Die Idee der Bernerschen Wimmelbücher ist, wie in vielen anderen Rezensionen zu lesen, toll. Dies ist aber nun schon oft zitiert worden. Der Schwerpunkt meiner Rezension soll jedoch ein anderer sein und beschreiben, warum sich das Buch auch für ganz kleine Kinder schon lohnt.Meine Tochter fing mit ungefähr 10 Monaten an, sich inhaltlich für Bücher zu interessieren.Angefangen mit den üblichen "1 Bild pro Seite" -Büchern, die vielleicht dort noch flauschig sind, woanders quietschen, zusätzlich mit mal mehr und mal weniger geistreichen Reimen aufwarten, wurden diese sehr schnell langweilig, so dass unsere "Bibliothek" rasch immer größer wurde. Im Gegenzug dazu, nahm die Zeit, die ein Buch aktuell blieb, immer weiter ab.Ganz anders oben genannte Bücher.Schon mit 12 Monaten konnte meine Tochter einzelne Dinge wieder erkennen. Hier ein Auto, hier eine Katze oder die Schaukel. Schnell wurde es immer mehr. Aufgrund der Fülle der Bilder, machte es ihr Spaß, die einzelnen Protagonisten auf jeder Seite zu suchen und das Auffinden mit einem lauten "DAAA!" zu kommentieren. Da sich mit dem Weiterentwickeln ihrer Wahrnehmung (wir waren mittlerweile beim Nachahmen der Tiergeräusche angekommen) immer mehr Inhalt des ersten Buchs erschloss, wurde das "Sommerwimmelbuch" auch nicht langweilig - so dass ich dann recht früh, getrieben durch meine eigene Neugier, den "Herbst" bestellte.Von meiner Anfangseuphorie etwas gebremst, dachte ich beim ersten Durchblättern zunächst einmal: Na ja - Laternen und Kürbisse.Auch meiner Tochter gefiel der bunte "Sommer" deutlich besser. Doch dies änderte sich schlagartig, als Sankt Martin näher kam. Nachdem wir ihr im echten Leben eine Laterne gekauft hatten, sie durch die Halloween-Dekoration auch Kürbisse schon mal "live" gesehen hatte, war nun auch das Herbstwimmelbuch aktuell und faszinierend geworden.Der "Winter" wird ihr genauso gefallen, denn nach genauem Studieren meinerseits kann hier ebenfalls gesagt werden, dass das Buch, viele Dinge aus dem Alltag und der Realität der Kinder aufgreift, die sie erkennen und verstehen können.Postkartenidylle mit schneebedeckten Gipfeln und singenden Rentieren sucht man vergebens.Der Schwerpunkt des Buchs ist daher eher das, was Winter für die (meisten mitteleuropäischen) Kleinen bedeutet: Dicke Pullover, Bus anstatt Fahrrad fahren und auch kalte Tage ohne Schnee. Realer Alltag eben - top aktuell.Aktuell werden die Bücher auch noch für ein paar Jahre bleiben, denn im Vergleich zu anderen Büchern, wachsen diese quasi mit, da darin mit jedem weiteren Entwicklungsschritt weitere interessante Details entdeckt werden können.Jetzt mit knapp 1,5 Jahren beobachtet und kommentiert meine Tochter die Handlungen der Protagonisten, die überraschender Weise auch genau wieder Ihrer Interessenlage entsprechen (Hunde an der Leine halten, Erdbeeren essen, schaukeln, mit Auto/Bus/Fahrrad fahren, malen, Pipi machen, Einkaufen gehen, singen, Bücher lesen). Vielleicht ist gerade die Alltäglichkeit das Geheimnis.Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Fülle der Details dabei absolut keine Überforderung darstellt. Kinder können sich gut auf das konzentrieren, was sie interessiert bzw. verstehen und den Rest ausblenden - dies ist im Leben und auch in Büchern der Fall.Die Fülle und unaufdringlichen Details der Bilder sind eher das, was die Bücher über lange Zeit interessant machen.Ich kenne bisher kein besseres Kinderbuch.
Wimmelbücher haben inzwischen den Markt überschwemmt, was der Qualität in Teilen nicht geholfen hat. Insofern haben wir auch schon etliche hinter uns, die uns teilweise mehr, teilweise weniger überzeugt haben. Das hier gehört zu den Besseren, was mehrere Gründe hat:1. Schön illustriert:Die Illustration ist schön mit Liebe für das Detail. Man merkt, dass es nicht um eine Mehrfachverwertung von Illustrationselementen geht, sondern dass die Autorin mit Liebe für ihr Werk gearbeitet hat.2. Geschichten setzen sich fort:Inzwischen Standard, werden hier aber dennoch schön kleine Geschichten durcherzählt, Personen immer wieder aufgegriffen, so dass es auch in diesem Sinne nicht langweilig wird3. Einbettung in Jahreszeiten:Eine gelungene Idee, weil alle Jahreszeiten-Bücher sehr gut miteinander funktionieren und dabei nicht redundant sind.4. Wertiges Buch:Das Buch liegt gut in der Hand und wirkt von der Verarbeitung so, dass es nicht sofort auseinanderfliegt. Das ist bei uns zumindest bis dato auch nicht passiert.In Summe: Kaufempfehlung.