Mein erster Versuch, Pilze aus einer Fertigkultur zu ziehen, ist damals völlig schiefgegangen und da die Zuchtsets nicht ganz billig sind, habe ich es seitdem nie wiederholt. Ich wusste aber auch nicht, was die Ursache für das Versagen war, denn die beiliegende Zuchtanleitung war so knapp gehalten, dass so etwas wie „Problembeseitigung“ überhaupt kein Thema war. Ich hätte vielleicht vorher fachkundigen Rat einholen sollen, denn ganz so einfach ist die Sache dann doch nicht.„Pilze selbst anbauen“ ist von Autorinnen geschrieben, die jahrzehntelange Erfahrung mit unterschiedlichsten Pilzkulturen gesammelt haben und die fast 200 Seiten quellen geradezu über vor Informationen und Detailwissen. Es gibt eine Menge Gartenbücher, bei denen wird der dünne Inhalt mit hübschen Bildchen und redundanten Infos übertüncht, das ist hier nicht mal ansatzweise der Fall. Nach einer kurzen Einleitung zur Biologie der Pilze und Übersichtstabellen zu den im Buch vorgestellten Arten mit Querverweisen, geht es direkt ins Eingemachte. Es gibt prinzipiell drei Anzuchtverfahren, nach denen auch das Buch strukturiert ist: Anbau auf Stroh/Strohpellets (bekommt man im Zoofachhandel), Anbau auf Holz und Anbau auf Kompost (leider nicht der übliche Gartenkompost...). Einige Pilze lassen sich auf mehreren Substraten kultivieren, die meisten sind aber Spezialisten. Jedes Kapitel beginnt zunächst mit einer detaillierten Beschreibung des Kulturverfahrens, wobei besonderer Wert auf Fehlervermeidung gelegt wird, bzw. das rechtzeitige Erkennen von Pflegefehlern und wie man sie rückgängig macht. Dann folgen die ausführlichen Steckbriefe der einzelnen Arten, mit Fotos, morphologischen und kulinarischen Hinweisen. Es sind überraschend viele Spezies und nicht alle kulturfähigen Arten sind im Lebensmittelhandel verbreitet. Es gibt übrigens auch noch recht ausführliche Infos zum Erwerbsanbau, insbesondere zur Champignonzucht. Manche Pilze brauchen Bodenkontakt, andere nicht, einige wachsen nur in liegenden Stämmen, andere in stehenden. Auch Stammdurchmesser, Holzart und Holzfrische sind Faktoren, die man berücksichtigen muss. Da, wo es sich anbietet, gibt es jeweils Unterkapitel zum Anbau im Freiland und im Haus, auch da wieder mit speziellen Haltungstipps. Ich war sehr erstaunt, dass es bei nahezu jeder Pilzart irgendeine Besonderheit gibt, sei es bei der Anzucht, der Pflege oder der Ernte. Alleine daran erkennt man das unschätzbare Praxiswissen, das in diesem Buch steckt.Überraschenderweise kann man neue Pilzbrut nicht einfach dadurch gewinnen, indem man ein Stück infiziertes Holz oder Stroh auf neues Holz oder Stroh setzt. Das macht die Pilzzucht verhältnismäßig teuer, aber wer etwas Geschick hat, der bekommt im Buch sogar eine Anleitung, wie man mit Hausmitteln eine Art biologisches Labor einrichtet. Das ist nicht ganz so effektiv, wie die Profis das machen, aber definitiv einen Versuch wert.Am Schluss findet man noch einen Anhang mit Bezugsquellen und auch ein paar leckeren Rezepten.Anschaulich, praxistauglich, sehr umfassend.(Dieses Buch wurde mir vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auf meine Rezension wurde kein Einfluss genommen, der Inhalt stellt meine persönliche Meinung dar.)
Ich habe das Buch zu Weihnachten geschenkt bekommen und bin wirklich begeistert. Auf die Idee, selbst Pilze anzubauen, bin ich bisher nicht gekommen, obwohl ich gerne im Garten experimentiere. Ich wusste auch nicht, dass es fertig vorbereitete Pilzkulturen gibt, die man bestellen kann. Für Leute, die gerne kochen, so wie ich, eröffnen sich dadurch ganz neue Möglichkeiten. Ein bisschen informieren muss man sich allerdings schon, wenn man selbst Pilze züchten möchte. Aber dafür ist dieses Buch genau richtig, es liefert nicht nur viel Grundwissen, sondern auch praktische Tipps und detaillierte Bilder, wie es richtig geht. Ich werde mal mit einer Pilzsorte anfangen und mich dann weiter vortasten. Ein Supergeschenk für Leute, die gerne etwas selber ausprobieren und die gerne kochen und essen. Einen Garten braucht man übrigens nicht unbedingt!