Stephen Kings „The Stand“ ist schon als Buch eine echte Herausforderung. Zuerst in einer nicht sehr stark, aber doch deutlich gekürzten Version erschienen, mauserte es sich bald zum Lieblingsbuch vieler King-Fans (ich gehöre auch dazu). Irgendwann haben sich King und sein Verlag dann überlegt, dass man doch die ganze Geschichte, also einschließlich fast aller Teile, die in der ersten Version noch der Schere wegen des Mammutumfangs des Buches zum Opfer fielen, herausgeben könnte - David Nathan trägt sehr hübsch Kings Gründe in einem Vorwort zur eigentlichen Handlung vor.Und jetzt gibt es das Hörbuch zum Directors Cut: David Nathan erweist sich einmal mehr als begnadeter Vorleser von Stephen Kings Geschichten - er spricht, flüstert, zischelt und (gelegentlich) schreit sich durch die Handlung, dass es eine wahre Freude ist, ihm zuzuhören. Denkt man am Anfang vielleicht noch ganz kurz „Huch, Jack Sparrow“ (oder „Huch, Batman“), löst man sich als Hörer immer mehr von den Gesichtern, die man auf der Leinwand mit der Stimme verbindet und wird ganz in eine fantastische Geschichte um den Ausbruch einer Seuche, die fast die komplette Menschheit vernichtet und den anschließenden Kampf der wenigen Überlebenden, die zwischen den Vertretern des Guten und des Bösen hin- und hergerissen sind, hineingezogen.Fantastisch, aber leider nicht so ganz unrealistisch, insbesondere wenn man das Verhalten der Regierungsorgane in der Handlung sieht.Inwieweit das, was King da beschreibt, zumindest in der ersten Hälfte, tatsächlich passieren könnte, mag jeder für sich entscheiden, das ändert aber nichts daran, dass hier eine ungemein spannende Geschichte von einem begnadeten Erzähler präsentiert wird.Ungekürzt wurde die fast 1100 Seiten lange Erzählung auf 7 MP3-CDs gebracht, was eine Spielzeit von 3263 Minuten ergibt - ich hab es nicht mitgestoppt, aber Bastei Lübbe schreibt es so aufs Cover. Für den äußerst fairen Preis, den das Mammutwerk hier auf Amazon kostet, bekommt man also weit über 50 Stunden bester Unterhaltung; dass ein paar kleiner Längen in der Geschichte sind und die Figur des Nick im Laufe der Handlung ständig nicken muss („Nick nickte“) - geschenkt.Von mir also eine ganz klare Kaufempfehlung, allerdings verbunden mit dem kleinen Hinweis, dass King hier des Öfteren zu einer sehr drastischen und plastischen Sprache greift - Zartbesaitete könnten damit vielleicht ihre Schwierigkeit haben und Kinder unter 14 sollten sowieso nicht im Zimmer sein, wenn Papa oder Mama der Geschichte lauschen.