Österreich 1904. Lotte Seidl kommt aus den Bergen. Ihr Vater ist an einer Lungenentzündung gestorben und sie hat keine Verwandten, die sich um sie kümmern können. Die Wirtin eines Gasthofs gibt Lotte den Rat, nach Wien zu fahren, um sich dort bei der Geschäftsfrau Mizzi Kauba nach einer Stellung als Verkäuferin zu erkundigen. Lotte hat nichts als diese eine Adresse, einen Koffer mit ein paar Habseligkeiten und etwas Geld. Die Ratschläge der Fahrgäste in der Bahn sind mehr als nur deprimierend und die größte Hilfe am Bahnhof bekommt sie von einem Waisenjungen, der noch viel weniger besitzt als sie. Doch Lotte kennt sich mit Bergsport aus, kann selber Skilaufen, was kaum jemand in der damaligen Zeit beherrscht. Und die Geschäftsfrau Mizzi Kauba will ihr Geschäft auf diesen Sport spezialisieren.Der Kontrast zwischen Arm und Reich könnte kaum größer sein. Ich musste an Charles Dickens denken, als ich las, dass die erwachsene Tochter einer Familie die einzige Einkommensquelle war. Die Familien der Reichen werden wie Dynastien regiert. Die Eltern verkuppeln die Kinder mit anderen Gelddynastien. Doch manche Kinder begehren dagegen auf. So auch in diesem Buch.Was dieses Buch aus anderen heraushebt sind zum einen die kurzen Sätze besonders an Anfang des Buches, die die Aufregung während der Bahnfahrt und das Chaos bei der Ankunft in der großen Stadt Wien widerspiegeln.Vor allem sind es jedoch die Dialoge, die die Personen miteinander führen. Mir hat besonders der Dialog in Kapitel 15 gefallen. Es geht und das Thema, wie und warum man Frauen mit Hosen fürs Skifahren kleiden sollte.„Haben Sie schon mal versucht, mit Röcken einen Berg zu besteigen? Wenn es regnet oder schneit, wird der Stoff völlig durchnässt“, sagte Lotte. „Die Röcke wiegen dann bis zu achtzig Kilo.“„Achtzig Kilo“, rief Florentine Personne entsetzt. „Kein Wunder, dass ich so wenige Frauen kenne, die sich in die Berge wagen.“Dieser Dialog ereignete sich natürlich im Hotel Sacher bei einem leckeren Menü und einer Flasche vom Grünen Veltliner. Der Nachtisch mit der Sachertorte machte bei mir allerdings nicht so einen großen Eindruck, wie die Topfengolatschen in der Kontitorei Demel in Kapitel 9. Nach der zweiten Topfengolatsche für Lotte hätte ich auch gerne eine gegessen. Und ich verstand nicht, warum Jakob Sonnstein, der Lotte eingeladen hatte, nur an seinem Kaffee herumprobierte. Auch Lotte beschwerte sich:„Bitte tun Sie mir einen Gefallen“, bat sie ernst. „Fangen Sie an, Ihre Schnitte zu essen, sonst komme ich mir neben Ihnen wie ein gefräßiges Monster vor.“Für mich als Leser war das eine wirklich köstliche Episode, die ich wie das gesamte Buch wärmstens weiterempfehlen kann.WenigerLöschenÄndern0 Kommentare
Der Roman handelt vorwiegend in Wien, hat aber auch andere Schauplätze in Österreich, wie z. B. in Mürzzuschlag oder Lilienfeld. Eine junge Frau vom Land, Lotte, deren Vater verstorben ist, ist auf dem Weg nach Wien in der Hoffnung in einem Wiener Geschäft, bei Mizzi Kauba eine Anstellung als Verkäuferin zu finden, der Name wurde ihr genannt, die Geschäftsfrau ist eine begeisterte Bergsportlerin und fährt Ski, wie Lotte auch und das ist Lottes Hoffnung.Ein wenig unglaubwürdig, ein wenig zu einfach, das habe ich zuerst gedacht und musste mich anfänglich etwas durchkämpfen, weil mir alles etwas zu unrealistisch war, aber dann nimmt die Geschichte Fahrt auf, wird interessant und spannend. Ich wusste gar nicht, dass schon so früh Ski gefahren wurde, anders wie heute natürlich und Schwünge zu machen ist wohl noch eine Errungenschaft, Frauen auf Skiern und dann noch in Hosen, ein Skandal und dann gibt es in Wien ein Geschäft, wo man diese unaussprechliche Mode noch kaufen kann....Mizzi Kauba die Geschäftsfrau mit Gespür was die Zukunft in Sachen Bergsport bringen wird, gab es wirklich, das Haus in der Kaiserstrasse steht noch heute. Im Roman ist zwar Lotte die Protagonistin, aber die eigentliche Heldin für mich ist Mizzi Kaupa. Lotte lernt bald einen jungen Mann kennen, zwischen den beiden funkt es auch sofort, aber Welten trennen die beiden, er ein junger Arzt, ein Jude und verlobt, sie eine kleine Verkäuferin ohne Eltern und gerade erst nach Wien gekommen, wie das weiter geht, steht im Roman, was aus den Anfängen des Skiports wurde, ist bekannt, aber damals Anfang des 20. Jahrhundert hat alles begonnen.Vom Roman gibt es eine Fortsetzung, diese erscheint noch heuer im Dezember.Die österreichische Autorin schreibt nicht nur historische Romane sondern auch Krimis.Lottes Traum ist gut geschrieben und hat auch mein Wissen über den Beginn des Skisport vervollständigt, vor allem hat mich der Roman gut unterhalten, auch wurden die Lebensumstände der ärmeren Bevölkerung Wiens zu dieser Zeit sehr gut beschrieben. Wem das Thema interessiert, der sollte diesen Roman lesen!!