Begräbnis der Aufklärung?: Zur Umcodierung von Demokratie und Freiheit im Zeitalter der digitalen Nicht-Nachhaltigkeit (Wiener Vorlesungen, Band 195)
Demokratie EAN 9783711730152

Begräbnis der Aufklärung?: Zur Umcodierung von Demokratie und Freiheit im Zeitalter der digitalen Nicht-Nachhaltigkeit (Wiener Vorlesungen, Band 195)

Hersteller: Picus Verlag Gmbh  ·  MPN: 1139225
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Produktbeschreibung

Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot erkennt die veränderten globalen anthropologischen Umstände - Klimakatastrophe und Digitalisierung - und konstatiert ein Spannungsfeld zwischen Aufklärung und (Klima-)Apokalypse. Die (individuelle) Freiheit, die die Menschen in Anbetracht der notwendigen Regulierungen glauben fordern zu müssen, ist überholt. Es braucht, so Guérot, eine anspruchsvolle Art von Freiheit, eine, die ein Ziel hat, nämlich ein würdevolles Leben für die gesamte Menschheit, selbst wenn dies mit Einschränkungen für den Einzelnen verbunden ist.

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Redaktion 13.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Die Beschreibung ist intellektuell anspruchsvoll, aber die tatsächliche Produktbeschreibung ist sehr vage und lässt wenig Raum für konkrete Details. Man könnte es als eine interessante, aber unvollständige Auseinandersetzung mit den Themen sehen.
Redaktion 13.07.2026 testmonster.de · Redaktion
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Hodler 27.03.2024 amazon.de
Eine der am meisten prägnanten Einschätzungen der deutschen Demokratie des letzten Jahres. Flüssig zu lesen dank hervorragender Rhetorik und klarer Sprache, ohne Pathos - eine Meisterleistung.
Walter 27.03.2024 amazon.de
Die Festigkeit demokratischer Staatswesen beruht auf dem vernunftgeleiteten Handeln seiner Bürger und einer Orientierung an dem für sie selbst schützenden guten Gemeinwohlzustand. Freiheit, Gleichheit (gleiche Rechte und Pflichten), Menschlichkeit, Vernunft sind die wichtigsten Errungenschaften aus der Epoche der Aufklärung, – welche aus Untertanen ebenbürtige Bürger machte. Dabei waren die Unerschütterlichkeit des menschlichen Geistes sowie seine Fortschrittsfähigkeit zu einem Glauben herangewachsen, der den vorangehenden (christlichen) auf die hinteren Plätze verweisen sollte. Das Schicksal des einzelnen war nicht länger einem Herren ausgesetzt; selbstbestimmt, verantwortlich, souverän und frei von aller Obrigkeit sollte man sein Dasein leben dürfen; das Wissen sollte zum Maßstab allgemeinen Handelns werden, und nicht länger die Glaubenssätze bzw. die damit verbundene Leichtgläubigkeit. – Die Befähigung des Menschen zur Vernunft ist jedoch etwas, was nicht von vorne herein in der Natur des Menschen liegt, sondern eine solche Begabung kann erst durch Wissen und Verhalten zu einer inne liegenden Ausstattung werden. (Das ist der entscheidende Baufehler der Aufklärung; weil man dachte, die Vernunft wäre der Natur des Menschen schon mit anheim gegeben.) Vernunft ist also eine Sache der Tüchtigkeit und der Selbstkultivierung, so auch der Maßhaltung. Bürger kann man somit nur sein, wenn man sich einer Bürgergesellschaft zugehörig weiß, einem Gemeinwesen gegenüber verantwortlich fühlt, und entsprechend rücksichtsvoll, umgänglich und würdevoll handelt. Ein Individuum ist somit noch lange kein Bürger, wenn es nur den eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Anliegen nachgeht oder sich anderen gegenüber zu falschen Überlegenheitsvorstellungen hinreißen lässt, – sich in Eitelkeit, Anmaßung oder Bevormundung verfehlt. Wird individuelle Freiheit so verstanden, als bedürfe es keiner allgemein verbindlichen Regeln mehr, sondern nur solche, welchen man zustimmen könne, – oder gar keine mehr, so gefährdet ein solch falsch verstandenes Freiheitsverständnis die Freiheit aller anderen. (Libertarismus ≠ Liberalismus.) Man kann hier auch zwischen individueller und sozialer Freiheit unterscheiden; zumal beide aber letztlich zu ihrem Fortbestand allgemeinverbindliche(!) Prinzipien und Regeln brauchen. So gesehen ist die Freiheit ein Paradox. Man erhält sie, indem man sich selbst in die Pflicht nimmt.Ulrike Guérot schreibt eine sehr kurz geraffte Abhandlung über die Aufklärung und ihre (historischen wie auch derzeitig medial geprägten) Gegenkräfte. Sie sieht die Aufklärung, die demokratische Idee selbstverantwortlicher und mündiger Bürger