Bestseller-Autor Harald Welzer legt mit »Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit« eine neue und frische Analyse der großen gesellschaftlichen Zusammenhänge in Deutschland vor, eine umfassende Diagnose der Gegenwart für alle politisch Interessierten. Unsere Gesellschaft verändert sich radikal, aber fast unsichtbar. Wir steuern auf einen Totalitarismus zu. Das Private verschwindet, die Macht des Geldes wächst ebenso wie die Ungleichheit, wir kaufen immer mehr und zerstören damit die Grundlage unseres Lebens. Statt die Chance der Freiheit zu nutzen, die historisch hart und bitter er kämpft wurde, werden wir zu Konsum-Zombies, die sich alle Selbstbestimmung durch eine machtbesessene Industrie abnehmen lässt, deren Lieblingswort »smart« ist. Was heißt das für unsere Gesellschaft? Nach seinem Bestseller »Selbst denken« analysiert Harald Welzer in »Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit«, wie die scheinbar unverbundenen Themen von Big Data über Digitalisierung, Personalisierung, Internet der Dinge, Drohnen bis Klimawandel zusammenhängen. Daraus folgt: Zuschauen ist keine Haltung. Es ist höchste Zeit für Gegenwehr, wenn man die Freiheit erhalten will!
Bewertungen & Erfahrungen
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Redaktion31.05.2026
testmonster.de · Redaktion
Ein sehr interessantes und provokantes Buch, das zum Nachdenken anregt, auch wenn einige Argumente etwas zu sehr abstrakt sind.
Angeregt durch ein TV-Interview bestellte ich das Buch.Die positiven Bewertungen der Vorschreiber kann ich voll bestätigen.Eine sehr empfehlenswerte Lektüre!Dass wir von permanenter Überwachung betroffen sind, ist mir seit langem klar.Sehr gut betont wird der Unterschied zu früheren Überwachungspradigmen.Digitalisierte Bespitzelung hat heute neben einer gesellschaft- und sicherheitspolitisch relevanten Bedeutung vor allem eine ökonomische.Besorgniserregend ist, Millionen geben meist freiwillig ihre sensiblen Daten preis, Daten, die sie früher vielleicht in einem Safe aufbewahrt hätten.Zugegeben, vieles wird uns auch zwangsweise entlockt und es gelingt uns partout nicht, oder zumindest unter erschwerten Bedingungen, dies zu verhindern.Welzer widmet sich diesem Dilemma sehr ausführlich und schildert Fälle, an die man normalerweise gar nicht denken würde.Die Veranschaulichung mit der Entwicklung des so genannten "panoptischen Prinzips", die in der modernen Netzwerküberwachung ihren vorläufigen Höhepunkt findet, war für mich erschreckend und zugleich faszinierend.Ausgehend von ohnedies bekannten "Spy-Attacks" am PC, dem Handy oder Tablet, etc. geschieht dieses "digitale Stalking" auch über so subtile Geräte, wie einen intelligenten Stromzähler, auch Smart Meter genannt, ein Sportarmband, ein Smart-TV, das KFZ, uva. Tja sogar über einen (netzwerkgebundenen) Kühlschrank!Welzer beschreibt, wie die "sozialtechnologische Machttechnologie" des "panoptischen Prinzips" praktisch in (fast) alle unsere Lebensbereiche Eingang fand. In Produktionsstätten, Büros, Gefängnissen, uva. Und das fatale daran ist, viele Unbekannte eignen sich "dynamisches Wissen" über uns an, bis in den intimsten Bereich. Das ist in vielen Fällen gefährlich.Als Beispiel kann so etwas "harmloses" wie der intelligente Stromzähler dienen. Er ermittelt nicht nur unseren Energieverbrauch. Der analysierte Datenstrom vom Endveraucher zum Messdatenmanagement zeigt genau, wann, wer, wo, wielange in seiner Wohnumgebung anwesen ist. Nicht auszudenken, wenn (wie bereits demonstriert) Hacker an die Verbrauchsprofildaten gelangen und aus intelligent kooperierenden Netzwerküberwachungen "Einbruchslisten" erstellen um sie gezielt von Banden abarbeiten zu lassen.Ähnliches wiederfuhr bereits unachtsamen Facebook-Nutzern, die, im Unterschied zu vorigem Beispiel nicht "ausspioniert" wurden, sondern freiwillig ihre mehrwöchige Urlaubsreise ankündigten und bei der Rückkehr entsetzt das Einbruchschaos feststellten.Vieles, was uns die "smarte Technologie" bietet, haben wir bereits lieb gewonnen und möchten nicht mehr missen. Dass nicht unser gesamtes "Ich" öffentlich wird verlangt einen ständigen vernünftigen und wachsamen Umgang mit der neuen Technologie und einen ständigen Kampf gegen die "Smarte Diktatur". Welzer führt uns in seinem Buch drastisch die Kehrseite des "smarten" Gebrauchs vor Augen indem er auch zeigt, wie sich die Abläufe der früheren "analogen" Zeit gleichend, so präzisierten, dass man heute in fast keinem Lebensbereich der "Smarten Diktatur" entkommen kann. Es verlangt einen ständigen Kampf. Dazu ist grundlegendes Wissen nötig. Welzer liefert es. Danke!Mit freundlichen Grüssen
