Der Winter unseres Missvergnügens: Roman. Übersetzt von Bernhard Robben, mit einem Nachwort von Ingo Schulze (Manesse Bibliothek, Band 11)
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Gegenwartsliteratur EAN 9783717524328

Der Winter unseres Missvergnügens: Roman. Übersetzt von Bernhard Robben, mit einem Nachwort von Ingo Schulze (Manesse Bibliothek, Band 11)

Hersteller: Manesse  ·  MPN: 1074491
4,5/5 (4 Bewertungen)
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Zuletzt aktualisiert: 12.05.2026 19:39 Uhr
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Produktfakten auf einen Blick

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Manesse
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9783717524328
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Gegenwartsliteratur
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Produktbeschreibung

Roman

Bewertungen & Erfahrungen

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4 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 4 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 11.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Der Roman ist inhaltlich interessant, aber die Darstellung der technischen Aspekte ist etwas vage. Insgesamt war es eine mittelmäßige Lektüre, die man mit etwas Geduld genießen kann.
Redaktion 11.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Klassiker!
ricysreadingcorner (ricysreadingcorner.de) 27.03.2024 amazon.de
Nachdem mir “Of Mice and Men” letztes Jahr bereits so gut gefallen hat, habe ich mir vorgenommen, weitere Werke von John Steinbeck zu lesen.Da sein eher weniger bekannter letzter Roman Der Winter unseres Missvergnügens neu, in einer schönen Ausgabe der Manesse-Bibliothek erschienen ist, habe ich dies als Anlass genommen, mich endlich einem weiteren Werk des Literaturnobelpreisträgers zu widmen.Worum geht’s?Ethan Hawley, stammt aus einer alten reichen Familie, die schon seit Generationen auf Long Island lebt und es zu viel Geld gebracht hat. Als Kind und Jugendlicher musste er sich somit nie viele Gedanken um finanzielle Themen machen: das alte Geld war da und neues floss durch die Walfängerei stetig nach. Doch nach der Pleite seines Vaters muss Ethan nun als Erwachsener auf eigenen Beinen stehen und bringt seine Familie eher schlecht als recht als angestellter Verkäufer in seinem damals eigenen Lebensmittelladen, der nun einem italienischen Einwanderer gehört, über die Runden. Während Ethan sich immer noch an das alte Ansehen seiner Familie klammert, scheinen seine Frau und Kinder zunehmend unzufrieden mit dem einfachen Lebensstil zu sein.Ein Provisionsangebot eines Händlers hinter dem Rücken seines Chefs, der Vorschlag eines Bankiers, mit dem bescheidenen Erbe seiner Frau zu spekulieren und weitere moralisch immer verwerflichere Angebote und Ideen, fügen sich zusammen und keimen in Ethan. Es machen doch alle so, oder? Als dann eine vermeintliche Wahrsagerin seiner Frau prophezeit, dass ihr Mann zu viel Geld gelangen wird, bringt dies Ethans steinerne Moralvorstellungen ins Wanken und seine Veränderung ins Rollen.Meine MeinungSteinbeck hat mich erneut nicht enttäuscht. Sein letzter Roman ist eine Kritik an Amerikas immer weiter ausuferndem skrupellosen Kapitalismus.Dieses kritische und ernste Thema ist auf literarisch komplexe Weise in eine unterhaltsame Geschichte verpackt, die die Veränderungen eines Familienvaters und die Beteiligung seines Umfeldes dargestellt. “Geld ist nicht freundlich. Geld will keine Freunde, will nur mehr Geld.” Der Winter unseres Missvergnügens, John Steinbeck (S. 52)Ethan Hawley ist zu Beginn des Romans ein ehrbarer, freundlicher und beliebter, wenn auch armer Bürger und Familienvater. Ehrlichkeit, Bildung und Zusammenhalt sind Werte, die er in seinem Leben und vor allem in seiner Familie