Das immerhin 232 Seiten starke Buch „Englische Grammatik Gecheckt!“ aus der Reihe Königs Lernhilfen ist sicherlich zunächst einmal zweierlei: Eine gute Ergänzung zu dem in der Schule benutzten Übungsmaterial sowie eine Zusammenfassung der wichtigsten grammatikalischen Themen, die in der fünften Klasse des Gymnasiums und der Realschule behandelt werden. Man muß allerdings wissen, daß es sich an den Standards des achtjährigen Gymnasiums orientiert, wo doch beispielsweise auch schon in NRW wieder G9 auf den Weg gebracht wurde. Doch letztlich spielt das wohl nur eine geringe Rolle, denn das Buch ist nicht so konzipiert, daß man es von vorne nach hinten durcharbeiten soll, sondern die einzelnen grammatikalischen Phänomene sind themengebunden zu Kapiteln zusammengefaßt, die sich beispielsweise so anhören:- Personalpronomen und das Verb tob e- Possessivbegleiter, Pronomen und Präpositionen- Nomen- Die Ausdrücke There is und There are- Das Verb to have got- …Insgesamt finden wir 25 solcher Kapitel, die mit einer kurzen thematischen Übersicht und einer systematischen Erklärung des grammatikalischen Themas beginnen. Besonders wichtige Faustregeln werden hier mit einem roten Ausrufezeichen gekennzeichnet. Dann folgen stets einige Übungen, die teilweise von weiteren Erklärungen und sich darauf beziehenden Übungen ergänzt werden. Einige Übungen werden, weil sie als schwieriger gelten, nicht mit einer grünen, sondern einer roten Überschrift eingeleitet. Eine solche Differenzierung kann durchaus sinnvoll sein, um zu motivieren und um eine realistische Einschätzung des eigenen Könnens zu ermöglichen. Am Ende folgt dann ein Kästchen mit einer Selbsteinschätzung, die den Nutzer dazu aufruft, seinen eigenen Lernfortschritt auf einer Dreierskala anzukreuzen. In meinen Augen ist das in dieser Form eher l’art pour l’art, denn manche Aussagen greifen eigentlich nur die einleitenden Formulierungen im thematischen Überblick auf, z.B. „Ich weiß, was Nomen sind und wie man sie verwendet.“ – Ich frage mich, ob ein Fünftklässler anhand solcher Kategorien ohne weitere Deskriptoren seine eigene Performanz zu beurteilen vermag.Zu den Übungen ist zu sagen, daß es sich meist um Lückentexte oder Zuordnungsübungen handelt. Jeder Satz bzw. jedes Set von Sätzen hat seinen eigenen Zusammenhang, d.h. hier werden ganz klassische Übungen (geschlossen bzw. halboffen) angeboten. Das Fehlen größerer Zusammenhänge, das die grammatikalischen Phänomene in einen übergeordneten Sinnzusammenhang stellen und die kommunikative Funktion von Grammatik verdeutlichen würde, erklärt sich sicher auch dadurch, daß dieses Buch ja an kein Lernwerk angelehnt ist und es somit allen recht machen muß. Es hat aber den Preis einer gewissen Abstraktheit und – hiermit wären wir beim Punkt – einer geringeren Motivation. Auch das Fehlen jeglicher Bilder macht dieses Grammatikübungsbuch trockener als es sein müßte, zumal Illustrationen ja auch die Funktion haben können, grammatikalische Regeln zu veranschaulichen. Auf diese Möglichkeit wurde jedoch gänzlich verzichtet.Dies bringt mich denn auch zur Frage nach dem Adressaten dieses Buches: Für gute Schüler, die nochmals vor einer Klassenarbeit oder aus Motivation, eine der schönsten und vielseitigsten Sprachen der Welt zu lernen, einige Regeln auffrischen und dazugehörige Übungen machen wollen, ist dieses Buch vollends zu empfehlen, zumal der – allerdings nicht heraustrennbare – Lösungsteil solche motivierten und starken Schüler zum Selbststudium befähigen dürfte. Hierfür also gäbe ich fünf Sterne.Wenn es allerdings darum geht, schwächere Schüler zu stärken, dürfte die eher trockene und abstrakte Aufmachung sowie teilweise wohl auch die sachliche Gliederung des Buches eine Hürde aufbauen, über die solche Nutzer nur mit großen Schwierigkeiten kommen. Gerade bei solchen Schülern zeigt es sich auch oft, daß sie eine Grammatikregel in den Übungen, in denen sie isoliert vorkommt, leidlich oder sogar gut beherrschen, daß sie aber Schwierigkeiten haben, diese Regel auch noch in der Alltagskommunikation zu beherzigen. Solchen Schülern würde ich dieses Buch dann auch nicht zum Selbststudium an die Hand geben, sondern als zusätzliches Material für das gemeinsame Lernen in der Nachhilfe oder mit Eltern oder Freunden. Hier gäbe ich dann drei Sterne, so daß man zusammen auf vier Sterne kommt.Ein Käufer sollte sich also darüber im klaren sein, für welche Art Lerner er dieses durchaus gehaltvolle, aber eben auch anspruchsvolle Buch erwirbt und wie dieser Lerner dann damit arbeiten wird.