Vor knapp hundert Jahren wurde der unsterbliche Kinderklassiker um den freundlichen kleinen Dokor Dolittle, der mit den Tieren sprechen kann, und den einige Kritiker sogar im Olymp der Literatur ansiedeln und zum geistigen Allgemeingut der Menschheit erklärt haben, erstveröffentlicht.Entstanden ist er aus illustrierten Briefen, die der Engländer Hugh Lofting von der Front in Flandern während des Ersten Weltkrieges an seine Kinder geschrieben hat. Zum Glück sind auch die Zeichnungen des Autors erhalten geblieben und schmücken nach wie vor auch die meisten der zahlreichen Neuauflagen des Klassikers. Eigenartige, seltsam unproportionierte Zeichnungen sind das, von denen jedoch ein unwiderstehlicher Charme ausgeht und die die Phantasie anregen - und es bleibt zu hoffen, dass man sie nicht doch irgendwann durch modernere, vermeintlich eingängigere, der Geschichte jedoch kaum gerecht werdende Illustrationen ersetzen wird, denn dann würde, so ist zu befürchten, der Roman viel von seinem Zauber verlieren!Was macht besagten Zauber dieses Buches für Kinder und all diejenigen, die sich ihr inneres Kind bewahrt haben denn eigentlich aus? Nun, es ist eines von so vielen Büchern, in denen Tiere, sprechende Tiere, die Protagonisten sind. Aber es ist doch anders. Eine ganze Welt von Güte liegt in der Geschichte, Güte, die von dem kleinen Doktor aus Puddleby-on-the-Marsh ausgeht, dessen Herz für Tiere so groß ist, dass er nicht nur deren Sprache lernt, sondern bald auch umsattelt und vom Menschen- zum Tierdoktor wird, notgedrungen, denn da er jedes Tier, das seiner Hilfe bedarf oder sich auch einfach nur unter seinem Schutz in seinem kleinen Haus niederlassen möchte, aufnimmt, vergrault das seine menschlichen Patienten. Als Tierarzt hat er zwar mit seinen unkonventionellen Behandlungsmethoden beträchtlichen Erfolg, doch als er ein Krokodil bei sich einziehen lässt, bleiben langsam die Damen mit ihren Schoßhunden weg und unser guter Doktor befindet sich bald in einer finanziellen Bredouille, die ihn allerdings keineswegs aus der Fassung bringt. Geld ist für ihn nämlich lediglich eine ungute Erfindung...So behelfen er und seine Menagerie sich also mehr schlecht als recht, bis eines Tages ein Hilferuf aus Afrika kommt! Unter den Affen herrscht eine schlimme Seuche und man bittet den Doktor, dessen Ruf sich unter den Tieren auf der Erde längst herumgesprochen hat, doch zu kommen und zu helfen.Also machen sich Doktor Dolittle und seine Tiere Polynesia, der Papagei, Jip, der Hund, Gub-Gub, das Schwein, Dab-Dab, die Ente, Too-Too, die Eule und Chee-Chee, der Affe, auf die Reise nach Afrika!Nach allerlei Zwischenfällen kommen sie bei den Affen an und es gelingt dem freundlichen, höflichen und angenehm unaufgeregten englischen Doktor, die Krankheit mit Erfolg zu bekämpfen.Und dann? Ja klar, der Doktor reist zurück nach England, wohin sonst? Natürlich verläuft auch die Rückreise auf dem von einem Matrosen in der Heimat geliehenen Schiff nicht ohne Probleme, doch mit Hilfe von allerlei Tieren, denen sie unterwegs begegnen - von den Schwalben über die Adler, den Tümmlern bis hin zu den Haifischen, und die allesamt über den Doktor aus England, der die Sprache der Tiere spricht und alle Krankheiten heilen kann, Bescheid wissen, erreicht der kleine Mann sein Ziel. So einem wie ihm zu helfen ist Ehrensache!Und so gelangt der wundersame Doktor am Ende wieder nach Puddleby-on-the-Marsh und kann seine Menagerie sogar noch durch das scheue Pushmi-Pullyu ( in der deutschen Version "Stoßmichziehdich" ), ein