Die digitale Welt birgt erhebliches Gefahrenpotential, kann sie, durch die Machthaber und Steuerer Derselben, sich sämtlicher Lebensbereiche bemächtigen. So sind die smarten Diktatoren, wie der Autor sie bezeichnet, Meister der Verbesserung von Dingen, die eigetlich völlig unnötig sind. Es gelingt jedoch, durch geschicktes Marketing die Verführung, Bedürfnisse für etwas zu wecken, was dem Nutzer keinen Mehrwert oder inneren Fortschritt seiner selbst bietet, sondern ihn in eine Abhängigkeit zu weiterem Konsum bringt. Letztlich dient dieser lediglich dem Produzenten, während der Konsument in einer "Ich Blase" existiert, welche durch die digital hinterlassenen Personalisierungsspuren, nur klar definierten und kanalisierten Zugang zur Außenwelt zuläßt. Somit entfremdet sich der Nutzer zunehmend von den biologisch und sozialen Voraussetzungen des Lebens, welches analog und nicht digital ist.In der digitalen Welt wird lediglich konsumiert, nicht erlebt, wie in der analogen Realität. Berührung, Erleben mit allen Sinnen geht verloren und man entfremdet sich von den Grundlagen des menschlichen Seins, sowie den Voraussetzungen des biologischen und sozialen Leben.Interessant ist es, dass es den smarten Diktatoren gelungen ist, den Nutzer zu bewegen, dem Eindringen in seine Privatsphäre konkludent zuzustimmen und somit eine Fremdsteuerung zuzulassen.Privatheit ist das zentrale Hindernis zur Durchsetzung einer totalitären Herrschaft, weshalb das vorrangigste Ziel, die Unterwanderung, oder gar Abschaffung Derselben, als Zielpunkt im Focus liegt. Den Protagonisten ist es darüber hinaus sogar gelungen, dass die Unterwanderung der Privatsphäre weitgehend unerkannt vonstatten geht und die Abhängigen sogar gelernt haben, ihre Knechtschaft zu lieben.Die Abschaffung der Privatheit, kann bereits als gegeben betrachtet werden, denn längst hat sich uns eine Technologie bemächtigt, welche jegliche Formen unseres Seins und Verhaltens analysiert, auswertet, mit dem Ziel, vollständige Transparenz zu erlangen. Darüber hinaus ist es den digitalen Anbietern gelungen eine Rückkopplung der Selbstperspektive zu etablieren, also ein Bild, wie man sich selbst sieht, oder gerne sein möchte. Das eigene Sein wird damit aufgegeben und artikuliert sich in der Banalität von immer größerem Konsum.Eine große Gefahr besteht darüber hinaus darin, dass die hinterlassenen Daten nicht nur zur Durchsetzug und Steuereung ökonoischer Interessen Verwendung finden, sondern in Form einer quasi Öffentlich- Privaten Partnerschaft zwischen Rregierungen und Unternehmen, der Etablierung einer totalitären politische Institution den Weg bahnen. So ist bereits eine Entdemokratisierung und konträr dazu eine Vermerkantilisierung zu erkennen.Der Autor fordert diesbezüglich zu bürgerlichem Ungehorsam auf, um der Personifizierung durch Daten und ständiger Überwachbarkeit zu begegnen.
Welzer hat ein Buch geschrieben, das viele derzeitige Entwicklungen gut beschreibt, die teils schon bekannt sind, sie aber zusammen mit weniger bekanntem gut zusammenfasst. Die Bedrohungen zeigt er deutlich auf, wenn es auch zu - teils hilfreichen, teils weniger hilfreichen - Überspitzungen kommt, wohl zu gewollten Provokationen. Aus meiner Sicht ärgerlich sind unnötige, fast parteipolitische Positionierungen. Schön sind viele Darstellungen von Alltagssituationen, doch hätten sie etwas geringer ausfallen können, dafür das Buch mehr theorielastiger sein können. Schön fand ich, dass er Anekdoten aus seinem eigenen Leben hat einfließen last. Aber ärgerlich manchmal das Abgleiten in unterste Alltagssprache, Das hätte er sich bei einem anspruchsvollem Sachbuch sparen können! Alles in allem: Ein gelungenes Buch, das zum Nachdenken anregt, wenn man auch nicht allen Schlussfolgerungen folgen möchte. Dieses Reiben an dem Buch erhöht hoffentlich das Nachdenken über das behandelte Thema.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 19:39 Uhr.