BuchrezensionGuillaume Marinette: OfenkäseGenial einfache Käse-Ideen aus dem Backofen2019 ist die deutsche Übersetzung von Ofenkäse im Jan Thorbecke Verlag erschienen. Das quadratische Buch präsentiert auf 70 Seiten 34 verschiedene Rezeptvorschläge zum Thema Ofenkäse. Ohne Einleitung werden viele Vorschläge zu zwei verschiedenen Käsesorten gegeben, zu fünf anderen Käsesorten gibt es je nur ein Rezept. Jedes Gericht wird auf einer Doppelseite abgebildet und ist mit einem ansprechenden Foto und einem Zubereitungsteil versehen. Neben der Zutatenliste, der Vorbereitungs- und Backzeit wird auch die Personenanzahl angegeben; eine Angabe zu Kalorien wird nicht gemacht.Schon beim Titelfoto kann man erahnen, dass dieses Büchlein nicht nur leckere Ideen beinhaltet, sondern auch Wert auf die Präsentation des Essens legt.Im Inhaltsverzeichnis werden 14 Variationen mit Mont d’Or-Käse und 15 zu Camembert-Käse aufgelistet. Danach gibt es je ein Rezept mit Reblochon, Brie, Schmelzkäse, Raclettekäse und Weißschimmel-Weichkäse. Erstaunlicherweise wird kein Rezept mit dem in Deutschland verbreiteten Ofenkäse von Rougette u.ä. vorgestellt. Die Rezeptvorschläge kann man unterscheiden in zwei Möglichkeiten: Womit peppt man den Käse auf/Was tue ich in den Käse mit hinein oder was esse ich dazu/Was dippe ich in den Käse hinein. Manche Gerichte sind eher simpel und schnell gemacht, wie z.B. Mont d’Or mit getrockneten Tomaten und Haselnüssen bis hin zum aufwendig gerollten Würstchenkranz um den Käse herum.Da ich ein großer Liebhaber von warmem Käse bin, finde ich diese Abwechslung sehr gut gelungen. Je nach Lust und Laune kann man einfach und schnell oder aufwendiger und mit Augenschmaus den einfachen Käse genießen.Bei einem französischen Autor hätte ich mich über eine Weinempfehlung gefreut, wobei je nach Reifegrad des jeweiligen Käses auch verschiedene Weine zu empfehlen wären. Ich gehe davon aus, dass der Autor jeweils ein mittleres Alter des Käse empfiehlt. Hierzu gibt er aber leider keinen Hinweis, wobei ich die Anmerkung nach unterschiedlichem Geschmack je nach Reifegrad schon wichtig finde. Vielleicht ist das einem Franzosen bewusster. Ebenso könnte aufgrund der Herkunft des Autors zu erklären sein, warum er kein einziges Mal die in Deutschland verbreiteten Ofenkäse von Rougette u.ä. erwähnt. Dies hat mich am Anfang etwas verwundert, aber man kann diese fertigen Ofenkäse einfach auch benutzen und bekommt mit diesem Buch viele Anregungen zum Verfeinern. Somit fällt es leicht, den bekannten, fertigen Ofenkäse gegen erlesene, französische Sorten auszutauschen und zum Ofenkäsekenner zu werden.Mich hat das schöne Buch mit seinen tollen Fotos sehr angesprochen und neugierig gemacht. Mich freut es, dass der leckere Ofenkäse ein eigenes Buch bekommen hat, auch wenn nicht grundsätzlich Etwas neu erfunden wurde. Die Anregungen, die Präsentation und auch der Mut etwas neu zu kreieren gefallen mir gut.Meine Familie liebt Ofenkäse, wobei jeder ein eigenes Rezept als Favoriten hat. Meiner ist ganz schlicht der Mont d’Or mit Honig und Walnüssen, meine Kinder lieben Käsefondue mit Tacos und die Blätterteigblume mit zweierlei Schinken und mein Mann den Camembertkranz aus Pizzateig.
Ofenkäse! Offenbar bin ich mit falschen Erwartungen an dieses Buch herangegangen und habe mir eine Vielfalt an Rezepten mit verschiedenen Käsen aus dem Backofen erwartet. Tatsächlich meint der Autor mit „Ofenkäse“ in allen Rezepten einen Weißschimmel-Weichkäse in einer Holzschachtel, die fast immer auch so in den Ofen gestellt wird. Variabel ist das Drumherum. Es gibt 14 Rezepte mit Vacherin Mont d’Or, 15 mit Camembert, eines mit Reblochon, eines mit Brie und dann noch Käsefondue, Kochkäse-Dip und Galette-Strudel. Für diesen Strudel braucht man einen Saint-Felicien-Käse, also wieder ein Weißschimmel-Weichkäse. Wenn man diese Käsesorten erhitzt mag, dann findet man eine Menge Anregungen, wie man sie servieren und genießen kann: Mit Äpfeln und Armagnac, mit Haselnüssen und getrockneten Tomaten, mit Knoblauch und Weißwein, mit Honig, Walnüssen und Rosinen… Das ist jetzt nicht so spektakulär. Optisch der Knaller für einen Abend mit Familie oder mit Freunden könnten aber Würstchen im Schlafrock oder ein Chorizo-Brioche-Kranz, jeweils um die Spanschachtel mit dem Käse herum drapiert und zusammen im Ofen gebacken, sein. Die Idee dabei ist, dass alle um die Platte mit dem Käse und dem Gebäck herumsitzen, sich etwas vom Gebäck abzupfen und in den heißen Käse tauchen. Ist also wirklich nur für den Familienkreis oder eben gute Freunde geeignet. Diese aufwendigeren Rezepte sind auch für jeweils 6 oder 8 Personen vorgesehen.Der Text auf der Rückseite des Buches meint, dass Fondue und Raclette recht aufwändig seien, die Rezepte von G. Marinette aber nur 5 bis 10 Minuten Vorbereitung bräuchten. Das stimmt aber nicht. Die wenigsten Rezepte in diesem Buch benötigen bloß bis zu 10 Minuten. Und die Zeitangaben sind vermutlich nicht richtig. Dass die angegebenen Vorbereitungszeiten vom durchschnittlichen „Küchenmenschen“ eingehalten werden können, bezweifle ich nämlich sehr: Für die Blätterteigblume mit zweierlei Schinken (wieder um einen Mont d’Or arrangiert) zB werden 25 Minuten angegeben. In dieser Zeit sind drei Packungen Blätterteig auszurollen und daraus mit einer Tasse oder Ausstechform Kreise auszustechen, diese sind dann mit Schinken zu belegen. Jeder Kreis ist einmal vom Rand bis zur Mitte einzuschneiden, dann ist eine Ecke anzuheben und alles zu einer Art Rosenblüte zusammenzurollen. Die einzelnen Rollen sind dann um die Käseschachtel anzuordnen und mit Eigelb zu bestreichen. Auf dem Foto sind das 54 Röllchen! Sieht toll aus, schmeckt gut, aber es ist eine Menge Fummelei nötig, um das im Buch abgebildete Endergebnis zu erreichen. Immerhin sind für die meisten Rezepte Fertigteige zu verwenden, was die Arbeit erleichtert.„Ofenkäse“ ist also im Ergebnis ein Buch für Leute, die in der Küche gerne basteln und dann ein sehr einfaches, aber ungewöhnlich aussehendes Gericht zu Tisch bringen und mit ihren Gästen gemeinsam von einer Platte schmausen mögen. Aus deren Sicht gibt’s die 4 Sterne. Ich hätte es aber nicht gebraucht.