Wer hat schonmal so ein kleines, süsses fünfjähriges Kind angeschaut, das einen strahlend anlächelt und nach einem Gummibärchen fragt und dabei ganz plötzlich das Gefühl gehabt - halt, das ist kein kleines süsses Kind. Das ist ein kleiner Tyrann, ein korruptes Wesen, das seinen Charme einsetzt um zu bekommen was es will, im nächsten Moment würde es mir einen Stein an den Kopf werfen und das Gummibärchen vergessen? Und wer hat dem Kind dann trotzdem das Gummibärchen gegeben und ist dahingeschmolzen vor dem niedlichen Menschenwesen? Der sollte unbedingt Peter Pan lesen, denn so ein kleiner Tyrann ist der Held des Buches. Da ist nichts süss oder niedlich oder sanft. Peter ist grausam, Wendy und die Brüder egoistisch, Mr. und Mrs. Darling hilflos, Tinker Bell ein hinterhältiges kleines Biest und Captain Hook, der einzige namhafte Erwachsene im Niemandsland, völlig überfordert von der Unberechenbarkeit der Kinder und daher nur auf eins aus - ihren Anführer ausmerzen.Ich liebe Peter Pan - als ich es zum ersten Mal gelesen habe musste ich wirklich die Luft anhalten. Dass ein Autor so Gedanken niederschreibt, die ent-niedlich-fizierung der Kinder. So pointiert, so frech, so unverblümt. Schade, dass Disney mit einem duftigen Weichspüler eine salonfähige Geschichte daraus gemacht hat. Andererseits - dank Disney durften die Massen Peter Pan kennenlernen, vielleicht findet aber aus dieser Menge das ein oder andere unvermutet den Weg zum Original und lernt dieses kennen und lieben.
Die Geschichte hat einen besonderen Reiz und weckt Erinnerungen an die Kinderspiele, die wir wohl alle auf die eine oder andere Weise gespielt haben. Manche Spiele waren herrlich "brutal". Es war normal, dass die "Bösen" dabei totgeschossen werden mussten, vor allem, wenn man es mit Monstern, schrecklichen Piraten oder Raubrittern zu tun hatte. "Gefährliche Abenteuer" waren toll, es machte Spaß, sich welche auszudenken und in eine andere Welt zu fliegen, in der es Feen, Hexen, Zauberer, alle möglichen Verrücktheiten und manchmal auch sprechende Tiere gab. Beim Spiel "Mutter, Vater, Kind" schlüpfte das Mädchen ganz selbstbewusst in die Rolle der Mutter, ohne sich dabei Gedanken über Emanzipation zu machen. Nur Erwachsene denken über solche Themen nach, nur Erwachsene fragen sich besorgt, ob es nicht zu brutal ist, einen bösartigen Piraten über den Haufen zu schießen. Für spielende Kinder ist die Welt nicht so kompliziert. Das ist die Freiheit, die sie haben. Beim Spiel zählt nur die Fantasie, und die Zeit bleibt dabei stehen. Das einzige, was mich an dem Buch stört, ist der Schreibstil. Der gefällt mir nicht besonders, und ich bin auch nicht sicher, ob dieses Buch wirklich ein Kinderbuch ist. Für kleine Kinder wohl eher nicht. Da gibt es sicher kindgerechtere Versionen der Geschichte. Erwachsenen dagegen bietet dieses Buch viel Spielraum zur Interpretation und vielleicht wird der eine oder andere beim Lesen der Geschichte wieder für einen Moment zum spielenden Kind. Übrigens: Eine sehr gelungene filmische Umsetzung, die nah am Original ist, ist der Film "Peter Pan" von P.J. Hogan.
Ein zauberhaftes Buch mit wunderschönen Illustrationen und tollem, fantasievollen Text.Das Buch kommt in einem kunstvollen schönen Schober daher und ist zudem in wunderschönen dunkelblauen Leinen gebunden und Peter Pan prank in golden auf den dunkelblauen Leinen. Die goldene Schrift auf dem Buchrücken unterstreicht den hochwertigen Eindruck des Buches und die zarten im Buch aquarelle laden zum Träumen ein. Für groß und klein als Geschenk geeignet!