Erstaunlich ist, dass dieses tolle Werk erst jetzt wieder bekannt wird. Es beinhaltet eine Vielzahl von Figuren und Szenen, deren Humor sich zwischen subtil und deftig bewegt. Es fällt auf, dass das sich Werk nicht nur die Sprache, sondern auch die Grammatik des ausgehenden 18. Jahrhunderts bedient. Das tut seiner Wirkung gut.
Der von Wezel gewählte Untertitel ist durchaus zutreffend. Denn zum Teil ist diese im aufklärerischen Gestus geschriebene Satire auf die Zustände und Intrigen an deutschen Kleinstaatenhöfen im 18. Jahrhundert von beißender Komik. Auch gelingt es dem Autor virtuos, insbesondere in den Briefen, die einen erheblichen Teil des Romans ausmachen, mit den verschiedensten Stilarten (geschwollener juristischer, derb volkstümlicher, sich gebildet gebender etc) zu jonglieren. Komisch sind aber auch die beiden Hauptfiguren, die sich über weite Strecken des Romans so benehmen, als hätte man sie mit dem Klammerbeutel gepudert. Bis in den 11. Theil hinein gebärdet sich Herrmann wie die Barry Lyndon, d.h. er geht keiner vernünftigen Tätigkeit nach und lässt sich nur von anderen aushalten. Ulrike und Herrmann lieben sich innig, als es dann aber bei einer günstigen Gelegenheit zu außerehelichem Geschlechtsverkehr kommt, drehen sie völlig durch, wollen sich anschließend nicht mehr ansehen und miteinander reden, trennen sich, weil sie sich so schämen. Aus heutiger Zeit ist dieses Affentheater kaum noch nachzuvollziehen. Hier wird deutlich, wie sehr sich die Verhältnisse seit der französischen Revolution verändert haben. Man sieht es auch in der Art und Weise, wie die Beiden in der Welt hin- und hergeworfen werden: von Ohlau nach Dresden, von dort nach Berlin, dann nach Leipzig und schließlich wieder in ein anhaltinisches Fürstentum. Für unsereins alles innerhalb weniger Stunden abzufahren - damals aber galt es tagelange Kutschfahrten zu bestehen. Der Roman hat über 750 Seiten und man braucht bei allem Amüsemang auch ein gewisses Maß an Geduld, um bis zum glücklichen Ende durchzuhalten. Aber es lohnt sich!Der erste Satz: "Im Jahre nach Erschaffung der Welt, als die Damen kurze Absätze und niedrige Topés, die Herren große Hüte und kleine Haarbeutel, und Niemand leicht Gold auf dem Kleide trug, der nicht wenigstens Silber genug in der Tasche hatte, um es bezahlen zu können, wurde auf dem Schlosse des Grafen von Ohlau ein Knabe erzogen, der bey dem Publikum des dazu gehörigen Städtchens nicht weniger Aufmerksamkeit erregte und in den langen Winterabenden nicht weniger Stoff zur Unterhaltung gab, als Alexander, ehe er auf Abentheuer wider die Perser ausgieng."