Zwei Worte, die im ersten Moment nicht zu diesem brutalen Rassenthema passen. Südafrika in den 50igern – vollkommen durchgestartet seine Bürger je nach Hautfarbe zu sortieren. Hier genießt man einen Rückblick auf eine weit zurückliegende Zeit und das sie zurückliegt tut einfach gut.Der beste Genuß ist der Witz der Autorin, der auf der Rückseite, wo die Werbetexte stehen, und einer Innenseite, ebenfalls mit Werbetexten, bedeutender Texter unerwähnt bleibt. Die Borniertheit bibelzitierender Buren, die Dummheit all dieser Gesetze und Regelungen ist genau das: eine Karikatur ihrer selbst, künstliche Schranken verbiegen das Denken bis zur Blödheit. Das spießt die Autorin mit herrlichen Sätzen auf. Das Seitenweise und brillant und zitierfähig herrlich.Wenn etwas absurd war, dann vor allem das System der Apartheit. Dies allzu Grobe fiel. Der große Rest aber ist geblieben. Nicht nur enthemmt ist Europa, wo der Flüchtling an allem „Schuld ist“, sondern wohl auch im furchtbaren Niedergang Südafrikas heutiger Zeit.„Ein schöner Ort zum Sterben“ ist der Auftakt einer Reihe. Ich werde die (vier) Werke lesen. Was für eine Sprachmacht, mal wieder eine großer Wurf im Ariadne-Verlag.
Nachdem vor einigen Jahren bei Ariadne die Bände 3 und 4 des Emmanuel-Cooper-Zyklus erschienen sind, publiziert der Verlag nun die lange Zeit vergriffenen Bände 1 und 2 in einer überarbeiteten Übersetzung.Ein schöner Ort zum Sterben ist der erste Band, angesiedelt im Südafrika von 1952, als die Apartheid-Politik des Staates mit zahlreichen Gesetzen, insbesondere Segregationsgesetzen, die „Rassentrennung“ weiter manifestierte. Zu der Zeit wurde ebenso die Security Branch gegründet, eine Polizeiorganisation für Staatssicherheit, die auch zur Bekämpfung Oppositioneller, insbesondere von Kommunisten eingesetzt wurde.DS Emmanuel Cooper wird zu dieser Zeit in eine kleine Burenstadt nahe der Grenze zu Mosambik zu einem möglichen Gewaltverbrechen beordert. Als er ankommt, erfährt er von der Leiche des erschossenen Polizeichefs der Stadt, die aus dem Grenzfluss geborgen wurde. Der Fluss dient Schmugglern als Möglichkeit zum Grenzübertritt, aber auch anderen, Oppositionellen des Regimes, die ungesehen Flugblätter einschleusen, mit denen Stimmung gegen die Regierung gemacht werden soll.Polizeichef Willem Pretorius war mit seinen fünf Söhnen der Herrscher der Stadt, unter Buren und anderen Weißen hochgeachtet, anscheinend immer bemüht, Gerechtigkeit auch gegenüber Mischlingen, eingewanderten Nichtweißen und Schwarzen zu zeigen.Während Cooper versucht, den Mord in sorgfältiger Polizeiarbeit unabhängig von Segrationsgesetzen und anderen politischen Interessen der Regierungspartei aufzuklären, wird ihm der Fall nach kurzer Zeit entzogen. Die Security Branch übernimmt, die politische Richtung ist klar: Der integre Polizeichef kann nur durch einen Staatsfeind, mutmasslich einen Kommunisten, ermordet worden sein. Cooper wird auf einen Nebenschauplatz abgeschoben, er soll sich um einen Triebtäter kümmern, der auf dem Weg zwischen der Stadt und der Location für die Eingeborenen Frauen belästigt haben soll. Sollte der Detective Sergeant dennoch den Leuten der Security Branch in die Quere kommen, würde er mit brutaler Gewalt davon abgehalten werden. Unterstützt wird die Security Branch von den Söhnen des toten Polizisten, die das Bild ihres