*Seit Jahrzehnten segle ich auf mehreren Weltmeeren und auf DIESES Buch war ich besonders gespannt! Im Vordergrund einer Langfahrt steht ja immer die autarke Schiffsorganisation und gerade für Segler ist es enorm wichtig, so unabhängig wie nur möglich zu sein und genau das ist auch die große Freiheit des Segelns! Windkraft statt Diesel, selbst fischen statt Konserven konsumieren, das Wasser selbst produzieren, statt Plastikflaschen zu kaufen und den Strom aus Sonne und Wind gewinnen, statt über Atomstrom und Kohlekraftwerken! Ja, Segler -also solche auf Langfahrt - sind auch Umweltschützer und versuchen sich in die Natur einzubinden, wo es nur geht.Den jungen französischen Ingenieur Cortenin de Chatelperron verfolge ich in diversen Magazinen seit 2014 und war sehr von seiner Fahrt mit dem selbstgebastelten Segelschiff aus Jutematten von Bangladesh bis Südfrankreich fasziniert. Von diesem originellen Daniel Düsentrieb werden wir in Zukunft noch viel hören.DAS BUCHDer Autor ist mit einer Crew seit 2018 auf einem alten Katamaran auf Weltreise und wird voraussichtlich 2021 mit viel Filmmaterial und neuen Ideen zurückkommen. Mittlerweile ist zum Star avanciert und ARTE begleitet ihn auf seinen Reisen und seinen Stationen. In seinem ersten Buch gliedert er seine Experimente in 10 Länder auf, in denen er interessante Menschen trifft, Ökofreaks, Tüftler oder traditionelle Handwerker.Er möchte so viel LOW TECH wie möglich auf seinem Kat einführen. Wir Segler kennen die Leitmaxime: so wenig Technik wie möglich, so viel wie nötig sollten wir an Bord haben! ALLES wird eines Tages an Bord defekt sein und deshalb sind die Ideen von Corentin gerade für uns besonders wertvoll. Auch wenn er eher die "Weltrettung" im Sinn hat und diese ökologischen Ideen verbreitet sehen will, so spielt sich doch alles in seinem eigenen Labor auf dem Katamaran ab und es sei angemerkt, dass einige Ideen auch nur auf dem Kat funktionieren, weil einfach viel Platz und viel Sonneneinstrahlung vorhanden ist.Mit was experimentiert der Autor also? Hühner an Bord, Kartoffelpflanzen, Windräder und ein Solarofen sind an Bord. Dann eine Multifunktionstretkurbel, um Maschinen anzutreiben. Ein Solardestillator, der 2,5 Liter Wasser am Tag produzieren kann. Die Wiederverwertung von elektronischen Bauteilen an Bord: aus einem Druckermotor wird ein Solargenerator. Biokohle an Bord zum Kochen oder Pflanzenaufzucht an Bord mit Hilfe der Hydroponik mittels Biofilter und erdfreien Töpfen. Fermentieren an Bord zur Erzeugung von eigenem Gas oder die Erzeugung von Spirulina Algen, um Vitamine und Mineralstoffe an Bord in großer Menge herstellen zu können. Auch Insektenkulturen oder Pilzkulturen werden auf ihre Möglichkeiten erforscht.Die Herstellung von Biodiesel für den Schiffsmotor durch Bratfette, eine Pflanzenkläranlage oder...wie stelle ich aus Plastikabfällen mittels der Plastikpyrolyse selbst meinen Diesel her. Eine besonders interessante Erfindung zur Umwandlung der riesigen Plastikmengen in unseren Meeren!Das Buch ist mit Softcover, sehr schön bebildert und es macht Lust und Freude, es zu lesen.FAZITDer Autor lehnt sich an die gegenwärtige Friday for Future Welle an, aber eigentlich beschreibt das Buch seine Reisen mit dem Kat und sein ganz eigenes Labor. In allen Ländern, die er besucht, beschreibt er Menschen und ihre Erfindungen, bzw. Verbesserungen, von einfachster Technik. In Marokko ist es die Entsalzungstechnik, in Brasilien die Wiederverwendung von Plastikflaschen. Corentin bastelt, tüftelt und gibt damit wichtige Impulse für weitere Entwicklungen.Man begleitet den Autor von Land zu Land, erlebt seine Höhenflüge und Tiefschläge ( 50 kn auf dem Südatlantik) und in jedem Landeskapitel gibt es genaue Pläne, um jede der vorgestellten Techniken nachbauen zu können. Nicht alles ist absolut serienreif oder wirklich erprobt, aber seine Anregungen sind teils verblüffend einfach, teils noch nicht ganz vergoren, wie z. B. die Fermentierungsanlage an Bord.Ein Buch für Segler, für ihre Freiheit, für ihr Budget, aber auch für den Planeten, den wir so lieben... !.