hochhält. Zwar in Reichtum aufgewachsen, hat er sich doch mittlerweile mit seiner verarmten Situation abgefunden.Doch dann nimmt der Druck von außen immer mehr zu, von allen Seiten wird ihm klar gemacht, dass er es zu mehr bringen könnte. Gleichzeitig wird er belächelt für seine eisernen Moralvorstellungen. Als ihm dann auch noch seine Frau und seine Kinder deutlich machen, dass sie gerne mehr hätten, wieder mehr Ansehen in der Kleinstadt New Baytown genießen möchten, bringt das sein Weltbild ins Wanken. Denn Ansehen ist in diesen Zeiten nicht mehr nur durch eine ruhmreiche Familiengeschichte zu erlangen oder zu halten. Nein, im Kapitalismus heißt Ansehen einfach nur Geld! Je mehr, desto besser.Der Roman zeigt am Beispiel des Protagonisten einen Werteverlust zugunsten des Kapitalismus und welche Bedeutung dies für den Einzelnen hat.Ist ein gutes Leben gleichzusetzen mit einem Leben in finanziellem Reichtum? Gibt es so etwas wie genug Geld? Ist es in Ordnung, einmal etwas Schlechtes zu tun, um danach weiterhin ein gutes Leben zu führen? Und ist das möglich, wenn man einmal eine bestimmte Grenze überschritten hat?Das sind einige Fragen, die dieser Roman aufwirft und mit denen sich der interessante Protagonist so einige schlaflose Nächte beschert.Innerhalb kürzester Zeit wird Ethan Hawley von einem ehrlichen und mitfühlenden Menschen zu einem Egoisten, der nur nach seinem eigenen finanziellem Vorteil strebt. Und das nur, weil ihm eine Möglichkeit offenbart wird und ein gewisser Druck von außen dazukommt. Zunächst handelt er nur in der festen Absicht, mit der Hilfe anderer Personen im Ort seinen Kindern ein besseres Leben und eine ordentliche Bildung zu ermöglichen, doch schon bald erkennt er, dass er alleine deutlich mehr haben könnte.Das klingt nun zunächst so, als sei Ethan Hawley ein abscheulicher Protagonist, doch dem ist nicht so. Er hasst sich für das, was er tut. Was er glaubt, tun zu müssen für ein besseres Leben. Und genau das ist der Trugschluss, dem meiner Meinung nach viele in unserer vom Kapitalismus geprägten Welt aufgesessen sind und den Steinbeck hier kritisiert.Es ist nicht gut, seine Werte für einen anderen Wert (in diesem Fall finanziellen Reichtum) herzugeben. Denn abgesehen von der Frage, ob Geld überhaupt glücklich machen kann, ist es umso unwahrscheinlicher, dass es glücklich machen kann, wenn man seine Werte dafür geopfert hat. Wenn man dafür zu einem anderen Menschen werden musste, mit dem man eigentlich nicht leben kann. Aber die Welt ist halt, wie sie ist und es macht ja jeder so…Dieser Irrtum fängt ja schon bei viel weniger drastischen Wertverlusten an: jemand, der für mehr Geld bis zum Umfallen in einem Job arbeitet, der ihn nicht ausfüllt, der dafür Zeit mit Familien und Freunden und sogar seine Gesundheit opfert, wird durch das Geld nicht unbedingt glücklicher werden. “Geht ein Licht aus, ist die Dunkelheit vollkommen, weit dunkler, als wenn es nie gebrannt hätte. Die Welt ist voller dunkler Wracks.” Der Winter unseres Missvergnügens, John Steinbeck (S. 559)Im Falle unseres Protagonisten ist dies noch einmal auf die Spitze getrieben, da er nicht nur persönliche Werte opfert sondern geradezu skrupellos Menschen gegenüber handelt, die ihm wohlgesonnen sind und auch vor kriminellen Machenschften nicht zurückschreckt. Er wird also damit Leben müssen. Und dann bleibt noch die Frage: gibt es einen Weg zurück, wenn man einmal eine gewisse Grenze überschritten hat? Wenn man sich sowieso schon damit abgefunden hat, mit diesen Schuldgefühlen leben zu müssen, ist die Hemmschwelle, weitere Schuld auf sich zu laden, nicht immer kleiner? Ethan erkennt erst spät, das Ausmaß und die Bedeutung seiner Veränderung, was jedoch zu einem starken Ende führt…FazitDie Kapitalismuskritik und den moralischen Verfall, die man an dieser Stelle noch viel weiter ausführen könnte, verpackt Steinbeck in dieser leicht und flüssig lesbaren und dennoch literarisch aufwendigen Geschichte um einen Familienvater im Amerika der beginnenden 1960er Jahre, die einem jedoch dieMöglichkeit lässt, sie stets auch in einem aktuellen Kontext zu betrachten.Das interessante Nachwort von Ingo Schulze, das sich mit den zahlreichen literarischen Referenzen, den Inspirationen Steinbecks und dem zeitlichen Hintergrund beschäftigt, runden diese wunderbare kleine Ausgabe ab.Absolute Leseempfehlung!
