Ich bin seit Jahren Fan von Hans Rath. Die Trilogien habe ich beide mehrfach gelesen, absolut lohnend. Nach dem wenig spektakulären Troll-Buch ist Hans Rath mit diesem Buch wieder eine Meisterleistung gelungen.Wie mutig, überhaupt eine Dystopie zu schreiben, und sich damit mit den großen Beispielen der Weltliteratur von Huxley, Orwell & Co. zu messen. Wie mutig, sich an ein schon mehrfach verwertetes Thema zu wagen (die Gesundheitsdiktatur) und trotzdem ein Buch mit Neuheitswert zu schreiben. Wie mutig, eine Schau in die wirklich nahe Zukunft zu unternehmen. Nichts wunderbar Magisches in ferner Zukunft zu ersinnen, nach dem Motto Papier ist geduldig, sondern die Themen konsequent zuende zu denken, die heute schon in aller Munde sind. Google wird wissen, warum es sein Geld in entsprechende Forschungsthemen steckt. Niemand wird heute sagen können, ob man das Gehirn irgendwann in die Cloud laden kann, aber solche Ideen sind ernsthaft genug, dass Unternehmen bereit sind, ihr Geld darin zu investieren. Und Abhörung durch Auswerten von geschriebenen, gesprochenen oder mit Wearables gemessenen Daten ist heute Realität. Insofern kann man die dargelegte Utopie durchaus als mögliches Szenario für die nächsten Jahrzehnte glauben.Andere Rezensenten kritisieren, dass das Buch keine neuen Ideen enthält. Alles schon da gewesen. Mir sind auch durchaus starke Überscheidungen, z.B. mit Y.N. Hararis Büchern "Homo Deus" und "21 Lektionen ..." aufgefallen. Wenn man böswillig ist, kann man sagen, Herr Rath hat einfach die Ideen von Herrn Harari geklaut und einen Roman daraus gemacht. Ich sehe es anders herum: So lesenswert Hararis Bücher sind, und so klug die Gedanken darin sind, für mich war alles darin ein bisschen abstrakt. So könnte es kommen, oder auch so, keiner weiß es genau. Zum Glück HAT jemand einen Roman daraus gemacht. Herrn Raths Aussschmückungen sind ziemlich konkret und glaubhaft. Natürlich muss es nicht so kommen, wie Herr Rath es schildert, aber wenn gewisse erwartbare technologische Fortschritte erzielt werden, und wenn kein Gesetzgeber einschreitet und Missbrauch verhindert, dann werden gewisse Dinge todsicher passieren. Diese Message in ein populärwissenschaftliches Sachbuch gepackt kommt irgendwie nicht an. Im vorliegenden Roman ist man sofort mittendrin. Da erscheinen einem die Horrorszenarien viel glaubhafter. Der abgedroschene Spruch "Geld regiert die Welt" wird einem Szenario mit ein paar technischen Neuerungen, die heute schon in Sicht sind, um ein Vielfaches bedrohlicher als er heute schon ist.Die Idee des "Times Beach", so konsequent wie sie in dem Buch präsentiert und zuende gedacht wird, habe ich so noch nirgends gesehen oder gehört. Sie ist schockierend, aber wie weit ist der Schritt von der heutigen Situation in der Altenpflege bis dahin (die technischen Möglichkeiten vorausgesetzt)? Wenn man es sich so recht überlegt, wird es genau dazu kommen, wenn die technischen Möglichkeiten geschaffen werden und kein Gesetzgeber es verhindert.Die Perversion rund um Sabine (mehr wird nicht verraten) ist unglaublich krass, das krasseste, was das Buch zu bieten hat. Aber wieder muss man sagen: Es wird genau dazu kommen, wenn die technischen Möglichkeiten geschaffen werden und kein Gesetzgeber es verhindert. Wie groß ist der Schritt von Kinderarbeit, Zwangsprostitution, moderner Sklaverei und Leihmutterschaft bis zur "Sabine-Perversion" (die technischen Möglichkeiten vorausgesetzt)?Alles in allem also ein unglaublich lesenswertes Buch. Ganz nebenbei: eine negative Utopie mit extrem düsteren Aussichten, aber das Ganze in Hans Raths bekanntem heiter-optimistischen Schreibstil. Das muss man erst einmal schaffen. Hut ab, Hans Rath.
Mir hat die Geschichte gut gefallen und es war auch spannend die Zukunft gemeinsam mit Jemanden zu entdecken, der diese ja noch nicht kennt. Ich finde es auch schön eine Botschaft zu senden, dass man nicht so viel am Alltag kritisieren soll, sondern auch die positiven Dinge sehen und die Zeit, die man hat, zu genießen. Kurz vor dem Ende fand ich es ein bisschen zu vorhersehbar, mit dem Ende bin ich aber wieder versöhnt :).