Ein großartiges Buch. Ohne Frage sollte es zur Pflichtlektüre weißer Menschen gehören, auch und besonders für Deutsche. Für mich ein fast unerträglich persönliches Buch, wenn einem an manchen Stellen bewusstwird, dass die Autorin hier von sich selbst und den physischen und psychischen Auswirkungen auf sich schreibt.Ich möchte einen Tipp fürs Lesen geben: Wagen Sie das gedankliche Experiment, schon beim Einstieg in dieses und ähnliche Bücher zu akzeptieren, dass Sie als weiße*r Lerser*in ein*e Rassist*in sind.Sie werden dann nicht ihre Zeit damit verschwenden, gedanklich die Aussagen von Frau Eddo-Logde widerlegen zu wollen, sondern überlegen, wann und wie Sie selbst Rassismus ausgeübt, unterstützt und gefördert haben. Und erkennen, was Sie gegen Rassismus tun sollten. Vorausgesetzt, Sie möchten ein*e Anti-Rassist*in sein.Offensichtlich kein Anti-Rassist möchte der Verfasser einer angeblichen „Spitzenbewertung aus Deutschland“ sein, ein lt. Amazon als Top-Rezensent betitelter Herr Benedictu.Bereits bei der reißerischen Überschrift „Schwarzes Schneeflöckchen, das nicht versteht, dass Empathie die Menschen aller Hautfarben verbindet?“ kommt mir die Galle hoch.Frau Eddo-Lodge im Zusammenhang mit diesem Thema und nach dem Lesen ihres Buches als Schneeflöckchen zu bezeichnen ist absichtlich herabwürdigend und beleidigend. Ihr Unverständnis des Problems vorzuhalten, mit dem Sie - wie alle Schwarzen in weiß-geprägten Gesellschaften - täglich ein Leben lang negativ konfrontiert wird, bestenfalls noch ignorant. Sich selbst aber dann noch im gleichen Satz mit „empathisch“ in Verbindung zu bringen – und zugleich Frau Eddo-Lodge dies abzuerkennen! – ist geradezu lächerlich (wenn das Thema nicht so traurig wäre), aber typisch für den Rassismus weißer Männer. Zumindest wenn man wie Herr B. offensichtlich weiterhin Rassist bleiben und rassistische Systeme unterstützen will.So typisch ist dann auch seine angeblich fundiert klingende, äußerst lange Rezension, in der er anhand einer begrifflichen Gliederung wiederholt in beleidigender Weise Frau Eddo-Lodge vorhält, dass sie nicht wisse, wovon sie spreche. Einer Schwarzen Frau in Groß Britannien.Herr B. möchte uns weiß machen, dass er dabei nicht nur offensichtlich übersah, dass Frau Eddo-Lodge eben auf genau diese Begriffe (wie Identitätspolitik) eingeht, sondern übernimmt in seiner Kritik über Frau Eddo-Lodges auch noch ihre(!) Argumentation.Letztlich lässt sich Herrn B.s Kritik an Frau Eddo-Lodges Buch „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ mit wenigen Worten beschreiben:Herr B. ist ein Paradebeispiel für den Titel des Buches und versucht mit viel Gelaber und mit angeblichem Niveau, vom eigentlichen Thema abzulenken. (Wie von weißen Europäern als übliche Verteidigungsstrategie gewohnt.)Denn das Thema ist Rassismus - und Herrn B.s Kritik geht um alles Mögliche, aber nicht darum.
Ich bin weiß, privilegiert und habe mich für nicht-rassistisch gehalten. Rassismus? Das war doch, was im Dritten Reich geschah und während der Sklaverei in Amerika. Also längst vergangen? Nix da. Wie es um den strukturellen Rassismus in Großbritannien bestellt ist, wird hier eindringlich geschildert - und hat mich entsetzt. Das meiste war mir vollkommen unbekannt. In Deutschland sieht es nicht besser aus. Hier empfehle ich die Lektüre Alices Hasters, die - im Gegensatz Dieter Nuhrs Aussage - keineswegs aus den USA sondern aus Deutschland stammt und über den strukturellen und persönlich erlebten Rassismus hier vor Ort spricht. Lesenswert. Beide Bücher. Für Menschen aller Hautfarben - und gerade für diejenigen, die wie ich dachten, sie wären niemals rassistisch.