Wie können wir in guter Weise von verstorbenen Menschen Abschied nehmen? Was brauchen Angehörige und Verstorbene?Ajana Holz erzählt in ihrem Buch „Vom Leben getragen – für eine lebendige Bestattungskultur“ aus zwanzig Jahren Erfahrung mit der BARKE, ihrem mobilen und bundesweit arbeitenden Bestattungsunternehmen. Dabei lesen wir Geschichten von besonderen Abschieden, Gedanken darüber, wie wir als Gesellschaft mit unseren Toten umgehen, und welche Möglichkeiten einer liebevollen und achtsamen Abschiednahme es gibt.In den vergangenen Jahrzehnten hat sich durch den Einsatz vieler Menschen schon einiges getan in Deutschlands Bestattungs- und Trauerkultur. In Krankenhäusern sind Abschiedsräume entstanden; die Hospizbewegung und die Pallativmedizin setzen sich für ein schmerzfreies Sterben in Würde ein; Bestattungsinstitute bieten Feierhallen für Trauerfeiern ohne Zeitbeschränkung an und Abschiedsräume, wo Trauernde noch bei ihren Verstorbenen sitzen können.Und gleichzeitig ist auch immer noch so vieles im Argen. Es gibt Pflegeheime, wo die Verstorbenen möglichst unauffällig abgeholt werden müssen, damit ja kein Bewohner etwas davon merken soll; ÄrztInnen, denen es nach wie vor schwer fällt, Angehörige sensibel auf das nahe Versterben eines Patienten vorzubereiten; Mitmenschen, die die Straßenseite wechseln, um nicht mit einem Menschen in Trauer konfrontiert zu sein – denn was soll ich denn da sagen?Hier setzt Ajana Holz mit ihrem Buch an. Sie nimmt Ängste, spricht Tabus an, beantwortet Fragen und sie hilft ihrer Leserin, ihrem Leser, sich auch auf das eigene Sterben vorzubereiten. Und sie macht durch das Wissen, das sie vermittelt, ein Stückchen kompetenter für den nächsten Trauerfall in der Familie, der irgendwann kommt. Wissen um den Tod ist Wissen um das Leben.Ihr Buch ist sehr engagiert, intuitiv, poetisch, emotional und spirituell. Sie will Menschen stärken und begleiten, ermächtigen, soviel wie möglich selbst zu tun, sei es, ihren verstorbenen Angehörigen zu waschen oder auch das Grab selbst zuzuschaufeln.Wie ein roter Faden zieht sich der Satz „Wir sind Erde“ durch das Buch. Damit meint Ajana Holz zunächst, wie wichtig es ist, dass der tote Körper eines gestorbenen Menschen liebevoll versorgt wird, aus Achtung vor diesem einen besonderen Menschenleben, egal, wie lange es gewährt hat. „Mit unserer Liebe für die Toten ehren wir das Leben“, so ihr Credo.„Wir sind Erde“ meint auch eine umfassende Sicht auf das Leben und das Sterben in Zeiten von Klimawandel und Ausbeutung aller Resourcen der Erde durch Kapitalismus und Patriarchat, denn alles, was wir unserer Mutter Erde antun, tun wir uns selbst an.Ajana nennt sich selbst „Seelen-Hebamme“ und Übergangsbegleiterin. Geburt und Sterben – zwei Vorgänge, über die wir vieles wissen und gleichzeitig nichts. Das Wunder bleibt.„Wir sind Erde.“Bettina Sorge, Trauerrednerin