gar seltsames und seltenes, inzwischen ausgestorbenes Tier, das je einen Kopf am vorderen und am hinteren Ende aufweist, bereichern! Und in Afrika sitzen zusammen mit den anderen Tieren auch die zurückgelassene Polynesia mitsamt dem Krokodil und dem Affen Chee-Chee und hoffen auf eine Wiederkehr des gütigen kleinen Mannes, der in jeder Lebenslage seine gelassene Höflichkeit bewahrt und der die Welt allein durch seine Anwesenheit heller und freundlicher macht...Vielfach besprochen worden ist das liebenswerte Werk des stillen Briten Hugh Lofting, der 1947 in seiner zweiten Heimat, den Vereinigten Staaten, verstorben ist und seine letzte Ruhestätte in Connecticut gefunden hat, seit seinem Erscheinen - doch herausragend ist die Rezension eines ebenso bekannten Zeitgenossen, die 1925 in der Vossischen Zeitung erschienen ist. Kurt Tucholsky alias Peter Panter nämlich, der die Geschichte des Kinderbuches als - von wenigen Ausnahmen abgesehen - "eine Geschichte der Enttäuschung und der Kindereien" ansieht, ist voll des Lobes für "Doktor Dolittle und seine Tiere", das er als "gutes Kinderbuch" bezeichnet und der Hugh Lofting bescheinigt, dass er Herz hat und ein Dichter sei. Er trifft den Nagel auf den Kopf, und dieser unübertrefflichen Kritik eines ganz Großen ist nichts mehr hinzuzufügen!
Rund 13 Bücher schrieb Hugh Lofting in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts über Doktor Dolittle, den Arzt, der mit Tieren sprechen kann. ("Rund" deshalb weil die Geschichten in unterschiedlichen Zusammenstellungen und so in unterschiedlichen Zählweisen erschienen.)Dieses ist das erste Buch - ein Klassiker, der hier in einer unglaublich günstigen und überraschend schönen Ausgabe vorgelegt wird.Diese Ausgabe des Anaconda-Verlags enthält nicht nur alle Zeichnungen des Autors (womit man angesichts des neugestalteten Covers gar nicht gerechnet hätte), sondern folgt auch der Übersetzung des "Williams"-Verlags von 1930, die behutsam überarbeitet und der heutigen Rechtschreibung angepasst wurde. (Als Übersetzer genannt ist E.L. Schiffer.)Da nicht wenige die Figur des Dr. Dolittle nur durch die erfolgreichen Filme von Eddie Murphy kennen, sei angemerkt, dass diese Filme wenig mit Hugh Loftings Originalstoff zu tun haben.Der "echte" Dr. Dolittle lebt in Groß Britannien in dem kleinen Ort "Puddleby auf der Marsch". Zu der Zeit, als Königin Victoria noch eine junge Frau war. Und er ist nicht nur ein großer Freund der Tiere - sondern spricht auch ihre Sprachen.Aufgrund seines guten Herzens wird der Doktor zwar ständig von Geldsorgen geplagt, was ihn aber nicht davon abhält, mit seinen Tieren einem Hilferuf zu folgen und nach Afrika zu reisen, um den dortigen Tieren zu helfen.Ein sehr gelungenes Kinderbuch, das auch Erwachsenen mit Herz ein Wiedersehen mit Figuren wie der Ente Dab-Dab, dem Ferkel Göb-Göb, der Eule Tuh-Tuh, dem Papagei Polynesia, dem Affen Tschi-Tschi und dem Hund Jip beschert. Und natürlich mit dem unvergesslichen Stoßmich-Ziehdich.Ein günstiges, schön aufgemachtes Hardcover-Buch.Während übrigens die Musical-Verfilmung in den 1960er-Jahren mit Rex Harrison ("My Fair Lady" ) so floppte, dass die Filmfirma fast in Konkurs ging, die erfolgreichen Murphy-Filme aber kaum etwas mit den Büchern zu tun haben, gibt es seit kurzem eine gelungene Filmversion (auch auf DVD) mit Robert Downey jr. ("Iron Man", "Sherlock Holmes" ), die zumindest zeitgerecht als Fantasyfilm den Geist hinter der Vorlage hervorragend und liebevoll transportiert: "Die fantastische Reise des Dr. Dolittle".