Vaters schützen wollen.In diesem politischen und sozialen Gemenge kommt Emmanuel Cooper auf die Spur des Triebtäters sowie dem Mörder nahe. Es entwickelt sich eine Story, die sich nur in diesem Land als Folge der Apartheidpolitik und den poitischen Verhältnissen erzählt werden kann.Cooper ist ein kleines Puzzleteil, mehr ein Sandkorn, mit der Gefahr zerrieben zu werden zwischen seinem Anstand einerseits und den Ansichten und Interessen der herrschenden weißen Klasse und deren Handlanger. Was er dabei erfährt und wie es ihn trifft, wird in diesem und den anderen drei Bänden des Zyklus einfühlsam und beeindruckend von Malla Nunn erzählt. Eingebettet in ein dunkles Stück Geschichte dieses multiethischen und multikulturellen Staates, für die die europäischen Siedler verantwortlich sind.„Ein schöner Ort zum Sterben“ hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck, wobei der Krimipart nicht zu kurz kommt. Malla Nunn versteht es ebenso, einen spannungsreichen Plot aufzubauen und zu einem in diesem Gemenge logischen Ende zu führen.
»Es war nach sechs Uhr morgens«, antwortete der schwarze Polizist.»Die wissen einfach, wie spät es ist«, half Hansie eilfertig aus. »Uhren wie unsereiner brauchen die nicht.«Südafrika 1952. Die neuen Apartheid-Gesetze sind in Kraft, jegliche Kontakte zu Angehörigen anderer Rassen sind zu meiden. Als in einer ländlichen Gegend der dortige Captain der Polizei, ein Bure, erschossen aufgefunden wird, wird Detective Sergeant Emmanuel Cooper, ein Engländer aus Johannisburg, zu den Ermittlungen gerufen. In einem Klima voller Unsicherheit und Angst, gegenseitiger Vorurteile und weißer Arroganz beginnt er seine Arbeit, fast völlig auf sich allein gestellt.Schnell wird ihm ein Tatverdächtiger präsentiert, der den ehrbaren Captain ermordet haben soll. Doch Emmanuel kommen Zweifel, dass die Weste des Opfers tatsächlich so blütenrein war, wie allgemein dargestellt. Er beginnt tiefer zu graben und gerät schon bald in große Gefahr, denn sein Ansatz passt der parallel ermittelnden Geheimpolizei überhaupt nicht…Dieses Buch hat mich gleichzeitig gefesselt und abgestoßen, fasziniert und schockiert. Vorurteile ärgern mich generell, aber solche, die auf Rassenzugehörigkeiten beruhen, stoßen mich richtig ab. Furchtbar, wie sich Menschen anderen überlegen fühlen und das nur aufgrund ihrer Herkunft! Sie haben nichts dazu getan, besser oder schlechter, klüger oder dümmer zu sein, sie wurden lediglich geboren. Was für eine unglaubliche Anmaßung! Entsprechend war ich weite Teile des Buchs schlicht wütend. Dazu kam die ungeheure Brutalität der Geheimpolizei, unmenschlich und durch nichts zu rechtfertigen.Der Krimi selbst war spannend und wurde ordentlich aufgelöst. Neben Emmanuel als positivem, wenn auch innerlich zerrissenem Protagonisten, gab es weitere Charaktere, die meine Sympathie hatten, zum Beispiel Constable Samuel Shabalala, ein Zulu oder Daniel Zweigman, ein alter Jude. Was mir zudem zusagte, waren die Beschreibungen der atemberaubend schönen Natur. Dazwischen empfand ich die Lektüre aufgrund der intensiven Schilderungen manchmal als belastend.Fazit: Ein spannender Krimi, eingebettet in eine intensive Beschreibung der südafrikanischen Gesellschaft und der wunderschönen Natur.»Was blieb einem schon übrig, als wieder aufzustehen und erneut gegen die ganze Welt anzutreten?«