Heutzutage ist Bergsteigen ein Massensport. Doch das war nicht immer so. Malte Roeper nimmt den Leser in seinem Band "Eine kleine Geschichte des Bergsteigens. Von der Erstbesteigung des Mont Blanc zum Free Solo am El Capitan" (2021) mit auf eine Zeitreise durch den Alpinismus. Für Roeper ist Bergsteigen der "erste Outdoorsport im modernen Verständnis überhaupt" (S. 7). Die "Auseinandersetzung mit der Natur" stelle dabei die "Grundlage aller Spielformen des Alpinismus" (S. 100) dar. Bergsteigen sei "eine eigentlich dekadente und zugleich romantische, lebensbejahende Antwort auf die Lebensumstände einer Industriegesellschaft, die all das zwar erst ermöglicht, die aber auch vollkommen außer Kontrolle geraten ist" (S. 8). Bergsteigen sei also "niemals eine separate Welt für sich" gewesen, "sondern immer unmittelbarer Ausdruck der jeweiligen Verhältnisse und Strömungen innerhalb der Gesellschaften". Insofern könne man in der Geschichte des Bergsteigens "auch Teil einer aufregenden Geistesgeschichte jener Länder mit alpiner Tradition" sehen. Roeper sieht das Ziel seines Buches darin, diesen Aspekt des Bergsteigens aufzuzeigen und "dabei mit kritischer Distanz zu einzelnen Personen und Aspekten das Bergsteigen zu preisen" (S. 10).Malte Roeper eilt quasi im Sauseschritt durch die Geschichte des Alpinismus. Sein Ziel erreicht er trotzdem, wenngleich - wie er selbst betont - der Band "keine vollständige" Historie des Bergsteigens enthalte (S. 65). In manchmal recht flapsigem Ton lässt er die die sich wandelnden Kletterstile und sozial- sowie kulturgeschichtlichen Hintergründe des Bergsteigens kompetent Revue passieren. So erkennt er z. B. in der Arbeitslosigkeit einen "Turbo für den Bergsport" (S. 127). Auch die unterschiedlichen Motive der Bergsteiger nimmt er unter die Lupe. Er wirft zudem einen Blick auf die Rolle der Frauen im Alpinismus (vgl. S. 11ff.). Für diese biete das Bergsteigen eine "Freiheit", die sie "in keiner konventionellen Sportart dieser Welt" finden würden (S. 12), konstatiert der Verfasser. Interessant ist zudem, was Roeper über die Instrumentalisierung des Bergsteigens durch den Nationalsozialismus zu berichten weiß (vgl. S. 54ff.). Und auch seine Würdigung des "berühmteste(n) Klettermaxe des Planeten" und "legendär egomane(n)" Reinhold Messner (vgl. S. 89 u. 96f.) wird mancher Leser teilen. Genauso Roepers distanzierte Haltung gegenüber einem allzu technikorientierten Bergsteigen und der Leistungssteigerung durch pharmazeutische Substanzen (vgl. z. B. S. 74). Leider enthält der Band keine Kurzbiographien der herausragenden Größen des Alpinismus. Darüber hinaus ist das Literaturverzeichnis arg kurz geraten."Wir brauchen die Berge, mehr denn je. Während wir früher für uns allein darauf aufpassen mussten, vom Berg heil wieder herunterzukommen, lautet die gemeinsame Aufgabe nun, dass die Berge unser aller Ansturm heil überstehen" (S. 172), lautet Malte Roepers während der Corona-Pandemie formuliertes Schlussplädoyer. Ganz so schlimm ist es dann doch nicht gekommen. Wer sich auf die Schnelle über die Geschichte des Alpinismus informieren will, ist mit Malte Roepers "Eine kleine Geschichte des Bergsteigens" gut bedient.