Manche Kombinationen rocken einfach. Mark Millar und John Romita jr. beispielsweise (= „Kick-Ass“). Oder Mark Millar und Wolverine (= „Old Man Logan“). Dann müsste die Paarung Millar + Romita + Wolverine doch eigentlich abgehen wie ein Zäpfchen, oder? Überraschung – das tut sie auch. „Staatsfeind“, das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen, ist ein „Vulgar Display of Power“, eine mächtige Abrissbirne, die in die Top 10 der besten Logan-Stories gehört – möglicherweise gelingt es ihr sogar, sich hinter „Weapon X“ und dem „Old Man“ aufs Treppchen zu schummeln.Millar und Romita übernahmen „Wolverine“ im Dezember 2004 von Greg Rucka („Gotham Central“) und Darick Robertson („Transmetropolitan“) und betreuten die Serie für die folgenden 13 (bzw. 12) Ausgaben, die sie (mit Ausnahme des letzten Heftes) ganz der „Enemy of the State“-Storyline widmeten. Der eigenen Nummerierung zu Folge handelt es sich dabei eigentlich um zwei aufeinanderfolgende Sechsteiler, tatsächlich hat man es hier aber mit einem einzigen, langen und bruchlosen Handlungsbogen zu tun – der allerdings gehörig aufs Gas drückt.Die Geschichte beginnt damit, dass Logan in Japan in einen Hinterhalt gelockt, gefangen genommen und einer Gehirnwäsche unterzogen wird. Der Mutant Gorgon (den Miller hier erfand und der seitdem immer mal wieder im „Marvel“-Universum sein Unwesen treibt) instrumentalisiert ihn als lebende Waffe um „S.H.I.E.L.D.“ zu infiltrieren sowie andere Superhelden zu töten. Dahinter steckt freilich ein noch finsterer Plan, der so bizarr ausfällt, dass ihn weder Nick Fury noch Professor X hätten vorhersehen können…Hat man die Prämisse, dass Wolverine der gefährlichste Mann des „Marvel“-Universums ist (Thor oder Hulk, irgendwer?) einmal akzeptiert (sowie die unsinnige Annahme, dass „S.H.I.E.L.D.“-Agenten wirklich als Verstärkung und nicht nur als Kanonenfutter dienen würden) ist Millars restliches Skript nahezu makellos. Es gibt keine falschen Töne, kein halbgares Rumgewitzel, dafür aber einen beinahe durchgehenden Adrenalinschub. Es ist eine Geschichte von Fehlleitung und der Vergeltung die auf sie folgt, hart und gnadenlos. Mit anderen Worten: Die Essenz von Wolverine.Romita entfesselt dazu ein Action-Inferno, das in dieser Hinsicht seine wohl beste Arbeit darstellt. Dazu hat er großzügig von Frank Millers Wolverine/Ronin/Dark Knight returns-DNA genascht, was zu einer brutal-abstrakten Wucht führt, die „Staatsfeind“ visuell auf ein ganz neues Niveau hebt. Das Ergebnis sieht sogar wesentlich mehr nach Frank Miller aus, als dessen tatsächliche Zusammenarbeit mit Romita aus dem Jahr 1993 („Daredevil: The Man without Fear“).Abgerundet wird das Ganze von „Wolverine #32“ (Zeichnungen: Kaare Andrews) einem während des zweiten Weltkriegs spielenden One-Shots, der Logan als Insassen eines Konzentrationslagers figuriert. Ergänzt wird dies um ein sehr lesenswertes Nachwort, in dem Millar erzählt, wie ihm Comic-Legende Will Eisner (siehe unten) einst nach einer Convention im Hotel half, die Geschichte in die richtige Form zu bringen. Alles „Must-Haves“, völlig unbestreitbar.WEITERLESEN: Das kleine Will Eisner-EinmaleinsWill Eisner: THE SPIRIT (1940): Ohne Superkräfte und technische Spielereien ist Schnüffler Denny Colt (seit seinem vermeintlichen Tod nur noch als „der Spirit“ bekannt), der vielleicht bodenständigste maskierte Verbrecherjäger überhaupt. Bereits die ursprünglichen „Golden Age“-Folgen erreichten Klassiker-Status, zu wirklich großer Form lief die Serie auch nach ihrer Wiederaufnahme in den 1960er Jahren erneut auf: Eisners visuelle Meisterschaft war voll erblüht und sein Blick richtete sich nunmehr auf die vermeintlichen Schurken, die sich bei genauerer Betrachtung als tragische Schicksale und gequälte Seelen herausstellten.Will Eisner: EIN VERTRAG MIT GOTT (1978): Der Ansatz, Geschichten aus dem wahren Leben als Comic zu erzählen, war Ende der 1970er (trotz einiger Ausnahmen) noch eine Pioniertat. Eisner kombinierte drei Erzählungen, die im selben Mietshaus spielen, so dass diese einen damals unerhörten Umfang von knapp 200 Seiten erreichten. Auch begrifflich grenzte er sich von der Konkurrenz ab und titulierte sein Werk als „Graphic Novel“ – eine Bezeichnung, die gut 20 Jahre später noch Schule machen sollte, bei Eisner aber eigentlich den elaborierten Seitenaufbau bezeichnete, der ohne eine klare Trennung der Einzelbilder auskam.Will Eisner: ZUM HERZEN DES STURMS (1991): In seinem Spätwerk begann Eisner, sich verstärkt mit der eigenen Lebensgeschichte und einer damit einhergehenden Thematisierung seiner jüdischen Identität auseinanderzusetzen. Erzählt wird von seinen Anfängen in der Industrie, vom Eintritt in den zweiten Weltkrieg und von einer Rückkehr in ein Amerika, in dem Antisemitismus selbst evident geworden war. Das gewichtige, in seiner Ernsthaftigkeit beeindruckende Werk war damals noch ein rechter Solitär, der heute freilich wie eine Blaupause für die nachfolgenden Generationen wirkt.