Volker M. 27.03.2024 amazon.de
Ethan Hawley gehört zu den "alten" Familien in New Baytown, einer fiktiven Kleinstadt vor den Toren New Yorks, aber das einstige Vermögen ist verloren und Ethan arbeitet seit gefühlten Ewigkeiten als Verkäufer in dem Laden, der ihm einmal gehört hat. Er ist ohne Groll über sein Schicksal, kann seine Familie ernähren und versieht die Arbeit mit Freude und Humor. Doch dann wirft ihn die Prophezeiung einer Freundin buchstäblich aus der Bahn: Die Karten sagen, dass Ethan in Kürze wieder reich werden wird und das leitet in dem ehrlichen, rechtschaffenden Mann einen Prozess ein, der zunehmend an Eigendynamik gewinnt. Nach außen hin verändert sich scheinbar nichts, Ethan bleibt der witzige, geistreiche Plauderer, der sich nichts zuschulden kommen lässt, aber im Hintergrund reift ein raffinierter Plan, der sämtliche Honoratioren der Stadt ausspielen und Ethan an die Spitze der Nahrungskette bringen soll.John Steinbeck setzt in seinem letzten Roman den Fokus einmal nicht auf das Leben der Arbeiterschaft, sondern ist im aufstrebenden Mittelstand angekommen. Er stellt die Frage, ob unmoralisches Verhalten zum Zweck sozialen Aufstiegs gerechtfertigt ist, wenn man sich anschließend wieder moralisch verhält. Kann eine böse Tat durch gute Taten kompensiert werden? Gibt es so etwas wie Sühne und welchen Preis bezahlt man dafür?Steinbeck nutzt eine im ersten Moment irritierende Erzähltechnik, denn zweimal ändert er abrupt die Perspektive, vom "allwissenden" auktorialen Erzähler zur Ich-Perspektive Ethans und wieder zurück. Glaubt der Leser anfangs noch, die Innensicht Ethans würde ihm den Plan offenbaren, nach dem dieser vorgeht, so wird die Hoffnung schnell enttäuscht. Ethan beschreibt zwar seine inneren Zweifel, aber entscheidende Teile der Handlung werden nur angedeutet und erst in der Rückschau aufgeklärt. Das erhält einerseits den Spannungsbogen, andererseits verursacht die Strategie phasenweise erzählerische Längen. Im letzten Drittel kulminiert die Handlung dann in einer fast schon griechischen Tragödie: An einem einzigen Tag entscheidet sich Ethans gesamtes Schicksal und sämtliche Fäden der Geschichte laufen zusammen. Mit einer guten Portion Glück geht Ethans Plan auf, ja die Wogen des Erfolgs erfassen sogar seine ganze Familie. Doch die Quittung folgt schon bald danach und bringt Ethans heile Welt zum Einsturz."Der Winter unseres Missvergnügens", neu und frisch übersetzt von Bernhard Robben, ist eine unverhohlene Kritik an einem rücksichtslosen Kapitalismus, der über Leichen geht und sich dabei noch das Mäntelchen der Rechtschaffenheit umhängt. Insofern passt der Roman perfekt in unsere Zeit, auch wenn er Anfang der Sechzigerjahre spielt. Damals wurden die Grundlagen gelegt für das Amerika (und die Welt) von heute, New Baytown ist nur die Metapher für das ganze Land. "So machen es doch alle!" meint Ethans Sohn Allen einmal und beschreibt damit das Symptom, das auch unsere Gesellschaft auseinanderreißt: Zu viele Menschen (und Staaten) halten sich nicht mehr an die Regeln, ohne für ihre Verfehlungen Strafe fürchten zu müssen, selbst wenn sie dabei erwischt werden. Man wäre doch dumm, wenn man sich als Einziger noch an die Regeln hält. So machen es doch alle...
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