Das Buch war mir früher schon hin und wieder begegnet, jedoch hatten mich einige Rezensionen zunächst vom Lesen abgehalten. Jetzt konnte ich dann doch nicht widerstehen.Das Thema in „Seelenwege“ gab es natürlich schon oft: „Im Zusammenhang mit einer Lebenskrise macht sich jemand auf den Weg, um sein wahres Selbst, seinen Seelenauftrag und den Sinn des Lebens zu finden.“ Deshalb könnte manch einer sagen: „Nichts Neues“. Da die Lebenswege aber so verschieden und vielfältig sind, wie die Menschen, die sie beschreiten, ist diese Geschichte sehr wohl neu und einzigartig. Und deshalb ist der Roman es sicher wert, gelesen zu werden, zumal Erzählstil und Humor den Inhalt nie langweilig werden lassen.Die abenteuerliche Reise einer jungen deutschen Ärztin zu einem mystischen Ort in der Mongolei und einer sehr weisen alten Frau, die ihr die entsprechenden Impulse zur Selbstfindung gibt, bilden den Rahmen der Geschichte. Und nach Bestehen vieler Prüfungen und Bewährungsproben findet die Protagonisten ihren ganz eigenen Heil- und Heilungsweg – im doppelten Sinne.Themen wie „Liebe zu allem, was ist“, „bedingungslose Liebe“ sowie „Angst“, „Glück“ und „Vertrauen“ ziehen sich wie ein roter Faden durch den Roman. Die nachfolgenden Textstellen geben einen kleinen Einblick:„Guai Yaga lächelt. ‚Wenn du das Geschehen um dich herum aus der Mitte deiner Brust betrachtest, aus dem Gefühl, das dich weinen lässt, wenn du einen Sonnenuntergang siehst oder ein Tier, das dir Vertrauen schenkt, oder vielleicht auch, das du empfindest, wenn du die Hände eines Menschen nimmst, mit dem du mitfühlst, dann bist du in der bedingungslosen Liebe. Das ist die stärkste Kraft aller Energien, die es gibt. Du bist geschützt und eins mit deinem inneren Kern, der von der großen Quelle stammt, und der in allem lebt, was beseelt ist. Du bist Zuhause in dir, in deiner Seele.’ Guai Yaga macht eine Pause und atmet tief ein. Dann richtet sie ihre Handflächen auf mich. ‚Wende dich nun in dieser Liebe an den Yak und bitte ihn um die Milch, die er uns heute schenken will.’“ S. 75„Auf einmal durchströmt mich Glück. Ich erfreue mich an meinem eigenen Dasein, an meinem Leben. Es ist richtig, genau hier zu stehen, an diesem Ort. Ich bin, schlicht gesagt, plötzlich das, was ich wirklich bin. Und nur das. Ein Wesen wie jedes andere. Ich stehe hier, atme, fühle. Ich bin eins mit den Dingen um mich herum. Es ist ein uraltes Gefühl, so schlicht und dennoch so stark und beglückend.“ S.78„Wer bin ich? Was ist meine Aufgabe in diesem Leben? Was ist meine Gabe, die mir dabei hilft, diese Aufgabe zu erfüllen? Guai Yaga hat heute morgen zu mir gesagt: ‚An diesem Tag sollst du deinem wahren Ich näherkommen. Du sollst in dich hineinschauen, um dich daran zu erinnern, wann und wodurch du vergessen hast, wer du bist. Jede Seele hat ihre Lebensaufgaben. Eine persönliche und eine spirituelle. Die große spirituelle Aufgabe begleitet dich durch alle Leben, und die persönliche hast du noch in diesem Leben zu erfüllen.’“ S. 86„Angst entstünde, weil ich kein Vertrauen in die große Quelle habe, weil ich mich von ihr als getrennt empfinde, Zweifel habe an ihrer Existenz oder daran, dass sie mir hilft. Das sei meine größte Aufgabe in dieser Reinkarnation: Vertrauen zu haben in den großen Plan, in mich und meine Dazugehörigkeit. Angst zerfrisst meine Aura, und bedingungslose Liebe füllt sie wieder. Das klingt doch im Grunde ganz einfach, nicht wahr?“ S. 155Aus meiner Sicht ist dieses Buch vor allem für diejenigen geeignet, die sich gerade selbst aufgemacht haben, ihren eigenen Seelenweg zu finden. Aber auch Fortgeschrittene, die bereits ihrem Weg folgen, werden auf ihre Kosten kommen. Denn die Weisheiten sind zuletzt die ewig gleichen. Verschieden ist doch allenfalls immer nur die „Verpackung“. Und die ist hier für meinen Geschmack wirklich sehr gut gelungen.Einfach schön zu lesen. Herzlichen Dank.PS: Die Seitenangaben zu den Textstellen beziehen sich auf die gebundene Ausgabe.