Auch wenn es schwülstig klingt: Für mich als jemand, der viele Jahre unter extremen Essstörungen gelitten hat, ist dieses Buch Balsam für die Seele! Und das sage ich nicht leichtfertig. Ich kann die negative Rezension verstehen: Als ich selber noch tief in der Essstörung gefangen war, wären die Vorgehensweisen in dem Buch mir auch unerreichbar und abstrakt vorgekommen. Vielleicht muss man schon einen gewissen Leidens- und auch Entwicklungsweg gegangen sein, um dieses Buch und seine Inhalte schätzen zu können. Auf die Grundsätze des intuitiven Essens und der Achtsamkeit bin ich in meinem jahrelangen Kampf gegen die Essstörung quasi zufällig und in Eigenregie gekommen. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass es dazu Bücher gibt und mehrere gelesen. Dieses hier hat mich am meisten und NACHHALTIGSTEN angesprochen.Es ist sehr liebevoll, klar und verständlich geschrieben. Es ist nicht nur "buddhistisches Geschwafel", sondern alles ist sehr bodenständig, also mit direktem Bezug zum praktischen Leben, und v. a. wissenschaftlich (medizinisch + physiologisch) belegt. Das gibt viel Aufschluss über den menschlichen Körper, die Wichtigkeit der Nährstoffe etc. Es löst uns von festgefahrenen Vorstellungen wie "gesunden" und "ungesunden" Lebensmitteln, schärft den Blick für den eigenen Körper, für die Qualität und Wirkung der einzelnen Nahrungsmittel und hilft dabei, individuelle Ausgewogenheit zu erreichen.Die Tipps sind so einfach wie genial. Zum Beispiel: Hunger in 7 verschiedene Erscheinungsformen einzuteilen scheint nur auf den ersten Blick kompliziert. Wenn man sich erst mal darauf eingelassen hat, sollte sich eigentlich jede/r in diesen verschiedenen Formen des Hungers wiederfinden, die sich oft gegenseitig relativieren, widersprechen und uns dazu bringen, zu viel und unseren eigentlichen Bedürfnissen unangemessen zu essen (unterschieden werden der Hunger der Augen, Nase, Mund, Geist, Magen, Herz und Zellen ... kennt das nicht jede/r, dass man etwas isst, weil es so gut aussieht, riecht oder schmeckt, obwohl man eigentlich satt oder sogar überfüllt ist? Welche Gründe, Herzenswünsche oder Bedürfnisse unserer Zellen, z. B. Nährstoffmängel, stecken wohl dahinter?)Wenn man bereit ist, sich auf eine spirituelle (bitte nicht verwechseln mit verquerer Esoterik), lebensbejahende, ganzheitliche Art und Weise auf sich selbst mitsamt Körper, Seele, Geist einzulassen, strotzt dieses Buch nur so vor konkreten Tipps und heilsamen Gedanken. Anders als andere Therapieansätze will Achtsamkeit auch nicht den vielfältigen, teils sehr belastenden und komplexen Ursachen für unser gestörtes Essverhalten auf den Grund gehen. Achtsamkeit stärkt uns im Hier und Jetzt, indem sie den Blick für die Gegenwart schärft. Das Vergangene ist vergangen. Die Last unserer bisherigen, "falschen" Essgewohnheiten kann von uns abfallen, wenn es uns gelingt, diesen inneren Reset-Schalter zu drücken. Ich wünsche jedem, der ernsthafte Probleme mit dem Essen hat, dass ihm/ihr das auch gelingt.Mit Sicherheit wird niemand durch die Lektüre dieses Buches von heute auf morgen ein anderer, gesünderer Mensch. Aber ich habe selbst festgestellt: Wenn wir uns Zeit geben, offen für heilsame Veränderungen sind uns eine Änderung unseres festgefahrenen Verhaltens immer wieder neu wünschen und auch kleine Erfolge zu schätzen wissen, dann gehen wir Schritt für Schritt in die richtige Richtung. Und stellen irgendwann erstaunt fest, dass wir schon sehr, sehr weit weg von dem (Essens-)Leid vergangener Tage sind, dass wir uns weiter entwickelt haben, als wir es damals je für möglich gehalten haben.Bei solchen intensiven inneren Prozessen kann dieses Buch ein sehr guter, anschaulicher und konkreter Ratgeber sein. :-)
Super Buch. Es ist nett geschrieben und gibt Anleitung sich selbst besser wahrzunehmen. Ich habe das Buch schon vor einigen Jahren gelesen und merkte heute, dass es wirklich ein Glücksgriff war. Es dauert einige Zeit bis man achtsam essen kann, aber es lohnt sich. Die Übungen musste ich auch individualisiert, da manche für mich einfach nicht praktikabel waren. Wer aber glaubt ohne Anstrengungen sein ganzes Essverhalten zu ändern, sollte lieber weiterträumen und dieses Buch nicht kaufen.Ich habe mich lange Jahre auf Diät gesetzt, um bloß nicht zu zunehmen. In diesem Plan war natürlich jede Art Fett und Süßes verboten.Jetzt esse ich achtsam. Ich habe keine Diätregeln mehr im Kopf und esse alles was ich möchte. (auch wenn es eine Riesenportion Eis ist) Ich habe seitdem nicht zugenommen, wähle meine Mahlzeiten aber sorgfältig aus und achte genau auf den Punkt an dem ich satt bin. Dies bedeutet auch mal einfach nur eine Mini-Portion zu essen, weil an diesem Tag einfach nicht so viel Nahrung gebraucht wird.In der Kantine schaue ich mir erst alle Speisen an und überlege mir in Ruhe was ich gerne essen möchte. Auch wenn das Essen 20 min. länger dauert ist mir der aufmerksame Umgang mit meinem Körper wichtig. Ich möchte nie wieder an den Punkt kommen, an dem ich irgendwelche Nahrung einfach nur in mich reinschiebe, weil sie auf meinem Diätplan steht.