Die Fehlgeburt einer Republik: Spektator in Berlin 1918-1922 (Die Andere Bibliothek, Band 109)
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Essays EAN 9783847720249

Die Fehlgeburt einer Republik: Spektator in Berlin 1918-1922 (Die Andere Bibliothek, Band 109)

Hersteller: Ab Die Andere Bibliothek  ·  MPN: 1191441
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Produktbeschreibung

Präzise Diagnosen einer Gesellschaft in der Krise Es hat nicht viele deutsche Gelehrte und Intellektuelle gegeben, die wirklich politische Urteilskraft bewiesen haben. Gleich nach dem Ersten Weltkrieg, während der Revolution und in den ersten Jahren der Weimarer Republik, hat der Philosoph und Theologe Ernst Troeltsch unter dem Pseudonym »Spectator« in der bildungsbürgerlichen Kulturzeitschrift »Der Kunstwart« veröffentlicht. Ein bis zwei Mal im Monat schrieb er über seine alltäglichen Beobachtungen im nachrevolutionären Berlin: Sie führen mitten hinein in eine zerrissene Zeit, lassen den

Bewertungen & Erfahrungen

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Claus Gras 24.06.2024 amazon.de
Diagnosen einer Krisen-Gesellschaft?Da hat man sich ein Buch bestellt, in dem ein Zeitzeuge, wie es Ernst Troeltsch gewesen sein soll und dann setzt auch schon gleich die Enttäuschung ein, sich zum Kauf des Buches entschieden zu haben. Es enthält Erwägungen und Rückschlüsse die aus der dünnen Luft politischen Gremien entstammen mögen, zu denen das Volk als solches aber niemals Zugang gehabt hätte, nicht nur zu Kaisers Zeiten sondern auch gerade in den frühen Anfängen der werdenwollenden Weimarer Republik. Wem nützen diese Erwägungen in der Gegenwart die gesammelten Briefe und Aufsätze zu alltäglichen politischen Beobachtungen im nachrevolutionären Berlin, die Ernst Troeltsch mit dem Pseudonym „Spectator“ in der damals honorablen Zeitschrift „Der Kunstwart“ veröffentlicht hat. Es ist mir bei der Lektüre der Darstellungen ergangen, als sollten es heutige Zeitgenossen aus der „Geschichte lernen“ und Dinge, die aktuell zu lösen und klären sind, mit Hilfe historischer Festsetzungen anzugehen, um zu besseren Ergebnissen aufwarten zu können. Welcher Politiker würde dies wagen und auch öffentlich bekennen, aus historischen Ergüssen den Schlüssel zur Problemlösung gefunden zu haben? Es geht nicht darum, Ernst Troeltsch und seine Arbeit als Theologe, Philosoph und Politiker zu kritisieren, wenn er keinen Bezug zur Gegenwart herstellt. Das kann und konnte auch nicht seine Aufgabe sein. Welche „hellsichtigen und klugen Diagnosen einer Gesellschaft in der Krise“ in der Publikation der Anderen Bibliothek hätten indes aufleuchten sollen? Dies bleibt ziemlich verborgen. Was und wen könnten sie aktuell bei einer Entscheidungsfindung beeinflussen? Das gelungene Buch-Cover mit mondänen Damen, Bürgern und Soldaten verspricht inhaltlich viel mehr, als es die bedruckten Buchseiten herzugeben bereit sind…/cpg
Tom Kadi 24.06.2024 amazon.de
Ernst Troeltsch, 1865-1922, war Mitglied der links-liberalen DDP und als evangelischer Theologe und Geschichtsphilosoph einer der führenden Köpfe des akademischen Lebens in Berlin. In diesem Band sind Aufsätze zur politischen Lage in den Jahren 1918-1922 versammelt, die er in der Kulturzeitschrift "Kunstwart" veröffentlichte. Interessant sind diese nicht immer leicht lesbaren Ausführungen in erster Linie als hinstorische Dokumente eines überzeugten Republikaners, sind sie doch sehr dem politischen Augenblick verhaftet. Deutlich wird aber immer wieder, woran die Weimarer Demokratie zerbrach: Sie war eine Republik mit viel zu wenig Republikanern. Während auf der rechten Seite Mordterror, Antisemitismus, wirre Vorstellungen von der Rückkehr zu einem mittelalterlichen Ständestaat und der Ruf nach einem Führer vorherrschten, wurde die Demokratie nur von wenigen Liberalen und der Sozialdemokratie verteidigt. Letztere stand unter dem Druck der Kommunisten und der USPD. Ihre Führungskader waren zudem häufig nicht geeignet, leitende Positionen in der Politik verantwortungsvoll auszufüllen. Hinzu kam eine Beamtenschaft, ein Militär und auch die Professoren und Studenten, die der Demokratie feindlich gegenüberstanden. All das wurde zusätzlich kompliziert durch den Versailler Vertrag, der Deutschland die Alleinschuld am ersten Weltkrieg und daraus folgend drückende und nicht zu bewältigende Reparationslasten auferlegte. Wenn man diese Aufsätze liest, erhält man eine Ahnung davon, warum alles gut zehn Jahre später in der Diktatur der Nationalsozialisten endete.Der erste Satz: "Die lange gefürchtete und verheißene Revolution ist ausgebrochen."
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