Inhalt:Sila ist als junges Mädchen von einem Gutshof im Brandenburger Land mit ihrer Mutter und Tante in den Westen geflohen. Als halbtürkisches Kind hatte sie es auf dem Land nicht leicht und fühlte sich bald in der neuen Umgebung wohl. Nun viele Jahre später ereilt sie ein Brief. Sie erbt den Hof ihrer Vorfahren, den eine Freundin namens Wanda weitergeführt hat. Nur zu gut erinnert sich Sila an Wanda als rettender Anker an traurigen Tagen mit ihrer Liebe zur Natur und zum Garten. Nun kehrt Sila zurück und muss dabei noch vieles aus der Vergangenheit aufarbeiten. Wird sie den großen Hof samt Garten behalten?Lexi ist Lehrerin in Berlin und verbringt viel Zeit mit und ohne Schüler auf der Insel Fehmarn. Dort erbte auch sie einen Garten, allerdings in viel kleinerer Größe. Jeder, der den Garten brauchte, bekam ihn vom Vorbesitzer geschenkt und wenn man ihn nicht mehr braucht und angekommen scheint, gibt man den Garten weiter. Lexi ist gerade an einem Punkt, da gibt ihr der Garten so viel, doch ihre Träume erreichen weit größere Dimensionen. Es muss sich etwas ändern, aber was?Schreibstil:Die Geschichte wird aus den Perspektiven von Sila und Lexi erzählt. Man taucht erst in ihre jeweiligen Lebensabschnitte ein und lernt sie kennen. Bei Sila gibt es zudem einige Rückblicke in Schlüsselmomente ihres Lebens, wie zum Beispiel der Beginn ihrer Zeit mit Devin und der Künstleretage. Rückblenden in ihre Kindheit auf dem Wickenhof werden in den aktuellen Erzählstrang sehr gut eingebaut.Meine Einschätzung:Zuallererst möchte ich sagen, dass ich es liebe, wie Patricia Koelle immer wieder kleine Schnittstellen zu ihren Büchern herstellt. Es tauchen immer wieder Namen auf, die aus anderen Teilen der jeweiligen Reihe stammen oder sogar aus den anderen Buchreihen. Man hat das Gefühl, dass alte Bekannte erwähnt werden, die man doch von irgendwoher kennt. Das vermacht den Geschichten nochmal etwas Besonderes.In der Inselgarten-Reihe lernt man sehr viel über die hiesigen Insekten und wie man diese in der heutigen Zeit schützen kann, wie man ihnen Gutes tun kann. Letztlich ist das Buch also nicht nur eine schöne Romangeschichte, sondern auch ein bisschen Sachkunde-Unterricht zum Thema Biene und Anlegen von Gärten. Es hat einen großen lehrenden Anteil, der wiederum nicht stört.Die Geschichte von Sila ist noch recht aktuell. Thema ihres Lebens ist wohl die Flucht aus der DDR, ihre Herkunft und das damit verbundene schwere Leben auf dem Land im Vergleich zur späteren Akzeptanz in der Großstadt Berlin. Dennoch fühlte sie sich regelrecht verloren im Leben. Die Liebe zur Kunst und zum Wickenhof beeinflussen sie sehr.Lexi hingegen ist aus Überzeugung Lehrerin geworden, möchte aber noch viel mehr bewegen in der Welt. Sie hinterfragt oft, ob sie zu undankbar ist für das was sie hat und fühlt sich schlecht, dass sie größere Wünsche und Ziele hat. Die Verbindung, die zu Jonne entsteht, finde ich dabei sehr hilfreich. Denn Lexi erkennt, dass ihre Wünsche keineswegs undankbar sind und in jedem Falle erstrebenswert und wunderbar.Der Autorin ist es sehr gut gelungen, diese beiden recht unterschiedlichen Frauen in ihren unterschiedlichen Lebensphasen durch die Liebe zu Gärten und Insekten zueinander zu führen. Jede hat für sich andere Ziele und Vorstellungen und beide können sich unterstützen, diese zu verwirklichen. Und man sollte nicht aufgeben an seinen Wünschen und Träumen festzuhalten, um sie zu realisieren.Ich freue mich sehr, dass am Ende noch ein 4. Teil angekündigt wird. Ich hoffe sehr, dass alle Protagonisten der Inselgärten-Reihe ihren weißen Falter noch sehen werden.