Reiseberichte liegen seit Jahrzehnten im Trend. Vor allem dann, wenn die Menschen, die sie schreiben, das Land, von dem sie erzählen nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Herzen kennengelernt haben. Genau dies ist bei Johannes Zang der Fall. Denn der deutsche Journalist und Reisebegleiter lebte fast zehn Jahre lang in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten. Er unterrichtete dort Musik, begleitete Menschen durch das wunderschöne, facettenreiche, zerrissene, von Licht, Freude und Schmerz erfüllte Land, das vielen als heilig gilt und das einige wenige ganz allein für sich beanspruchen. Dieser Anspruch, der mehr als das Reklamieren eines Heimatrechtes ist, es vielmehr anderen, die dieses Land mit nicht weniger Gründen ihr Zuhause nennen, abspricht ist die Wurzel für die zahllosen Konflikte, die den Alltag in Israel prägen. In ihn ist Johannes Zang deshalb so tief eingetaucht, weil er das Leben der Menschen in Israel geteilt hat, weil er der Freund vieler Juden, Christen und Muslime geworden ist und nicht nur intellektuell beteiligt war, wenn deren Häuser zerstört wurden, sie die Grenze nicht überschreiten durften, obwohl ein medizinischer Notfall vorlag und am Ende des Tages ein kleines Kind das Opfer war oder ein junger Mann erschossen wurde, während er nichts weiter als seinen Dienst tat. Die 77 Texte, die Zang hier als Einblicke in den Alltag in Israel vorlegt, berichten von den Hoffnungen, den Freuden, aber auch der Verzweiflung, die er mit den Menschen geteilt hat. Der Leser erfährt zugleich viel Wissenswertes über die Stätten, die Zang den Reisenden - Privatpersonen, kirchliche Gruppen und Politiker, die Israel besuchten, zeigte sowie die Hintergründe und die Motive beider Seiten in diesem nur scheinbar unlösbaren Konflikt. Der Autor arbeitet nicht nur mit je neuen Begebenheiten, die den Menschen, mit denen er lebte und denen er begegnete widerfuhren, sondern bietet in jeder Geschichte Zahlenmaterial. So entsteht ein Bild, das zugleich sehr persönlich und enorm informativ und sachbezogen ist. Zugleich ist dieses Buch, in dem die Geschichten so vieler Menschen erzählt werden, deren Schicksal Zang aus nächster Nähe miterlebte, ein leidenschaftliches Plädoyer. Denn das Unrecht, das hier geschieht, entfaltet sich vor den Augen der Weltgemeinschaft und kaum jemand tritt, obwohl hier ganz offensichtlich breitflächig Menschenrechte verletzt werden, wirksam für die Betroffenen ein und stellt sich den Tätern entgegen. Zang hat trotz aller Verzweiflung die Hoffnung, dass dies möglich ist. Wer dieses Buch liest, wird Israel mit anderen Augen sehen und vielleicht einen der vielen kleinen Schritte tun, die nötig sind, das Angesicht dieser heiligen Erde zu ändern.
77 Einblicke ins „Heilige Land“ fundiert geschrieben von Johannes Zang, der selbst dort für einige Jahre gelebt hat und das Land als Reiseleiter regelmäßig besucht.77 kurze, sehr informative Texte. Leicht zu lesen, teils unterhaltsam und teilweise mit beklemmenden Inhalten. Sie geben lebensnahe Einblicke in den Alltag der Menschen vor Ort und verdeutlichen, wie sich die politisch doch sehr komplexe Situation auf das Leben der Menschen in Israel und den besetzten Gebieten auswirkt. Wer sich zu einer Thematik, über die zwei Seiten hinaus, noch vertiefend informieren will, findet im Anhang Verweise zu weiterführenden Informationen.Ein gelungenes Buchkonzept – absolut lesenswert!
Der Autor ist durch persönliche Erlebnisse und viele Jahre im Heiligen Land und den palästinensischen Gebieten bestens vernetzt und mit der Kultur vor Ort, der Religionsvielfalt und dem Nahost-Konflikt hervorragend vertraut. Dies gilt sowohl für die palästinensische wie auch die israelische Seite. Er beleuchtet verschiedenste Facetten, ob fröhlich oder traurig, wissenswerte Details wie auch bestimmte lokale Kuriositäten. Ihm liegt unverkennbar eine ausgewogene, freie Berichterstattung am Herzen, frei von Zensur oder Schuldgefühlen gegenüber Israel.Das Buch bietet vielseitige Informationen in "kleinen Happen" von maximal 2 Seiten, eignet sich also hervorragend zum Lesen bei Frühstück, Mittagspause oder beim Kaffee zwischendurch. Wer mehr zu den Themen erfahren will findet im Anhang zu jedem Kapitel Quellenhinweise und Informationen zu weiterführender Literatur/websites.Klare Leseempfehlung!