Das zur Weltliteratur zählende Meisterwerk ist von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié sehr schön ins Moderne übersetzt worden, auch wenn die Handlung natürlich weiter im 19. Jahrhundert spielt.Die Titelfigur ist eine junge Frau, die in privilegierten Verhältnissen lebt. Sie ist schön, gebildet und vor allem finanziell unabhängig, in der damaligen Zeit eine Besonderheit. Die meisten Frauen mussten entweder „niedere Dienste“ verrichten oder sich einen Ehemann suchen, der sie versorgt, aber auch besitzt.Emma hat sich vorgenommen, nicht zu heiraten, sondern auf dem Besitz ihres verwitweten Vaters ein beschauliches Leben nach ihrem Willen zu führen. Sie überschätzt ihre Lebenserfahrung, als sie versucht, ihre Mitmenschen bei der Partnerwahl zu unterstützen oder auch zu manipulieren. Sie bringt stattdessen alles durcheinander und verspielt am Ende fast ihr eigenes Glück mit dem Nachbarn:„Sie selbst hatte bei ihm immer an erster Stelle gestanden, und das nun schon seit vielen Jahren. Sie hatte diesen Rang nicht verdient, war oft nachlässig oder leichtsinnig gewesen, hatte seinen Rat verschmäht oder sich sogar mutwillig darüber hinweggesetzt, hatte die Hälfte seiner Vorzüge überhaupt nicht zur Kenntnis genommen und sich mit ihm gestritten, weil er die falsche oder überhebliche Meinung, die sie stets von sich selbst hegte, nicht gelten ließ – und trotzdem, aus Anhänglichkeit gegenüber der Familie oder aus Gewohnheit, und weil er ein so durch und durch anständiger Mensch war, hatte er sie geliebt, hatte über sie gewacht, schon seit sie ein kleines Mädchen war...“Jane Austen soll gesagt haben: „Ich werde eine Heldin schaffen, die keiner außer mir besonders mögen wird“. In der Tat begeht die 21-jährige Emma in ihrem jugendlichen Leichtsinn eine Torheit nach der nächsten. Im Austen-Universum ist sie aber die erste Frau, die ihr Leben selbst bestimmen kann – was dann eben auch nicht frei von Tücken ist.Wie üblich bei Austen wimmelt es nur so vor interessanten Nebenfiguren, die sich in der Dorfgemeinschaft tummeln: Allen voran die schwatzhafte, gutmütige, wenngleich etwas einfältige Miss Bates, der Austen zahlreiche endlose Monologe ohne Punkt und Komma widmet. Und gegen Mitte des Romans wird klar, wo Loriot einen seiner bekanntesten Sätze ("Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“) abgekupfert hat:„Ein Leben ohne Tanz ist vorstellbar. Es sind Fälle bekannt, in denen junge Leute viele, viele Monate ohne einen einzigen Ball gleich welcher Art überstanden und trotzdem keinerlei nennenswerten Schaden an Körper und Geist genommen haben; doch ist der Anfang erst einmal gemacht – haben sie die Freuden der beschwingten Bewegung erst einmal erlebt, wenn auch für noch so kurze Zeit -, dann muss es schon eine sehr schwerfällige Gesellschaft sein, wenn ihnen danach nicht der Sinn nach mehr steht.“