Wie der Klappentext bereits verrät, geht es um Cosima und ihre Freundinnen, die immer unterschätzt werden. London, 1899 - Cosima und ihre Freundinnen leben im Heim für beklagenswerte Mädchen und versuchen ihr tristes Heimleben mit Kuchendiebstählen aus der Küche ein wenig bunter zu gestalten, bis sie ein viel größerer Coup erwartet. Der berühmte Lord Fitzroy plant nicht nur eine Ausstellung seiner Raubgüter, er möchte der Heimleitung auch die Mädchen abkaufen und hat offenbar fiese Pläne für sie. Cosima und ihre Freundinnen setzen alles daran um ihre Freiheit zu sichern..Bereits optisch empfinde ich dieses Buch als absolutes Highlight, was einfach dazu einlädt, gelesen zu werden.Mit dem Sprung ins London von 1899 begeben wir uns direkt auf eine spannende Zeitreise, die aufgrund der detaillierten Beschreibung des gesamten Settings bestens gelingt. Man fühlt sich von Anfang an komplett in die Vergangenheit zurück versetzt. Im Heim für beklagenswerte Mädchen lernen wir Kinder kennen, die körperlich oder geistig nicht der Norm entsprechen und deswegen dort leben. Zu Beginn wird kurz erwähnt, welche Qualen die Mädchen unter der Heimleitung erdulden müssen, sei es das Ausreißen der Haare oder angezündete Streichhölzer unter der Fußsohle, was mir direkt einen Schauer über den Rücken gejagt hat. Trotz ihrer Beeinträchtigungen und der fiesen Heimleitung lassen sich Cosima und ihre Freundinnen jedoch nicht von Abenteuern abhalten, um ihr tristes Leben im Heim etwas bunter zu gestalten. Dabei betont Cosima immer wieder, dass sie bloß eine Behinderung hat und nicht beeinträchtigt ist und dass sie und ihre Freundinnen aufgrund dessen immer wieder zu unrecht unterschätzt werden. Der Entdeckerdrang und die Neugier der Mädchen stehen immer wieder im Vordergrund und zeigen dabei, dass diese in der Zeit, in der das Buch spielt, alles andere als selbstverständlich für Mädchen waren. Das wird, wie ich finde, besonders toll bei folgendem Zitat deutlich: ""...dass sich mit genug Zielstrebigkeit und Tatendrang alles erreichen lässt." Zudem ist Cosima davon überzeugt, dass sie und ihre Freundinnen trotz ihrer Gebrechen nicht geheilt werden müssen, sondern eben so sind, wie sie sind. Dem ist sich Cosima bestens bewusst, denn sie weiß, "unmöglich" gibt es nicht, es gibt nur Herausforderungen, denen sie sich stellen kann. Und das tut sie mit absolutem Herzblut und weiß am Ende, dass sich all ihre Bemühungen gelohnt haben, weil sie sich im neu aufgestellten Heim wie in einer richtigen Familie fühlt.Ich empfinde das Buch als rundum gelungen. Die Geschichte, die durch wirklich ansprechende, schlichte Illustrationen begleitet wird, reißt einen einfach in ihren Bann und man kann stets mit Cosima und ihren Freundinnen mitfühlen. Als Leser wird man so nicht nur in die Vergangenheit versetzt und an den Kolonialismus herangeführt, man erfährt auch, was Freundschaft und Beharrlichkeit ausmachen und wird am Ende mit einem tollen, herzerwärmenden Ende belohnt..Ich kann dieses Buch definitiv jedem empfehlen, der bereit ist eine kleine Zeitreise zu wagen und sich mit Mädchen, die es in der damaligen Zeit alles andere als leicht hatten, in ein spannendes Abenteuer zu stürzen.
Solange sie sich erinnern kann, lebt Cosima im „Heim für beklagenswerte Mädchen“. Im Gegensatz zu ihren Freundinnen hat sie jedoch keine Familie, die sie besuchen kommt. Das Leben ist hart, das Gebäude hat sie seit Jahren nicht verlassen. Zufällig belauscht sie, dass der berühmte Lord Fitzroy alle Mädchen ‚adoptieren‘ will. Er bietet den Betreibern des Heims dafür Schuldenerlass. Cosima will das verhindern, indem sie mit ihren Freundinnen einen wertvollen Diamanten aus einer von Fitzroy veranstalteten Ausstellung stehlen will.Laura Noakes siedelt ihr Kinder-/Jugend-Abenteuer im viktorianischen London des Jahrs 1899 in einem Heim für (körperlich) behinderte Mädchen an. Ob es zu dieser Zeit wirklich üblich war, teilweise eher leicht behinderte Kinder zwangsweise in derartigen Einrichtungen unterzubringen, kann ich nicht beurteilen. Zumindest machen die meisten der Charaktere den Eindruck, dass sie auch in einem privaten Haushalt leben könnten, zumal eine wirkliche Pflege in diesem Heim nicht stattfindet. Ansonsten werden in der interessant gestalteten Geschichte verschiedene gesellschaftliche Probleme des historischen Umfelds thematisiert. Einzelne Begriffe wirken auf mich subjektiv allerdings etwas zu modern für die Handlungszeit. Beispielsweise dürfte damals eher nicht von Behinderungen, sondern eher von Verkrüppelungen gesprochen worden sein. Die gelungene Geschichte beeinträchtigt das allerdings kaum. Aufgewertet wird das Buch von Illustrationen von Flavia Sorrentino.Die beiden Übersetzerinnen haben allerdings einen lustigen Lapsus eingebaut. An einer Stelle erfahren wir, was „die Ärztinnen und Ärzte“ zur Lage der Protagonistin geurteilt haben. Diese Form kann im englischen Original sprachbedingt natürlich nicht so gestanden haben. Hier wird das (sowieso unsinnige) Gentern in der Übersetzung nämlich vollkommen kurios. Wie viele weiblichen Ärzte dürfte es in der damaligen Zeit in ganz Großbritannien wohl gegeben habe?Die Autorin erzählt das Abenteuer der Mädchen durchgehend aus Cosimas Perspektive, sodass der Leser nie mehr als sie weiß.Fazit:Trotz einiger kleiner Schwächen im Detail macht dieses Abenteuer junger Mädchen insgesamt einen gelungenen und lesenswerten Eindruck.