Seit dem 6. Jahrhundert gilt Schach als das Spiel der Könige. Im 20. Jahrhundert überragte ein genialer Spieler alle anderen: Bobby Fischer. In seiner sehr lesenswerten Biografie erzählt Frank Brady die Lebensgeschichte des am 08. März 1943 in den USA geborenen Ausnahmetalents. Bereits im Alter von dreizehn Jahren wurde er der Schachwelt durch die sogenannte "Partie des Jahrhunderts", Fischer vs. Byrne, bekannt. Im Zentrum des Buches steht freilich der legendenumrankte Wettkampf um den Titel des Schachweltmeisters im Jahre 1972 in Reykjavik, Island. Bobby Fischer traf auf den russischen Schachmeister Boris Spasski. Schach als Kriegsspiel: West traf auf Ost. Bobby Fischer gewann nach 21 aufreibenden Partien das Match. Nach seinem kometenhaften Aufstieg, der Autor berichtet auch darüber sehr ausführlich, folgte rasch der Absturz. Der Weltmeistertitel ging Bobby Fischer 1975 verlustig, als seine dreisten Bedingungen für ein Match gegen den Herausforderer Anatoli Karpow schlichtweg nicht mehr zu erfüllen waren. Der Einzige, der wusste, was Bobby Fischer tat, war am Ende Bobby Fischer selbst. Kein Mensch konnte ihn noch verstehen. Frank Brady erzählt in seiner fulminanten, gut lesbaren und glänzend recherchierten Biografie im Grunde auch eine traurige Geschichte. Denn eine glückliche Existenz führte das Schachgenie, das über einen IQ von 181 verfügte, nicht. Bobby Fischer konnte alles auf dem Spielbrett, aber nichts im Leben. Seine antisemitischen Hasstiraden waren ebenso abstoßend wie dumm, seine Äußerungen zu 9/11 ganz fürchterlich. Als Mensch war er arrogant, neurotisch und hochgradig misanthropisch. In späteren Jahren litt er zudem unter Paranoia und Verfolgungswahn. Am 17. Januar 2008 starb Bobby Fischer. An der Beerdigung der Schachlegende nahmen nur fünf Personen teil.