Wolverine zu entführen ist schon schier undenkbar. Ihn dann auch noch umzupolen und als Agent gegen Mutanten und Shield einzusetzen ist quasi unmöglich!Aber jemandem ist es gelungen. Und das macht Wolverine zum „Staatsfeind“!Story:Ein Allianz aus Hydra (49.000 Mann), der Hand (ca. 1800 Anhänger) und einem Mutanten Kult namens „Dämmerung des weissen Lichts“ (ca. 600) macht sich daran mit der ungewollten Hilfe von Wolverine und noch weiteren 70 gehirngewaschenen Schurken die Welt zu erobern. Anfangen mit den guten Alten USA. Was insoweit Sinn macht, als dort die grösste Dichte an Helden vorhanden ist.Doch ein Plan B hat diese Allianz wohl nicht und so müssen sich knapp 52.000 Menschen warm anziehen, wenn Logan zu seiner Vendetta aufbricht.Es geht also richtig zur Sache. Der perfide Plan der im Laufe der Story immermehr an Licht kommt hat etwas von nem klassischen James Bond Abenteuer und genauso liest es sich. Wie bei einem guten Bond üblich, eröffnet sich das eigentliche Ziel des Oberschurken erst am Schluss.Dazu gibt es noch ne Bonus Story die es ebenfalls in sich hat.Was ich mochte:Wow, bin da ganz unbedarft und ohne Vorwissen rangegangen und es hat mich umgehauen. Spannender Handlungsbogen, überraschende Wendungen und Action von Anfang bis Ende. Mehr kann ich von nem Wolverine Solo Abenteuer nicht erwarten. Trotzdem gibt man mir die FF, X-Men und andere noch on Top. Richtig gut.Was mir nicht gefiel:Die Zeichnungen waren nicht immer meins, zu ausdruckslose Gesichter und alles ein bisschen zu glatt. Da war ich bisher von John Romita Jr. besseres gewohnt.Fazit:Wieder ein hervorragend ausgesuchter Titel für die Must Have Reihe, der mich ohne große Schwächen hervorragend unterhalten hat. Bedenkenlose Kaufempfehlung
In Japan wird ein Kind entführt. Doch es ist nicht das Kind eines Millionärs, das tatsächlich Ziel gewesen sein soll, sondern es gab allen Anschein nach eine Personenverwechslung und stattdessen hat man den Sohn des Chauffeurs entführt. Der Arbeitgeber zeigt sich untröstlich, aber es ist ja nicht das eigene Kind. Die Polizei hilft auch nicht. Sehr spät bittet das gebeutelte Elternpaar, dessen Mann der Cousin von Logans Verlobter war, Wolverine um Hilfe.Der gerät bei der fingierten Übergabe jedoch in einen Hinterhalt von Hydra. Das Verbrechersyndikat hat eine Liste erstellt, auf der einige der größten Helden stehen. Diese will man umbringen und quasi als Zombie wiedererwecken nachdem man sie für ihre Zwecke umgepolt hat. Und das Schlimme ist, dass Hydra sich mit der Hand und dem Mutantenkult Dämmerung des weißen Lichts verbündet hat.Leider klappt das auch bei Logan. Kurz nachdem der aufgegriffen wird, richtet er unter S.H.I.E.L.D.-Agenten ein Gemetzel an und begibt sich dann zum Baxter Building...Der Band enthält zwei lange Storylines, die aber miteinander zusammenhängen. Wir lernen echt fiese untote Typen wie Gorgon oder die gruselige Elsbeth von Strucker kennen und wie Wolverine durch eine gute Absicht wieder voll in die *** greift. So wird er hier (eigentlich von beiden Seiten) als Waffe missbraucht. Bis er die Schnauze voll hat...Überraschung ist für mich Elektra, die ich bis dahin nur vom Hörensagen kannte. Grandios gezeichnet mit einer ordentlichen Portion Gewalt. Das letzte Heft empfand ich allerdings trotz Millars Erklärung für geschmacklos. Die Storyline dahinter ist mir klar, aber jemand, für den es kein Problem ist, zigtausende in dem Band abzumurksen hätte auch mit einigen Wachmannschaften kein Problem gehabt. Stattdessen spielt Logan seine Spielchen. Wenn man natürlich der Geschichte nicht widersprechen will, hätte man die Geschichte, die letztlich nichts Neues beitragen kann, eigentlich auch lassen können. Jedenfalls trübt das letzte Kapitel den zunächst durchweg guten Inhalt des Bandes etwas.