Erikson nimmt in seinem neuen Buch die Fäden aus KINDER DES SCHATTENS und GEZEITEN DER NACHT wieder auf und führt den Leser zurück in das Königreich Lether, kurz nach dem Fall der alten Herrschaft und der Erhebung des neuen Imperators. Nach aussen hin herrscht er, der GOLDENE und unsterbliche Rhulad Sengar, doch die Wahrheit sieht, wie immer, anderes aus. Denn der Herrscher, verfallen im Wahn und Netz des verkrüppelten Gottes ist nicht viel mehr als eine Marionette und auch die weltliche und politische Macht wird von Anderen bestritten.Die Edur mögen die Herrscher sein, aber geherrscht wird nach wie vor von den Letherii. Ein korrupter Kanzler gebietet über die Politik, eine allmächtige letherische Geheimpolizei sorgt für Schrecken und ein geheimer Wirtschaftsbund der mächtigsten Familien wirkt im Hintergrund. Sie alle haben ein Ziel, die alte Ordnung wieder herzustellen. Auch die Tiste Edur sind sich uneins über die Ziele, die sie verfolgen und sie erliegen nicht selten, gebunden an Ehre und Tradition, den Schlichen und Tücken der Letherii.Der Imperator selbst lässt derweil aus aller Welt Kämpfer kommen, die sich mit ihm und seiner Unsterblichkeit messen lassen wollen und schon alsbald ruft das Mächte nach Lether, die nichts fürchten und fast nichts zu fürchten haben. Einer von ihnen ist Icarium, der Weltenverschlinger und als er den Boden des Landes betritt, da bebt im wahrsten Sinne des Wortes die Erde, denn sie erinnert sich...Erikson bestreitet wieder gewohnt routiniert mit zahlreichen Erzählsträngen die Geschichte und führt sie fort. Man merkt, dass dieser "erste" Teil eine Art Vorgeschichte ist, denn Macht aller Art wird, wie an einem unsichtbaren Band, förmlich nach Lether gezogen. Aufgestiegene, alte und neue Götter und riesige Armeen, die wohl teilweise noch im Verborgenen agieren, sammeln sich und eine Konvergenz dieser Kräfte scheint unaufhaltbar.Mit besonderem Interesse folgte ich der Geschichte von Rotmaske, des Kriegsführers der Arl. Denn ihm zur Seite stehen, die ausgestorben geglaubten K`Chain Che`Malle, die mit ihren steinernen Festungen vor Jahrtausenden den Himmel beherrschten.Die interessanten Ereignisse und Geschichten lassen sich mühelos fortsetzen, aber mehr sei hier nicht verraten. Doch, eines noch, Bagg und Tehol sorgen nach wie vor für die Lacher und unterhaltsame Auflockerung innerhalb der Story, auch wenn man nun um die Person des Bagg weiß...Erikson ist mit DER GOLDENE HERRSCHER, wieder einmal, ein fulminanter Roman gelungen, der mit ungeheurem Detailreichtum und einer mythischen Vielschichtigkeit besticht und zu dem es, auf dem Fantasy Markt, zurzeit auch nichts Vergleichbares gibt. Ja, meine subjektive Meinung.Unbedingt lesen und vor allem, wenn nicht schon getan, mit dem ersten Teil der Reihe, DIE GÄRTEN DES MONDES, beginnen.
Ich habe hunderte von Fantasiebüchern und Reihen gelesen und Erikson liegt bei mir im vorderen Drittel. Nachdem ich mich durch die ersten 100 Seiten des ersten Bandes gequält hatte enfaltete die Geschichte ihren Suchtcharakter. Erikson schafft es eine Geschichte zu weben, die aus mehreren Schauplätzen und unzähligen Personen besteht. Meiner Meinung nach nichts für Anfänger von Fantasiebüchern, sondern eher für Fortgeschrittene. Wir haben es bei Erikson nicht im Elfen, Zwergen oder Trollen zu tun, sondern mit Menschen in allen Facetten und ihren (lebendigen) Göttern. Nicht unbedingt klassische Fantasie, aber nicht minder faszinierend.Aber auch bei Erikson entsteht ein immer wieder auftretendes Problem bei längeren Reihen, nämlich das die Handlung sich irgendwann so sehr verzweigt das es schwierig ist manchen Dingen zu folgen.