gefährdet, weil diese sich nicht länger wie souveräne (Herr ihrer selbst seiende) Bürger, sondern vielmehr wie hörige (bzw. ungehörige) Konsumenten verhielten, die sich zunehmend nur noch in ihrer „vermeintlichen Einzigartigkeit“ produziert und in ihren individuellen Ansprüchen entgrenzt sehen möchten. Eine Generation Selbstliebe. Eine narzisstische Ich-Kultur mit beschränktem Verständnis für das Soziale. Nur selbstbeherrschte (affektfreie und tugendhafte) Daseinszustände aber erhalten die Austauschfähigkeit mit anderen, und verhindern zersetzende Tendenzen des Gemeinwesens (den Kampf jeder gegen jeden), – die Atomisierung von Individuen und Gruppen. Das war auch schon den Aufklärern von 1789 klar, dass die repräsentative Demokratie keine plebiszitäre sein darf, dass die überzogenen Partikularinteressen, Einzelbegierden und Bedrohlichkeiten nicht in die politischen Entscheidungen Einfluss haben dürfen, sondern letztlich der Repräsentant selbstverantwortlich, sachgerecht und nach seinem besten Wissen und Gewissen entscheiden muss. Die überzogene Eigenwohlorientierung – und da hat die Autorin zu 100% Recht – steht jedem gesunden Gedanken an ein Gemeinwohl entgegen. Versteht sich der Bürger bspw. in erster Linie als Konsument, so muss auch die Politik nur liefern, was er gerne möchte; darob er noch lange nicht verstanden hat, dass Politik die Interessenwahrnehmung aller berücksichtigen muss. Mit dem intrigierenden Karrieristen, dem sich aufspielenden Rechthaber, dem falsch informierten Rebellen, dem Selbstinszenierer mit Profilierungszwang aber ohne Wissensgehalt, dem gefühlsamputierten Nutzenmaximierer zum Schaden anderer, befindet man sich grundsätzlich in schlechter bzw. in gar keiner Gesellschaft. – Es scheint tatsächlich so: die marktgetriebene libertäre (nicht liberale) Demokratie entmündigt die Handelnden dadurch, dass das Eigeninteresse (unter Auslassung verbindlicher Vernunftgrundsätze für sich selbst) zum Maß aller Dinge wird. Die Konsumenten sind dann von der Rolle, wenn haltloses Konsumieren und mangelnde Selbstbegrenzung handlungsleitend werden; die Regierenden sind von der Rolle, wenn parteipolitischer Erfolg dem Bürgerwohl oder dem Wohle nachfolgender Generationen voran gestellt wird; die Wirtschaft ist von der Rolle, wenn Lebendes zerstört und immer mehr Unnützes zu Markte getragen wird; oder man sich in wirtschaftlich angespannten Zeiten noch als Krisengewinnler sehen möchte, indem man Preisabsprachen zu Lasten der Allgemeinheit trifft. Es wird auf wundersame Weise keine Moral herauskommen, wenn sich alle amoralisch verhalten. Um die Freiheit zu bewahren braucht es daher den „Verzicht als Notwendigkeit, und als Primärtugend“. – Sonst werden die Lebensgrundlagen sukzessive zerstört, die Handlungsspielräume kleiner, unfrei und zwanghaft, die Apokalypse unumkehrbar. Das derzeitige Malheur: „Die repräsentative Demokratie verschleiert die konsumistische Apokalypse und demontiert sich dadurch selbst.“ … Wo es doch so einfach wäre, das SUV zu verbieten, die Plastiktüte nicht herzustellen, das Wasserstoff-Auto voranzutreiben; würde man nur das Wissen heranziehen, was man schon hat. – Wertfrei sind somit weder Wissenschaft, Wirtschaft, Staatsräson oder Bürgerverhalten; alle sind wir handelnde Mitwirkende mit Auswirkungen zum Guten oder Bösen; Akteure zur Erodierung oder Festigung eines Geistes an höheren Gesetzen. (Demonstriere ich gegen das Wetter, oder die Natur eines Virus, so höhle ich das Demonstrationsrecht aus. Fühle ich mich zu nichts mehr verpflichtet, so höhle ich Recht und Gesetz im Allgemeinen aus.) – Das Selbstläufertum an Routinen und Mechanismen, die Gedankenlosigkeit der einzelnen, der einseitig geprägte Meinungskonformismus gerade sozialer Medien (mit ihren Filterblasen und Bestätigungsfallen), die Überforderung mit rasant anwachsender aber ungeprüfter Information, die heilsversprechende technologische Fortschrittsgläubigkeit, die entgrenzten Selbstoptimierungswünsche vieler sich scheuklappig verhaltender „Mitbürger“ gefährden Zusammenleben und Wohlstand. Die überzogenen Forderungen und Freiheitsvorstellungen einzelner Bürger werden zur Last (und vielmals auch zur Belästigung) der anderen; zersetzen das gemeinschaftliche Werteklima und die liberale Demokratie. (Aufgrund des Wunsches einzelner nach einem Leben ohne Selbstbegrenzung in der Jetzt-Zeit, und ohne Zukunft.)Die Vernunft unterscheidet sich vom Verstand, weil sie