Ich habe zuvor schonmal den Film geschaut, jedoch gefällt mir das Buch viel mehr. Denn es ist sehr detailreicher beschrieben. Ich mag dieses Genre besonders, denn zeitgenössische Literatur kann man manchmal zu Mainstream sein. Der große Gatsby lässt einen in die alte Welt flüchten.Mir hat insbesondere gefallen, dass es sehr viel an Symbolik und Interpretationsfreiraum gelassen werden.Am Ende habe ich mich gefragt, was wäre gewesen, wenn sich "Gatsby" nicht in seine Jugendliebe Daisy verliebt hätte. Denn er war offenbar ein sehr ehrgeiziger Mann, auch wenn er aus ärmlichen Verhältnissen kommt, hat er es bis ganz nach oben geschafft. Anders als Daisy und ihr Mann musste er sich alles erkämpfen, denn sie wurden in diese Adelsfamilie hineingeboren. Sie sind also von unterschiedlichen Welten.Auch habe ich mich gefragt, ob Gatsby Daisy wirklich geliebt oder es nur eine Illusion war. Denn in seinem Kopf stellte er sich schon vor, mit Daisy zu heiraten und wegzuziehen. Für Daisy war ihr Leben auf den ersten Blick perfekt, aber da ihr Ehemann sie immer wieder betrügt und auch nicht da war, als ihr Kind zur Welt kam. Sie bezweifelt alles sehr und möchte in alte Zeiten zurück. Und da kam Gatsby genau richtig, denn sie sagte einmal, dass sie wünscht, dass ihre Tochter wenn sie älter wird, ein kleines Dummerchen wird. Sie möchte ihre Tochter vor der verlogenen Adelswelt schützen, doch sie kann es nicht, weil sie selbst drin steckt. Bei Daisy ist es wahrscheinlich nur ein Seitensprung gewesen, denn als Gatsby Tom konfrontiert hatte, fragte er sie: Sag ihm, dass du ihn nie geliebt hast. Und sie konnte das nicht aussprechen, weil ihr Herz und Verstand etwas anderes sagte. Sie war auch bei seiner Beerdigung gar nicht da, das musst ja schon was heißen.Man kann sagen, dass beide Hauptfiguren aber Eines gemeinsam. Sie waren nicht schlau genug zu entscheiden, die Jugendliebe des jungen Lebensabschnittes hinter sich zu lassen. Manchmal kommen die Personen, die eigentlich zusammen gehören, am Ende nicht zusammen. Da ihre Weltanschauungen zu unterschiedlich sind und sie manchmal daran scheitern ihre wahre Liebe dem anderen zu gestehen. Doch eigentlich ist die Liebe doch was Schönes und etwas, woran beide arbeiten müssen. Es braucht alles seine Zeit. Ich denke, dass Gatsy und Daisy in heutigen Zeiten zusammengekommen wären, denn heutzutage sind Patchwork Familie ganz normal. Da Daisy ja ein Kind von Tom hat.
"Und ich mag große Partys. Sie sind so intim. Auf kleinen Partys kann man sich nirgends zurückziehen" (Position 781-782)InhaltAls Nick Carraway nach West Egg auf Long Island zieht um mit Wertpapieren zu handeln, mietet er ein kleines, altes Haus, das sich in seinem Garten zwischen Prachtbauten versteckt. Sein direkter Nachbar Gatsby ist Eigentümer eines Palastnachbaus und es dauert nicht lange, bis Nick von ihm zu einer seiner berühmten Partys eingeladen wird. Nick stellt schnell fest, dass er einer der wenigen geladenen Gäste ist. Die Party ist voller Feierwütiger, Berühmtheiten, Unterhaltung und Alkohol im Überfluss und ein ganzes Orchester ist beschäftigt. Jedes Wochenende werden riesige Partys veranstaltet. Der Gastgeber selbst hält sich dabei weitestgehend im Hintergrund, während seine Gäste den Luxus genießen und mutmaßen, was für ein Mensch dieser mysteriöse Gatsby eigentlich ist. Doch Gatsby hat seine ganz eigenen Motive für die ausschweifenden Partys.Meine MeinungMit dem "großen Gatsby" habe ich mich an einen weiteren Klassiker der Rory Gilmore Challenge gewagt. Ich wollte das Buch lesen, seit ich den Kinofilm gesehen hatte und habe es ganz und gar nicht bereut. Zum einen wurde mir durch das Buch einiges klarer, zum anderen bietet es so viele wertvolle Einblicke und Gedanken.Der Anfang der Geschichte über den Gatsby entwickelt sich erst gemächlich. Es wird nicht so schnell klar, in welche Richtung sich die Erzählung entwickeln wird. Denn anfangs zeigt Fitzgerald vor allem, wie sich der Ich-Erzähler Nick in West Egg einlebt, wie er alte Bekannte trifft und neue Menschen kennenlernt. Es wird von Gatsbys ausschweifenden Partys erzählt und von Gerüchten um seine Person. Wo das aber alles hinführen soll, bleibt lange unklar.Doch nach und nach finden die Fäden zusammen und damit kommt die Geschichte ins Rollen und wird so packend, dass man das Buch gar nicht weglegen will. Erst mit der Zeit bemerkt man, wie gut Fitzgerald seine Erzählung von vornherein durchdacht hat, denn im Endeffekt kommt vielen der anfangs als nebensächlich empfundenen Ausschmückungen eine Bedeutung zu. Tatsächlich wurde ich öfters von Wendungen überrascht und dachte mir im Nachhinein, dass ich sie erahnen hätte können, weil auf subtile Weise so viel schon darauf hingedeutet hatte. So war ich aber immer wieder erstaunt von der Komplexität Geschichte."Der große Gatsby" ist ein Buch der Worte. Es will eine Geschichte erzählen, aber vor allem die Gedanken des Lesers anregen. Dazu bedient sich der Autor schöner und spannender Sätze, über die man tagelang nachdenken kann. Die liebe Tanja hat mich vor kurzem damit angestachelt dieses Buch endlich zu lesen, indem sie mir ein Zitat nach dem anderen kommentierte und so war ich in gewisser Weise schon auf die Wortgewalt Fitzgeralds vorbereitet. Dennoch konnte ich mit dem Markieren gar nicht mehr aufhören. Ein paar Zitate habe ich daher für euch: "Es hat stets etwas Betrübliches, mit dem Blick eines anderen auf Dinge zu schauen, an die man sich selbst nur mit größter Mühe hat gewöhnen können." (Position 1646-1647) "Doch da war Jordan neben mir, die, anders als Daisy, zu klug war, um je wohlvergessene Träume von einem Lebensabschnitt in den anderen zu tragen." (Position 2172-2173)Wo es am Anfang noch an Spannung fehlt, wird dafür Stimmung aufgebaut. Als Leser bekommt man einen guten Einblick in die Konsumgesellschaft nach dem ersten Weltkrieg in New York. Fitzgerald beschreibt den Sog, den der Boom der Börsen auf die Menschen ausübte. Er erzählt von den Differenzen zwischen "Neureichen" und den alten wohlhabenden Familien, die letztendlich ähnliche Laster teilen. Er beschreibt ausschweifende Partys, Alkoholmissbrauch, Ehebruch und das ständige Bedürfnis nach Unterhaltung. So wird das Portrait einer im Überfluss lebenden, ständig feiernden, unruhigen Gesellschaft skizziert."Der große Gatsby" wird zu recht als das Meisterwerk der amerikanischen Literatur angesehen. Ich bin sehr froh, die Geschichte endlich gelesen zu haben und kann sie jedem ans Herz legen, den sie auch nur ein bisschen interessiert.