Die Beschreibung konzentriert sich auf alle Bände der Reihe, deswegen erspare ich mir einzelne Kurzbeschreibungen. Eher baue ich diese in die allgemeine Bewertung mit ein.Band 1 Die Henkerstochter (516 Seiten)Band 2 Die Henkerstochter und der schwarze Mönch (532 Seiten)Band 3 Die Henkerstochter und der König der Bettler (596 Seiten)Band 4 Der Hexer und die Henkerstochter (619 Seiten)Band 5 Die Henkerstochter und der Teufel von Bamberg (720 Seiten)Band 6 Die Henkerstochter und das Spiel des Todes (656 Seiten)Die Charaktere der Familie Kuisl sind nachweisliche Vorfahren des Autors, also durchaus Protagonisten mit historischem Charakter auch, wenn die Geschichten fiktiv sind. Dennoch finden sich in jedem einzelnen Band damalige Gepflogenheiten, Mythen und Lebensumstände wieder.Der Henker, Jakob Kuisl: Tritt das Erbe seines Vaters in Schongau als Henker an, nachdem er vom Krieg als Soldat zurückgekehrt ist. Als Henker ist er nicht nur für das Rädern, Hängen und Köpfen und die peinliche Befragung der Beschuldigten zuständig, sondern besitzt auch die Gabe der Heilung von Krankheiten und Wunden. Eine Henkersfamilie galt als Ehrlose. Und so müssen sich alle Familienmitglieder immer wieder aufs Neue behaupten. Jakob ist ein brummeliger aber durchaus sympathischer Mann, dem der Job des Henkers durchaus nicht leicht fällt. Warum sonst, braucht es ein größeres Besäufnis vor seinen Vollstreckungen? Seine Frau Anna Kuisl ist ihm in solchen Zeiten eine große Stütze und führt ihren Gatten so gut wie es geht wieder ins aktuelle Geschehen zurück. Nicht immer ist Jakob von der Schuld der Gepeinigten überzeugt. Hat die Hebamme wirklich die kleinen Buben und Mädchen auf bestialische Weise umgebracht, weil sie eine Hexe ist? Wer hat den Pfarrer in der Lorenzkirche vergiftet und was hat ein Templerschatz damit zu tun? Wer hat Jakobs Schwester und dessen Schwager auf dem Gewissen? Was hat es mit den unheimlichen Automaten auf sich, die Frater Vrigilius erschaffen hat? Und treibt in Bamberg, dem Wohnort Jakob Kuisls Bruder wirklich ein Werwolf sein Unwesen? Warum werden in Oberammergau bei den Proben zu den Passionsspielen zu Pfingsten Hauptdarsteller ermordet?Zusammen mit seiner selbstbewussten und der typischen Kusil-Sturheit geborenen erwachsenen Tochter Magdalena, die es als Tochter eines Scharfrichters nie leicht hat und ihrer großen Liebe, dem Medicus Simon Fronwieser, stolpert Jakob von einem Kriminalfall zum Nächsten. Immer den Aberglauben und die Politik sowie der Macht der Kirche der damaligen Zeit im Nacken! Doch mit Hilfe seiner beiden Begleiter, dem zwar tollpatschigen, eitlen Simon, der durchaus ein schlauer Fuchs sein kann, wenn es drauf ankommt und auch seiner Tochter, die sich durch Nichts und Niemandem in ihrem Vorhaben aufhalten lässt, gelingt ihm doch immer wieder die Aufklärung der sehr gut gesponnenen Fälle. Magdalene hat zudem noch zwei weitere Geschwister. Die Zwillinge Barbara und Georg.Die Charaktere wachsen Einem schnell ans Herz. Man verfolgt von Buch zu Buch gerne die persönlichen Entwicklungen. Der Autor schafft es, eine spannende Atmosphäre auf zu bauen und diese auch zu erhalten. Am meisten beeindruckt bin ich von der guten Recherchearbeit von Oliver Pötzsch. Man lernt das damalige Leben authentisch kennen und lernt viel Geschichtliches über die einzelnen Orte des Geschehens. Die Geschichten sind so umfangreich gestaltet, dass man immer wieder neue Überraschungen erlebt. Wer dann noch Ambitionen zur damaligen Medizin hat, wird voll auf seine Kosten kommen. Ein tolles Lesevergnügen, dass ich allen Freunden historischer Romane nur ans Herz legen kann.
Die Story des 4. Buches ist wieder bemerkenswert spannend und interessant, geht es diesmal doch um Maschinerien, natürlich den einen oder anderen Mord und das Abtun als Hexerei für alles, was sich die Menschen zu jener Zeit nicht erklären konnten, steckt doch die Wissenschaft noch in ihren Kinderschuhen und ist nur einer kleinen Schar intelligenter und wissensdurstiger Menschen zugänglich.Schauplatz ist diesmal das Kloster Andechs. Das Areal muss sehr riesig (gewesen) sein, denn es zählen nicht wenige Gebäude dazu, nicht unähnlich einem größeren Dorf, umgeben von Hügeln und Wald. Ganz anschaulich wird alles im Anhang, einem Andechser Klosteralmanach, geschildert. Dafür fehlt diesmal ein Wanderratgeber.Wiederum habe ich mir das Bundle in Form von Kindle-Ebook und Audible-Hörbuch gegönnt, um da weiterhören zu können, wo ich beim Lesen stehengeblieben bin. Auch hier liest Johannes Steck, aber es muss sich um ein früheres Einsprechen handeln als die ersten 3 Bücher, denn Johannes Steck liest völlig ohne Dialekt oder Akzent. Auch die Stimmenvirtuosität ist noch nicht so schön ausgeprägt, wie ich es bei den ersten Büchern genossen habe. Ich gebe zu, ich bin diesbezüglich etwas enttäuscht, denn manchmal war mir erst mit dem Kontext klar, wer da gerade seine Meinung kundtat. Und gerade Jakob Kuisl mit seinem bayrischen Bass war einfach so wunderbar genial gelesen… seufzAuch in anderer Hinsicht habe ich Kritik anzumerken. Es geht mir um die beiden Protagonisten Magdalena und Simon Fronwieser, beide mittlerweile verheiratet. Man sollte meinen, dass diese inzwischen dazugelernt hätten, etwas ruhiger und gesitteter geworden wären, zumal sie Eltern zweier Lausbuben geworden sind, aber das Gegenteil ist tatsächlich der Fall. Gerade in diesem Buch scheinen beide so naiv, aufbrausend, streitsüchtig und unbedacht zu handeln, wie selten zuvor und bringen sich und ihre Kinder damit in größte Gefahr. Wäre mein heimlicher Favorit Jakob Kuisl nicht Hilfe bietend zur Stelle, es hätte das Ende der Reihe sein können. – Und mittlerweile bin ich hellhörig auf das “schwarz vor Augen werden” geworden. Ja, auch hier kommt diese Wortwahl vor.Natürlich gibt es auch in diesem Buch wieder eine Krankheit, die grassiert. Der Autor hat das Heilmittel Chinin, hier als Jesuitenpulver tituliert, eingebunden. Ich persönlich mag diese Ebene der Heilkunst sehr gern.Alles in allem muss ich also einen Punkt meiner Kritik wegen abziehen. Da das Buch aber dennoch äußerst spannend ist und den Leser in Atem und in Detektivlaune hält, gebe ich 08/10 Punkte und hänge Buch 5, nun allerdings ohne das Hörbuch an.