Zeit und Mensch: Facetten einer Kulturgeschichte
Philosophie EAN 9783796549472

Zeit und Mensch: Facetten einer Kulturgeschichte

Hersteller: Schwabe Verlag Basel  ·  MPN: 6893436
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Produktbeschreibung

Vom Beginn seiner Geschichte an befasst sich der Mensch mit dem Thema Zeit. Dabei ist diese Auseinandersetzung ein zunehmender Abstraktionsprozess, der die Zeit immer weiter von unserem Erleben entfernt. Udo Marquardt zeichnet diesen Prozess hin zu einem «absoluten», von allem Erleben losgelösten Zeitbegriff nach. Diese Entwicklung ist kein Zufall: Der abgekoppelte Zeitbegriff wird benötigt, um unsere moderne Form von Gesellschaft zu organisieren - vom weltweiten Warentransport über das Internet bis zum Navi im Auto. Dieser abstrakten und entfremdeten Zeit setzt der Autor einen existentiell-le

Bewertungen & Erfahrungen

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Fuchs Werner T. Dr 08.04.2024 amazon.de
Der Untertitel positioniert Marquardts Buch als Kulturgeschichte. Daher weckte es auch mein Interesse. Allerdings fragte ich mich schon während der Einleitung, welche Leserinnen und Leser der Autor beim Schreiben vor seinen Augen hatte. Sind es Studierende der Philosophie, denen er auf gut zweihundert Seiten die wichtigsten Denker vorstellt, die sich intensiv mit dem Wesen der Zeit beschäftigten? Sind es interessierte Laien, denen Marquardt am Thema Zeit illustrieren wollte, wie Philosophen versuchen, aktuelle Gegenwartsfragen mit Antworten der Vergangenheit zu beantworten? Dachte er an Leserinnen seines Blogs, an Hörer der Rundfunksendungen, die er seit fast 30 Jahren schreibt? Oder ist sein Buch ein einziger großer Umweg, um die Botschaft „Möglichst viele Menschen sollten so leben können, dass sie ihr Leben als Geschenk erfahren können“ zu verbreiten?Weil ich je nach vorgestellter Facette und den gewählten Formulierungen verschiedene Zielgruppen vor mir sah, wollte ich mehr über den Autor wissen. Wenig überraschend ist er ebenfalls nicht so leicht einzuordnen. Auf seinem Blog „Theophil“ reicht die Spannbreite vom braven Konfirmanden im Kreuzgang bis zum wilden Gitarristen und Sänger einer Rock-Band. In meiner Wahrnehmung war Marquardt, nicht ganz klar, welche Musik er in seinem Buch spielen soll. Um bei dieser Metapher zu bleiben: Die Lektüre erinnert mich an gewisse Radiosendungen, die mit ihrem Stilmix ein großes Publikum erreichen, aber letztlich niemanden richtig glücklich machen.Zu Marquardts Hauptthesen gehört die Feststellung, dass sich die Zeit immer weiter von unserem Erleben entfernt. Das geschah jedoch nicht zufällig, sondern als Notwendigkeit zur Organisation unserer modernen Gesellschaft. Mit dieser These steht Marquardt natürlich auf den Schultern bekannter Philosophen, Soziologen, Psychologen und Ökonomen. Die Aufgabe einer Kulturgeschichte ist es ja auch nicht, Neuland zu beschreiten. Vielmehr muss sie Entwicklungen aufzeigen und verständlich machen. Und das gelingt dem Autor ziemlich gut. Nur hat er leider eine Facette nicht berücksichtigt, die seine Leserinnern und Leser wohl ebenfalls interessiert hätten. Udo Marquardt geht nämlich wie viele Philosophen kaum auf die Vorgänge im menschlichen Gehirn ein. Das ist deshalb bedauerlich, weil sich einige Neurowissenschaftler ebenfalls mit dem scheinbaren Abstraktum „Zeit“ beschäftigen.Mein Fazit: Ja, es sind lediglich Facetten einer Kulturgeschichte, die uns der Autor auf 220 Seiten präsentiert. Marquardts Hauptthese, dass der vom Erleben losgelöste Zeitbegriff für die Organisation der Moderne notwendig ist, wird in der akademischen Welt kaum auf Widerstand stoßen. Zumal sie ja nicht neu ist. Aber die Ausführungen Marquardts erleichtert es seinen Leserinnen und Lesern, diesen Prozess zur Abkoppelung besser verstehen zu können. Leider werden die Beiträge der Neurowissenschaftler nicht berücksichtigt.
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