Über mehr als 50 Jahre, vom 14. Juli 1930 bis zum 17. Juli 1983, erstreckt sich dieser von Kiesel herausgegebene und kommentierte Briefwechsel zwischen Carl Schmitt und Ernst Jünger. Über all diese Jahre gab es offensichtlich ein gemeinsames Band zwischen dem Juristen und dem Schriftsteller, welches beide immer wieder zusammenführte und einen schriftlich hinterlassenen Gedankenaustausch von allergrößter Tiefe hervorbrachte. Natürlich gab es auch alltägliche Belanglosigkeiten, die damals noch des brieflichen Verkehrs bedurften. Dass auch diese Briefe abgedruckt sind, ist sicherlich vor allem der angestrebten Vollständigkeit geschuldet. Es hilft aber auch, die verschiedenen Phasen dieser Brieffreundschaft besser einordnen zu können.Faszinierend ist jedoch, wie diese beiden Denker sich immer wieder gegenseitig anzuregen verstanden. Das bietet auch dem heutigen Leser noch eine erstaunliche Vielzahl weiterführender Denkanstösse und Reflexionsmomente. Dem brieflichen Gespräch gespannt lauschen zu können, ist ein selten erreichtes Ideal dieser Gattung. Hier ist es gelungen.Erstaunlich ist, wie wenig die während der betroffenen Zeitspanne stattgefunden großen politischen Entwicklungen einen Niederschlag in den Briefen gefunden haben. Es gibt vereinzelte Hinweise, insgesamt scheint das Gespräch aber aus der Zeit gefallen obwohl es doch gerade wegen der so bedeutenden zeitgeschichtlichen Rollen beider Schreiber Erwartungen einer gegenseitigen Verständigung über den Lauf der Welt nahelegen könnte. Natürlich steht beider Erfahrung im und mit dem Dritten Reich stets im Hintergrund, erschliesst sich doch erst von hier die jeweilige Bedeutung/-slosigkeit in der sogenannten Nachkriegszeit. Aber auch hier: man spricht über gemeinsame Bekannte und irgendwie auch über das grosse Ganze. Gleichwohl, niemals wird einer von beiden konkret, noch gibt es irgendeine Form selbstkritischer Auseinandersetzung.Helmuth Kiesel ist zu danken, dass er den Briefwechsel nicht lediglich veröffentlicht hat. Vor allem hat er ihn mit einer Kommentierung versehen, welche die angedeuteten Lücken füllt und wesentlich hilft, erwähnte Personen und Zeitumstände besser verstehen zu können. Hierbei ist er sichtlich um eine objektive Beurteilung der beiden Briefpartner bemüht. Trotz aller Anerkennung für beide hält er dabei doch stets in vorbildlicher Weise die notwendige Distanz. Das Nachwort dieser Auflage bietet auf wenigen Seiten eine der besten bislang gegebenen Erklärungen für das persönliche Versagen Carl Schmitts. Nicht zuletzt die Folie des Brieffreundes Ernst Jünger ist dabei besonders erhellend. Kiesel macht das sehr deutlich.