"Als wir Adler wurden" ist eine Geschichte, die ihre Wirkung erst langsam, nach und nach entfaltet, dann aber trifft und gefangen nimmt, beschäftigt, nachdenklich macht."Als wir Adler wurden" stammt aus der Feder von Uticha Marmon und wurde von Wolfram Koch einfühlsam für den Argon Verlag ungekürzt eingelesen. Empfohlen wird das Hörbuch, das als Buch bei Fischer Sauerländer erschienen ist, ab 9 Jahren. Doch da ist sicherlich die Begleitung durch einen Erwachsenen zu empfehlen, um die Hintergründe zu verstehen und die Bedeutung der wichtigen Geschichte einordnen zu können.Der 11jährige Jannik lebt mit seinen Freunden in der Milchstraße. Loni wohnt gleich nebenan, sie könnte quasi seine Schwester sein. Zusammen spielen sie ganze Tage lang Rollenspiele. Auch die Erwachsenen haben ein herzliches Verhältnis untereinander, man trifft sich, man hilft sich, jeder kennt jeden. Doch nach und nach kann Jannik eine Veränderung in der Stimmung untereinander beobachten, die schleichend einsetzt. Sein älterer Bruder Bo hat ein neues Spiel vorgegeben, das nach bestimmten Regeln abläuft. Zum Beispiel tragen alle die gleiche Kleidung, die Adler, wie sie sich jetzt nennen, haben einen gemeinsamen Treffpunkt, ein Erkennungszeichen... Plötzlich wird Loni als anders wahrgenommen. Denn ihre Mutter stammt aus Kenia. Die Leute verlieren ihre Arbeit in der Druckerei. Schnell wird eine Schuldige ausgemacht, Lonis Mutter...Als Hörer und Leser wird man, zunächst ganz ungläubig, Zeuge, wie sich die Gemeinschaft entzweit, langsam und stetig verbreiten sich Angst und Missgunst. Wer anders ist wird ausgegrenzt. Aus Freunden werden Feinde.Ein zweiter Erzählstrang deckt die schwere Schuld auf, die ein alter Nachbar auf sich geladen hat. Parallelen zur Zeit der Nazi-Diktatur und der Hitlerjugend werden deutlich. Sie verweisen gleichzeitig auf die Gegenwart, in der ähnliche gesellschaftliche Entwicklungen beobachtet werden können und machen somit umso mehr darauf aufmerksam, wie zerbrechlich eine Gesellschaft und ihre Strukturen sein kann. Und was passiert, wenn wir einfach nur zuschauen.Darin liegt die Kraft der Geschichte von Uticha Marmon. Sie macht deutlich, wie sich Risse in ein Bild einschleichen und es langsam aber stetig zerstören können. Sie rüttelt wach und mahnt. Unrecht darf nicht einfach hingenommen werden, niemand darf einfach wegschauen, wenn Menschen wegen ihres Andersseins ausgegrenzt werden.Wolfram Koch, bekannter Theater- und Fernsehschauspieler liest ruhig und bedacht. Er trifft genau den richtigen Ton der Geschichte, wird nie laut und lenkt nicht durch virtuose Stimmkünste ab, sondern fesselt den Hörer mit dem Sog, den die Geschichte ausübt. Es war sehr spannend zu beobachten. Denn zunächst waren mein Sohn und ich nicht gleich begeistert von der Geschichte. Lange Zeit war nicht klar, wohin die Reise geht, worauf wir hinsteuern, da gab es Längen. Doch ab einem bestimmten Punkt merkte ich bei mir, dass mich die Geschichte still gepackt hat und konnte das Gleiche bei meinem Sohn beobachten, der mit mir fassungslos in den Abgrund der Gesellschaft schaute und bedrückt ob des Endes der Geschichte war. Denn eines sei vorweggenommen, die Geschichte lässt den Hörer/ Leser nachdenklich, fast schon schockiert zurück. Denn "Als wir Adler wurden" zeigt, wie zerbrechlich unser Frieden sein kann.Deshalb ist es ein wichtiges Buch /Hörbuch, das Beachtung verdient und unbedingt gehört /gelesen werden sollte. Denn gegen das Unrecht muss man seine Stimme erheben.