrer hat er gelernt, dass man bei Schmerzpatienten nicht mit den entsprechenden, meist morphinhaltigen Mitteln sparen soll. Ich selbst habe am Krankenbett meines Großvaters, der 84 Jahre alt war, noch erlebt, dass der junge Arzt, die Dosis möglichst gering halten wollte, damit der alte Herr nicht „abhängig würde“. Der hatte aber zu diesem Zeitpunkt bereits 2 Kriege erlebt und hatte auch die Angewohnheit, jeden Tag sein Schnäpschen zu trinken. Was mich als Jugendlichen, der ich damals war, sehr beeindruckt hat: Er hat mit glasklarer Stimme und ohne jedes Zögern gesagt: Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich habe im Krieg so viele Menschen sterben sehen. Davor habe ich keine Angst mehr.Unsere Haltung heute, ist doch, den Tod so lange wie möglich aus unserem Bewusstsein zu verbannen. Vielleicht sollten wir versuchen, zu einem Standpunkt zu gelangen, dass er Teil des Lebens ist. Dass er unabhängig davon, ob wir nun einer religiösen Überzeugung anhängen, die an ein Weiterleben nach dem Tod glaubt, oder auch nicht, dass dieser Tod, ein notwendiges und selbstverständliches Korrektiv ist.Ich glaube einen selbstverständlichen Umgang mit dem Tod, möchte der Autor uns mit diesem Buch nahe bringen.
Neben dem Werk von Sherwin B. Nuland (“Wie wir sterben”) ist dies bei weitem das beste Buch, das ich bisher zu diesem Thema gelesen habe! Michael de Ridder thematisiert mit tiefem Einfühlungsvermögen – und am Beispiel von bewegenden Einzelschicksalen – die sozialen, medizinischen und juristischen Fragen und Probleme, mit denen sich nicht nur Patienten und ihre Angehörigen, sondern auch die Ärzteschaft und das Pflegepersonal im Angesicht von Sterben und Tod konfrontiert sehen. Wiederholt bezieht er eindeutig Position, um für das Selbstbestimmungsrecht des Menschen nicht nur am Ende eines langen Lebens, sondern auch im Falle schwerster Behinderungen, zu votieren. Gegen alle Formen der Bevormundung, und gegen eine medizinische Praxis, die zunehmend auf die Lebensverlängerung um jeden Preis fixiert ist, mit allen Mitteln und Möglichkeiten, die der modernen Medizin heute zur Verfügung stehen. Demgegenüber plädiert der Autor für eine palliative Medizin am Lebensende, für die Versorgung und die Pflege schwerstkranker und todesnaher Menschen durch menschliche Zuwendung oder auch durch “palliative Sedierung”, falls nötig. Inbezug auf die palliative Sedierung und andere medizinische Maßnahmen zur Unterstützung eines “guten” Sterbens hat dieses Buch bei mir eine gewisse Einstellungsänderung bewirkt – vorausgesetzt, dass solche Maßnahmen de facto ihren intendierten Zweck erfüllen und sachgerecht eingesetzt werden! In der alltäglichen Praxis von Pflegeheimen scheint mir dies bei weitem noch nicht gelungen zu sein!Ausführlich geht der Autor auf die juristischen Aspekte von “Sterbehilfe” in all ihren Varianten ein – wegen der kürzlich (in 2015) geänderten Rechtslage wahrscheinlich nicht mehr hundertprozentig aktuell (Buchauflage von 2011).Am Ende dieses großartigen, von Menschlichkeit und Mitgefühl getragenen Werkes sollte jeder Leser wissen, wie er oder sie Vorsorge treffen kann und sollte (v.a. im Rahmen einer Patientenverfügung), um am Lebensende in Friede und in Würde – möglichst ohne panische Erstickungsängste oder qualvolle Schmerzen – Abschied zu nehmen. Wobei einige der vom Autor angeführten Schicksale (etwa durch Unfall verursachte Schwerstbehinderungen) deutlich machen, wie wichtig diese Vorsorge auch dann schon sein kann, wenn man noch nicht unter altersbedingter Gebrechlichkeit, chronischer Krankheit oder Siechtum leidet.
Mit großer Klarheit und ohne viel Tränendrüsendrücken geschrieben.Das Buch zeigt klar auf, wie enorm wichtig eine Auseinandersetzung mit dem Thema sterben und pflegen zu guten Zeiten ist! Noch wichtiger, es schriftlich fest zu halten und jemanden zu haben, der diesen Willen auch durchsetzen kann. Allein die Verfügung reicht ja offenbar nicht aus.Viele ausführlich beschriebene Fälle zeigen auf, mit welcher Dekadenz gehandelt wird. Gut, dass doch auch noch anders gelagerte Fälle beschrieben werden. Das es doch auch Ärzte und Pfleger mit Herz und Verstand zugegen sind. Doch es gibt ja immer auch eine andere Variante, Angehörige, die mit aller Macht nicht loslassen wollen, ganz gleich was für den Kranken, den Sterbenden Erleichterung bringen würde.Zum Inhalt gehört ebenfalls auch eine gute Aufklärung zum Gesetzlichen.Auch wenn der Tod gern verdrängt wird... nur im Leben und bei klarem Verstand kann man für sich diese so wichtigen Entscheidungen treffen, eine Wahl treffen.Von mir gibts eine klare Lese- und Kaufempfehlung! ... Pflichtlektüre - bei aller Lebensfreude!
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 19:39 Uhr.