Nicht dem vorliegendem Roman, sondern Sascha Rotermund dem Sprecher der kompletten Lesung verdient einzig die volle Punktzahl mit fünf Sternen. Ihm gelingt es wenigstens ansatzweise, die Atmosphäre des ansonsten mittelmäßigen Buches, zur Wirkung zu bringen.Zum Roman selbst: Leider überfrachtet Schätzing sein Roman zusehends, sodass einzelne Handlungsstränge völlig aus dem Ruder laufen und die Leser zum Teil überfordern. Schätzing wäre aber nicht Schätzing, wenn es zum Ende hin nicht an allen Ecken und Enden kracht. Wenn es rund und bunt zugeht aber, verliert man als Leser bei ihm leicht den Überblick über einzelne Personen, Personengruppen und Zeitliche Handlungsabläufe und es scheint, als komme er aus dieser Schiene nicht mehr heraus. Auch der vorliegende Band ist wie schon sein Roman “LIMIT“ mit Informationen und Handlungen völlig überfrachtet. Eine Kakofonie an verschachtelten Sätzen, führt nicht selten zu einem Wortbrei, dem man nur mit etlicher Mühe folgen kann. Schon zu Beginn wirkt der Wortschwall berauscht und Schätzing versucht eine düstere Atmosphäre mit einem an Poesie überfrachtetem Wortschwall herauf zu beschwören, die beim Lesen oder wie in diesem Fall, Hören, nicht aufkommen mag.Erst wenn man als Leser oder Hörer in Sierra County und dem verträumten Provinzkaff Downieville ankommt, wird es besser und der Roman bekommt eine feste und nachvollziehbare Handlung und auch Struktur, die zur Überraschung auch noch sehr harmonisch und eloquent geschrieben ist. Von da an menschelt und "kriminalt" es sehr und es gelingt Schätzing meiner Meinung nach sogar, so etwas wie Sympathien für die einzelnen Protagonisten aufzubauen. Die einzelnen Typen des kleinen verträumten Städtchens kommen authentisch rüber und man hat das Gefühl für Authentizität. Besonders der farbige Undersheriff Luther Okopu wird einem sympathisch und vertraut, wächst einem sogar ans Herz und man begleitet ihn gern durch die Geschichte oder sollte ich besser schreiben “Geschichten“ des Buches. Dies ist wahrscheinlich auch dem Umstand geschuldet, dass ein Teil der Romanfiguren, in dem real existierendem Städtchen Downieville auch tatsächlich gibt und Schätzing sich dort auch zur Recherche aufgehalten hat.Recherche ist eines der großen Stärken von Frank Schätzing und so ist auch dieser Roman fundiert und bis auf wenige Ausnahmen auch keine reine Fiktion, sondern mehr Science. Die Beschreibungen der „Viele Welten, oder auch Multiversen“, im Roman PU (parallel Universen) genannt, hat einen ernsten wissenschaftlichen Hintergrund. Auch wenn es für einige wie ein Hirngespinst spinnerter SF Autoren anmuten mag, geht die Mehrheit der Wissenschaftler heute davon aus, dass es sie gibt.Zum nächsten Kritikpunkt: Schätzing überfrachtet seine warnende Botschaft, indem er angefangen von der Quantenphysik über Paralleluniversen, vernetzte Welt, ewiges Leben, Robotik, Cyborks, Genmanipulation, insektoide Biowaffen, Matrixwelt bis hin zur einer außer Kontrolle geratene KI mit eigenem Bewusstsein, zu einem schon fast unleserlichen Brei verschmiert, sodass man sich wie Schätzing selber, sich für all diese Themenbereiche interessieren MUSS, die er so nonchalant, wie selbstverständlich in seinem Roman verwurstet. Als hart gesottener SF Leser der sich vornehmlich mit all diesen Themen auch wissenschaftlich auseinandersetzt, kommt man damit zwar gut zurecht aber dennoch nicht so recht auf seine Kosten, da für ihn alles nur oberflächlich angerissen wird und einen Otto Normalleser, hier sehr schnell überfordert.SF kann leichte so wie auch schwere Kost sein, vor allen Dingen soll SF unterhalten und die Leser auf Gedanken bringen, die sie selbst nie in Erwägung gezogen haben. Doch Ideen und deren Umsetzung in “Die Tyrannei des Schmetterlings“ sind allesamt nicht neu und gut umgesetzt schon gar nicht. Man wird das Gefühl nicht los, als sitze der Autor mit warnend erhobenem Zeigefinger da und belehrt den Leser, was alles passieren kann, sollten man den Weg der KI weiterverfolgen. Hier schwingt nicht nur ein wenig „German Angst“ mit, sondern ist ein integraler Bestandteil dieses Buches. Düstere Zukunftsvisionen gibt es schon zuhauf, doch hier wird dies dermaßen auf die Spitze getrieben, das es einem spätestens ab der zweiten Hälfte im Kapitel über PU 354 graut. Möchte er als moralische Autorität glänzen, ich weiß es nicht. Globale Probleme wie Krieg, Überbevölkerung, Verelendung, Klimawandel, so wie menschliche Schwächen und Unzulänglichkeiten und nicht zu vergessen die philosophischen Fragen nach dem menschlichen Bewusstsein und dem Sinn des Lebens, der eigenen Existenz und Wahrnehmung, erfordert ein Weniger an überfrachtete SF. Da helfen einem auch keine über 700 Seiten eines Romans mehr weiter. Hier könnte Schätzing mehr erreichen, würde er sich jede Disziplin gesondert vornehmen und dies in mehreren Romanen verpacken, so wie dies schon Eschbach sehr erfolgreich und auch sehr gut, gelingt. Hier möchte man Herrn Schätzing zurufen: „Ein bisschen weniger wäre wesentlich mehr“.Kaufempfehlung: Bedingt ja. Wie oben schon beschrieben, sind die Passagen wo es menschelt, also die Passagen in dem das Leben der Protagonisten dargestellt wird, die Landschaft der Sierra Nevada und dessen Umfeldes, gut zu lesen und man bekommt einen einigermaßen guten Eindruck über die Gesellschaft dort. Dies macht zudem einen Großteil des Buches aus. Zudem wäre es für nicht SF Interessierte empfehlenswert, sich die Bonus CD vorab anzuhören, damit man versteht, was sich Schätzing bei seinem Roman gedacht hat und um welche Themen es hauptsächlich geht.Für eingefleischte SF Nerds, bietet der vorliegende Band nichts wirklich Neues, sondern glänzt nur in seiner Überfrachtung an Themen die zudem nur angerissen werden, aber ansonsten keinen tiefergehenden Einblick über neue oder alte wissenschaftliche Erkenntnisse bietet und somit für diese Gruppe der Leser, eine eher fade Suppe ohne Würze kredenzt.