erhabenere Grundsätze und Endzwecke einzubeziehen vermag. Der Verstand ohne die Führung des Herzens geht somit fehl; die Vernunft braucht Erfahrenes, Erlebtes, Ausgetauschtes, Empathisches, Schickliches, Sinn gebendes. Verstand ohne echten Lebensbezug und sinnliche Leitung kann daher fatalistisch, grausam und blind sein. In seinen stereotypen Routinen und formal taktierenden Logiken verliert der Verstand zumeist das große Ganze aus den Augen, den Sinn für Wesentliches, Entscheidendes, Bedeutsames: Weltbezug, kreative Theoriegebung; das Vorstellungsvermögen, etwas neu, anders und besser anzugehen. So macht der Verstand vielmals nur, was er sich strategisch auszurechnen vermag; auch wenn die Vorgabe dazu schon ein fehlgeleitetes Denken offenbart. Ein „mechanistischer Rechner“ ohne selbstkritische Prüfung der eigenen Motive. Ähnlich einem Algorithmus, der Daten und Fakten sammelt und „weiß“, aber keine lebendige (erfahrene) Wissensdurchdringung mehr leistet. – „Was, wenn die Arbeit am Menschen und an der Menschlichkeit die einzige Chance ist, der selbstläuferischen Apokalypse, der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen, zu entkommen?“, schreibt die Autorin Ulrike Guérot. Wenn es gilt, die Geleise festgefahrenen Verhaltens, eigennütziger Motive und eingedrillter Handlungsmuster zu verlassen. – Dabei möchte sie die Meditation (die Schulung zu einem bewussteren, tieferen Fühlen und Denken) zu einem Schulfach machen. (Was ich sofort unterschreiben würde!) Damit man aufmerksamer und achtsamer werde, und auch klarer und mit Abstand auf sich selbst und andere sehen möge! Damit wieder lebendige Vorstellungskraft und eigenständiges Gedankengut sich einnisten können; ungewöhnliche Ideen zur Geburt gebracht werden dürfen. … Die Werte der Aufklärung „Liberté, Egalité, Fraternité“ sind ein Verbund an Werten, wo nicht die Freiheit absolut gesetzt ist, – und schon gar nicht die Freiheit, wider besseres Wissen handeln zu dürfen. Sonst müsste man auch nicht zur Schule gehen, wenn eine widerspenstige Gesellschaft sich nicht durch Wissen verbessern ließe :)Einzig mit Rousseaus Allgemeinwille (der immer zum Guten streben soll, weil die Vernunft sich in ihm schon verfestigt zeigte) kann ich mich nicht wirklich anfreunden. Denn Vernunft ohne genügend Gelegenheit zur Selbstprüfung oder ohne gesunden Austausch mit anderen kann es nicht geben. (Und daher der eine Stern Abzug in der inhaltlichen Bewertung des Buches.) Dazu bräuchte es tatsächlich den Bürger aus einer anderen Epoche: den nachsinnierenden Bildungsbürger; mit einem gesunden Übermaß an zu viel Zeit. (Allein der Wissenszuwachs in fachlichen Bereichen reicht zum Schutze der Demokratie nicht aus; sie ist vor allem durch die übergeordnete Allgemeinbildung in ihrer Stabilität und Festigkeit verankert.) – Vielleicht zum Schluss ein von mir herangezogenes Zitat von Tocqueville, das den Kern des Buches trifft: „Nur auf das Reichwerden, den individuellen Eigennutz, bedacht, bemerken sie nicht mehr das enge Band, welches das Wohlergehen jedes Einzelnen von ihnen mit dem Gedeihen aller verknüpft. Man braucht solchen Bürgern die Rechte, die sie besitzen, nicht zu entreißen; sie lassen sie selber gern fahren.“ Ein „Bedeutungszuwachs“ an Dingen, ohne das Selbst und die damit verbundene eigene Identität zum Wachsen zu bringen. Marktbürger (Bourgeois), aber nicht: Staatsbürger (Citoyen).Fazit: Das Buch ist ein sehr schöner Gedankenausflug und in seiner Kürze sehr fundiert und unterhaltsam. Von meiner Seite daher ein klarer Kauftipp.
storyaddict 27.03.2024 amazon.de
Wortgewaltig und rechtschaffen kritisch zeigt Guerót die Gefahren einer an Bequemlichkeit erkrankten Gesellschaft auf, die sich, zunehmend aus Konsumenten bestehend, nicht nur von politischer Teilhabe, sondern bereits von der Nutzung der für sie notwendigen Denkwerkzeuge verabschiedet hat.Diskutiert wird das, in Gueróts Augen überlebte Konzept der Demokratie. Das Plädoyer für freiwillige Selbstbeschränkung wechselt sich in diesem Werk ab mit der von der Autorin postulierten Notwendigkeit der staatlichen Regulierung in Form von Verboten zB. schädlicher Ernährungs- und Verhaltensweisen.Durchaus lesenswert, jedoch unbedingt zu hinterfragen! Allzuschnell kommt Guerót hier von einem " Brauche ich nicht zu meinem Glück." hin zu einem " Ist also kein Eingriff in die persönliche Freiheit der Menschen."
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